Bild aus Fotofalle bestätigt: Wolfsnachwuchs im Schwarzwald  (Foto: Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg)

Fotofalle am Schluchsee liefert Beweis

Experten sicher: Wölfe im Südschwarzwald haben Nachwuchs

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AUTOR/IN
Petra Jehle

Das im Südschwarzwald lebende Wolfspaar hat offenbar Nachwuchs bekommen. Fotos der Welpen gibt es zwar nicht. Den Beweis liefert aber wohl eine Aufnahme von der Wölfin.

Aus Hinweisen wurde Gewissheit: Die im Südschwarzwald lebenden Wölfe haben sich vermehrt. In Schluchsee (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) im Hochschwarzwald hat eine Fotofalle am 6. Juni das Bild einer Wölfin mit erkennbarem Gesäuge dokumentiert. Daraus schließen Experten der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Freiburg: Die Wölfin (Fähe) muss vor wenigen Wochen Nachwuchs bekommen haben. Ein Wurf umfasst im Durchschnitt vier bis sechs Wolfswelpen.

Welpen vermutlich im April oder Mai geboren

Nach Angaben der FVA werden die Wolfswelpen in der Regel Ende April bis Anfang Mai geboren. Erst nach mehreren Wochen verlassen die jungen Wölfe ihre Höhle. Die Chance den kleinen Wolfsnachwuchs zu sehen, seien eher gering, so Micha Herdtfelder von der Forstzlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg. In ein paar Wochen seien sie dann aber fast so groß wie ausgewachsene Wölfe und laufen mit anderen Rudelmitgliedern mit.

Wölfin mit Welpen  (Foto: dpa Bildfunk, Friso Gentsch (Symbolbild/Archiv))
Eine Wölfin wirft bis zu sechs Welpen. (Symbolbild)

"Die können sich auch als neugierige Gruppe auch mal Menschen anschauen, das ist aber kein gefährliches Verhalten, da besteht kein Grund zur Beunruhigung."

Wolfsrudel war bereits erwartet worden

Bei der fotografierten Wölfin handele es sich um das Exemplar GW2407f, teilte das Landesumweltministerium mit. Am 13. Februar 2023 war erstmals ein Wolfspaar von einer Fotofalle dokumentiert worden.

So berichtete SWR4 Südbaden Aktuell am 14.6.23 über das nachgewiesene Wolfsrudel im Hochschwarzwald:

Seither wurde damit gerechnet, dass der Wolf sich auch im Schwarzwald vermehren würde. Die FVA will sich in Zusammenarbeit mit lokalen Jägern und Förstern um weitere Informationen zum Wolfsrudel kümmern.

Ein Plakat an einem Zaun mit der Aufschrift: "Ist der Wolf da, ist der Familienbetrieb in Gefahr. Unsere Tiere sind kein Wolfsfutter." (Foto: SWR, Petra Jehle)
Mit Plakaten wie diesen protestierten Landwirte in Bernau im Schwarzwald gegen den Wolf. (Archivbild)

Reaktionen auf Wolfswelpen: Weidetierhalter befürchten Risse

Die Reaktionen auf die Nachricht über den Wolfsnachwuchs sind gespalten: Die Geschäftsführerin des Landesschafzuchtverbands Baden-Württemberg, Anette Wohlfarth, sagte dem SWR, dass sie dort die Bildung eines Wolfrudels schon befürchtet hatten. Die psychische Belastung für die Weidetierhalterinnen und -halter würde nun weiter zunehmen.

"Ich mache mir nicht nur Sorgen darum, dass einzelne Tiere gerissen werden. Es ist dann auch die ganze Herde verscheut."

Herdeschutzmaßnahmen werden seit Jahren schon angewendet, etwa mit Schutzzäunen, wie auch Tobias Kaiser welcher errichtet hat. Nun müsse aber im Fall der Fälle auch das umgesetzt werden, was Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) zuletzt verkündet hatte: Tiere, die wiederholt die Herdeschutzmaßnahmen überwinden, müssten der Herde "entnommen", also konsequent abgeschossen, werden.

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NABU: keine Angst vorm Wolf

Dieses Anliegen unterstützt auch der Naturschutzbund NABU. Wenngleich der Verband von einer "freudigen Botschaft mit historischer Tragweite" spricht:

"Vor dem Hintergrund des dramatischen Artensterbens ist der Nachweis des ersten Wolfsrudels im Land ein besonderer Tag für den Naturschutz."

Der Wolf sei ein heimisches Wildtier, vor dem der Mensch keine Angst, sondern Respekt haben müsse.

Familie Wolf: Gefährliche Nachbarn? (Foto: WDR)
Bis die Welpen ausgewachsen sind, dauert es etwa ein halbes Jahr. (Symboldbild)

So sehen das auch viele Bewohnerinnen und Bewohner aber auch Touristinnen und Touristen in der Region. Während die einen den Ärger um den Wolf nicht so ganz nachvollziehen können, würden sich andere sogar darüber freuen, einen der im Schwarzwald lebenden Wölfe aus der Entfernung zu sehen.

"Sie gehören in den Schwarzwald, wie alles andere eben auch."

Wolf in BW (Foto: SWR)
In diesen Teilen des Landes müssen Weidetierhalter mit Wölfen rechnen.

Landwirte können ihre Weiden mit Schutzzäunen nachrüsten

Landwirte und Wildtierbeauftragte aus der Region seien über die neue Entwicklung informiert. Die Gemeinde Schluchsee liegt im sogenannten Fördergebiet Wolfsprävention Südschwarzwald. Das bedeutet unter anderem, dass Weidetierhalter ihre Schäden durch Wolfsrisse und auch die Kosten für Schutzzäune und andere Präventionsmaßnahmen vom Land erstattet bekommen. Nähere Auskünfte gibt es auf der Internetseite des Umweltministeriums.

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