Der Bleichsee ist ein künstlich angelegter See in den Löwensteiner Bergen (Kreis Heilbronn)  (Foto: SWR)

Polizeiliche Ermittlungen laufen

Rätsel um tote Frösche vom Bleichsee bei Löwenstein: Steckt ein Waschbär dahinter?

Stand

Es ist weiter unklar, wie die Frösche, die am Bleichsee bei Löwenstein gefunden wurden, ihr Leben lassen mussten. Eine Vermutung gibt es: Es könnte ein Waschbär gewesen sein.

Fast ein Dutzend tote Frösche sind in der vergangenen Woche am Bleichsee in den Löwensteiner Bergen (Kreis Heilbronn) gefunden worden. Da den Tieren die Schenkel ausgerissen worden waren, wurde die Polizei eingeschaltet. Sie ermittelt jetzt wegen Tierquälerei.

Es könnte aber auch ein vierbeiniger Täter für diese grausame Tat verantwortlich sein: ein Waschbär. Frösche und Kröten stünden durchaus auf seinem Speiseplan, sagt Andrea Hohlweck vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Regionalverband Heilbronn-Franken gegenüber dem SWR. Dennoch sei alles sehr hypothetisch, da es keine Spuren oder Beweisfotos von einer Wildkamera gebe.

Waschbären und Kröten sind beide nachtaktiv

Waschbären und Kröten haben den gleichen Rhythmus. Sie sind beide dämmerungs- und nachtaktiv. Waschbären sind Allesfresser, und wenn es derzeit am Bleichsee durch die Amphibienwanderung durchaus ein Überangebot an Kröten gebe, bediene sich der Waschbär hier unter Umständen und fresse dann nur die schmackhaftesten Schenkel.

Rund 140.000 Waschbären leben in Baden-Württemberg

Waschbären, die ursprünglich in Nordamerika heimisch sind, lieben laubreiche, wasserreiche Mischwälder und hätten damit rund um den Bleichsee in den Löwensteiner Bergen ideale Bedingungen, sagt Andrea Hohlweck. Der Waschbär sei eigentlich ein Allesfresser, ein Drittel seiner Nahrung bestehe aus Pflanzen. Ab und an nascht er auch mal gerne Trauben in den Weinbergen oder sonstiges Obst in den Obstplantagen. Aber der Waschbär wisse auch, dass im Frühjahr die Amphibien wandern. Da er sich nun mal gerne am Gewässer aufhalte, sei der Tisch hier natürlich auch reich gedeckt, so Hohlweck weiter.

Der Waschbär ist für die Erdkröten zum Beispiel nicht populationsgefährdend. Das können die Tiere ausgleichen, auch wenn es erstmal wie ein Massaker aussieht.

Wildpark Bad Mergentheim. Waschbär. (Foto: SWR, Jürgen Härpfer)
Hat möglicherweise ein Waschbär die Frösche am Bleichsee getötet? (Symbolbild)

Der Waschbär tastet mit seinen Pfoten im Wasser nach Nahrung

Der Waschbär ist ein Sammler. Er sucht beziehungsweise tastet im Wasser mit seinen Pfoten nach Nahrung: nach Fischen und eben auch nach Kröten, so Hohlweck. Er ist auch viel in Bäumen unterwegs. Er sucht mit seinen agilen Händchen in Baumhöhlen nach Eiern und nach kleinen Vögeln.

Ansonsten fresse er auch gerne Würmer und manchmal picke er sich dann - wie in diesem Fall möglich - nur die Froschschenkel. Es komme auf das Tier an und eben wie reich der Tisch gedeckt sei, so Hohlweck.

Polizei ermittelt weiter - PETA setzt 1.000 Euro Belohnung aus

Die Polizei bittet dennoch weiterhin um Hinweise: Denn sie ermittelt unter anderem wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Unterdessen hat die Tierschutzorganisation PETA auf die Ergreifung des Täters - sofern es kein Waschbär war - 1.000 Euro Belohnung ausgesetzt.

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