Chöre und Vereine singen traditionell während des Weihnachtsmarktes beispielsweise vor dem Ulmer Münster. Die GEMA verlangte dafür bisher schon Gebühren. Jetzt könnten die Kosten drastisch steigen. (Archivbild)

Verhandlungen laufen

Weihnachtsmärkte in Ulm und Gmünd: Höhere GEMA-Gebühren gefährden Musikprogramm

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Carola Kührig
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Jürgen Klotz
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Chöre und Vereine singen traditionell während des Weihnachtsmarktes beispielsweise vor dem Ulmer Münster. Die GEMA verlangte dafür bisher schon Gebühren. Jetzt könnten die Kosten drastisch steigen.

Traditionell gibt es auf Weihnachtsmärkten wie in Ulm und Schwäbisch Gmünd ein musikalisches Begleitprogramm und das Publikum liebt die Auftritte. Vor dem Ulmer Münsterportal waren in vergangenen Jahren unter anderem die St. Georgs Chorknaben und die Junge Bläserphilharmonie zu hören. Dafür fallen GEMA-Gebühren an, die sich jetzt beispielsweise in Ulm um das Zehnfache erhöhen könnten.

Ulmer Weihnachtsmarkt: Veranstalter erschrocken über hohe Rechnung

Alle Jahre seien die Abrechnungen nach dem Ulmer Weihnachtsmarkt von der GEMA akzeptiert worden, sagt der Veranstalter des Ulmer Weihnachtsmarktes, Jürgen Eilts. Playlists wurden eingereicht und jedes Jahr rund 1.500 Euro an Gebühren gezahlt - und zwar für die gesamte Zeit des Weihnachtsmarktes in Ulm.

Nun gelten GEMA-Tarife, die für Ulm drastisch steigende Kosten nach sich ziehen. Eilts hat durchgerechnet: Ein vergleichbares Programm würde mit den aktuellen Gebühren 15.000 Euro bis 18.000 Euro kosten, das ist rund zehn Mal so viel wie bisher.

Schon im vorigen Jahr sei die Rechnung heftig gewesen. "Letztes Jahr sind wir erschrocken, weil wir so eine hohe Rechnung bekommen haben", sagt Eilts. Die GEMA habe argumentiert, sie wende jetzt erstmalig den richtigen Tarif an. Damals gelang es laut Eilts noch, die Kosten auf 6.000 Euro "runterzuverhandeln".

Auch dieses Jahr soll es wieder vor dem Münsterportal Auftritte geben. Die Planungen laufen noch.
Auch dieses Jahr soll es wieder vor dem Münsterportal Auftritte geben. Die Planungen laufen noch.

Das sei dann das "Entgegenkommen" gewesen, von dem die GEMA auf ihrer Internetseite schreibt. Da heißt es unter anderem: "Mit den wenigen Weihnachtsmärkten, deren Rechnungsbeiträge sich seit 2019 signifikant erhöht haben, ist die GEMA im Austausch. Hier haben wir bereits individuelle Lösungen gefunden."

Weihnachtsmarkt-Veranstalter: "Wie beim Schwörkonzert in Ulm"

Bislang war es in Ulm und Schwäbisch Gmünd so, dass die GEMA-Gebühren anhand der Fläche berechnet wurden, auf der die Darbietungen der Musikvereine, Chöre und Gruppen vom Publikum gut gehört werden. Inzwischen will die Gesellschaft Gebühren für viel größere Flächen: In Ulm beispielsweise soll künftig die komplette Größe des Münsterplatzes zugrunde gelegt werden, das sind etwa 4.000 Quardatmeter. Und das wäre dann ähnlich wie bei den Schwörkonzerten, erklärt Veranstalter Eilts.

Auf dem Weihnachtsmarkt in Ulm ist auch dieses Jahr ein Rahmenprogramm geplant. Die Verantwortlichen machen sich aber Gedanken, wie man das angesichts der drastischen Kostensteigerung wirtschaftlich gestalten kann. Laut Eilts gehe man von einem der schlechtesten Fälle aus - und zwar, dass die erhöhte Gebühr bezahlt werden muss.

