Tübinger Werbeforscher hält Kampagne für riskant

Reutlingen: Schmäh-Plakate sorgen für Diskussionen

Stand

Von Autor/in Judith Hüwelmeier

"Reutlingen kannst du nicht mögen" - das steht auf Plakaten, die seit Dienstag überall in Reutlingen hängen. Hinter den Schmäh-Plakaten steckt die Stadt selbst. Warum das Ganze?

In Reutlingen hängen an vielen Orten neuerdings Schmäh-Plakate, die sich über die Stadt lustig machen. "Herzlich willkommen - und tut uns leid" heißt es beispielsweise auf einem Plakat am Reutlinger Bahnhof. Die Plakate sind für viele Reutlinger quasi aus dem Nichts aufgetaucht. Und sie sorgen für Gesprächsstoff. Der Tübinger Werbeforscher Guido Zurstiege erklärt, was hinter solchen Kampagnen steckt.

Werbeforscher: Solche Kampagnen bergen auch eine Gefahr

Werbekampagnen dieser Art zielen laut Zurstiege, Professor für Medienwissenschaft und Experte für Werbeforschung an der Universität Tübingen, vor allem darauf ab, Aufmerksamkeit zu erzeugen. "Aufmerksamkeit ist ein noch knapperes Gut geworden, als das immer schon der Fall war" sagt er dem SWR am Freitag. "Das hat dazu geführt, dass viele Werbetreibende sich in der Tonalität ihrer Kampagnen immer weiter aus dem Fenster lehnen." Wir seien immer von Medien umgeben und da herauszustechen, werde immer schwieriger.

Wichtig sei bei einer Kampagne wie der in Reutlingen, dass im Anschluss eine Auflösung folgt. Laut Zurstiege ist die Kampagne aber riskant, denn die Gefahr eines "Eigentors" sei groß, sagte er.

"Wir müssen dir leider mitteilen, du bist in Reutlingen", steht auf einem Schmähplakat, das in Reutlingen aufgetaucht ist.
Wer mit dem Zug nach Reutlingen kommt, wird beispielsweise von diesem Plakat begrüßt. Bild in Detailansicht öffnen
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Reutlinger amüsiert und verärgert

Bürgerinnen und Bürger reagieren unterschiedlich auf die Plakate. Viele junge Leute nehmen die Aktion mit Humor auf. Andere sind von den Plakaten weniger begeistert. "Die sollen sich lieber etwas Besseres überlegen und die Stadt attraktiv machen, anstatt sowas zu sagen", sagte eine Reutlingerin dem SWR. "Rausgeschmissenes Geld!", meinte ein weiterer Bürger. Man solle doch besser etwas zur Belebung der Innenstädte tun.

Meinungen aus Reutlingen zu den Plakaten hören Sie hier:

Stadt bekennt sich zu Schmäh-Plakaten

Klar ist inzwischen: Die Plakate haben sich die Stadtverwaltung und das Stadtmarketing ausgedacht. Das hat die Stadt Reutlingen dem SWR bestätigt. "Reutlingen kannst du nicht mögen" heißt die Kampagne, die an Bushaltestellen, am Bahnhof und überall in der Stadt auf Werbebannern zu sehen ist.

Was die Aktion bezwecken soll, damit ist die Stadt aber noch nicht herausgerückt. Ein kostspieliger Scherz, oder eine Methode, die eingeschlafene Innenstadt wiederzubeleben? Alle müssen sich noch in Geduld üben, denn erst am Montag soll es die Auflösung geben.

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