Es soll aber immer noch ein attraktives Programm bleiben. Derzeit gehen die Überlegungen dahin, dass zur Eröffnung des Weihnachtsmarktes sowie ein- oder zweimal die Woche ein Rahmenprogramm geboten wird.

Künftig kein Rahmenprogramm mehr in Schwäbisch Gmünd?

Die Diskussion um Musik auf Weihnachtsmärkten betrifft auch andere Städte, und manche Veranstalter überlegen bereits, ob sie wegen der hohen Kosten künftig ganz darauf verzichten. So auch Robert Frank. Er organisiert den jährlichen Weihnachtsmarkt in Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis) und sagt: Sollte die GEMA an ihren Forderungen festhalten, werde die Stadt möglicherweise auf die Konzerte vor dem Rathaus verzichten.

Rund 20 Gruppen haben auf dem Weihnachtsmarkt in Schwäbisch Gmünd in den vergangenen Jahren musiziert. Das war auch dieses Jahr geplant. Dafür hat der Eventmanager der Stadt bisher zwischen 1.100 Euro und 1.300 Euro an die GEMA überwiesen. Für dieses Jahr hat er eine Forderung über 14.460 Euro erhalten.

Weihnachtliche Stimmung auf dem Gmünder Weihnachtsmarkt. Ob das Rahmenprogramm in diesem Jahr so bleibt?
Weihnachtliche Stimmung auf dem Gmünder Weihnachtsmarkt. Ob das Rahmenprogramm in diesem Jahr so bleibt?

Wie die GEMA die Gebühren anhebt

An der Fläche für das Begleitprogramm hat sich im Großen und Ganzen nichts geändert: Ähnlich wie in Ulm ist der Bereich in Schwäbisch Gmünd etwa 200 Quadratmeter groß. Das ist laut Robert Frank der kleine Raum vor der Bühne am Rathaus. In Ulm sind es rund 300 Quadratmeter vor dem Münsterportal und damit der Bereich, in dem die Musik laut Veranstalter vom Publikum gut gehört wird.

Die GEMA geht allerdings von einer bespielten Fläche auf dem Gmünder Marktplatz von 4.300 Quadratmetern aus. Sie gibt als Grundlage dafür die Auswertung von Luftbildern an. Mittlerweile haben sich beide Seiten zumindest etwas angenähert. Aktuell fordert die GEMA für den Gmünder Weihnachtsmarkt noch rund 6.500 Euro. Robert Frank ist das immer noch zu viel.

Sollte die GEMA an ihrer Forderung festhalten, gibt es voraussichtlich keine Weihnachtsmusik auf dem Gmünder Weihnachtsmarkt.

Möglich ist auch, dass Gruppen nur noch am Wochenende auftreten. Dadurch würden die GEMA-Kosten geringer ausfallen, denn die GEMA rechnet die Musikauftritte tageweise ab. Und an besucherstarken Tagen würde es sich zumindest lohnen.

Auf einen besonderen Vorschlag der GEMA wird die Stadt Schwäbisch Gmünd auf keinen Fall eingehen: Die Verwertungsgesellschaft hat vorgeschlagen, das Weihnachtsmarktgelände einzuzäunen und symbolisch einen Eintritt von 1 Euro zu verlangen. Dadurch würden die Gebühren sinken. "Das ist weltfremd", sagt dazu Robert Frank.

Deutscher Städtetag eingeschaltet

Die GEMA-Regelungen gelten bundesweit. Deshalb sind auch Veranstalter von anderen Weihnachtsmärkten wie dem historischen Weihnachtsmarkt am Domplatz in Mainz (Rheinland-Pfalz) alarmiert. Merkliche Kostensteigerungen betreffen nach Auskunft einer Sprecherin des Deutschen Städtetags allerdings nur wenige Kommunen.

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