Kerze und ein Stein mit dem Namen der getöteten Ayleen (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Nach stundenlanger Vernehmung

Verdächtiger gesteht Tötung von 14-jähriger Ayleen aus Gottenheim

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Der im Fall Ayleen festgenommene Tatverdächtige hat die Tötung der 14-Jährigen aus Gottenheim (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) gestanden.

Wie Staatsanwaltschaft und Polizei in Gießen am Dienstag mitteilten, räumte der Beschuldigte die Tat am vergangenen Freitag bei einer mehrstündigen Vernehmung ein. Er habe im Beisein seiner Verteidiger zugegeben, den Tod der Schülerin in der Nacht auf den 22. Juli "durch körperliche Gewalteinwirkung herbeigeführt und den Leichnam anschließend im Teufelsee bei Echzell versenkt zu haben", hieß es.

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Beschuldigter führte Ermittler zum Tatort

Der 29-Jahre alte Mann, der schon als Jugendlicher als Sexualstraftäter verurteilt worden war, führte die Ermittler den Angaben zufolge auch zum Tatort im Bereich eines Feldwegs im Landkreis Gießen. Er habe gezeigt, wo er weitere Kleidungsstücke der getöteten Schülerin abgelegt hatte. Die Kleidung werde aktuell im Hessischen Landeskriminalamt untersucht.

Teufelsee im hessischen Wetteraukreis (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Carolin Eckenfels)
Der Teufelsee im hessischen Wetteraukreis. Hier war die vermisste 14-Jährige aus Gottenheim tot aufgefunden worden. picture alliance/dpa | Carolin Eckenfels

Motiv des Mannes weiter unklar

Die Staatsanwaltschaft Gießen sprach von einem "ganz wesentlichen Schritt in den Ermittlungen", der jetzt erreicht worden sei. Nun gehe es darum, das Motiv des Beschuldigten für seine Tat zu klären. Dabei konzentrieren sich die Ermittlungen darauf, wie sich der mutmaßliche Täter und die 14-Jährige im Internet kennen gelernt haben. Das werde "bestimmt noch einige Monate in Anspruch nehmen", sagte Oberstaatsanwalt Thomas Hauburger. Ermittelt werde wegen des dringenden Tatverdachts des Mordes.

"Vor uns liegt noch ein großer Berg Arbeit, weil wir die Motivlage und die näheren Tatumstände weiter aufklären müssen."

Mutmaßlicher Täter und Opfer kannten sich aus Online-Spiel

Die Leiche der Schülerin aus Gottenheim bei Freiburg war im Juli in dem See in Hessen entdeckt worden. Der Tatverdächtige und das Mädchen kannten sich aus wochenlangen Chats in sozialen Netzwerken und einem bekannten Online-Spiel. Der 29-jährige war kurz nach einer Durchsuchung seiner Wohnung festgenommen worden.

Ermittler erstellten detailliertes Bewegungsprofil

Dem Geständnis des Beschuldigten waren umfangreiche Ermittlungen der 30-köpfigen Soko "Lacus" und der Staatsanwaltschaft Gießen vorausgegangen. Aufgrund von Zeugenaussagen und der Auswertung einer Vielzahl von Spuren - insbesondere von Handy- und GPS-Daten - konnten die Ermittler ein beweiskräftiges Bewegungsprofil erstellen. Damit konfrontiert, räumte der 29-jährige die Tat ein, nachdem er sie anfangs noch bestritten hatte.

Gottenheims Bürgermeister: "Das prägt unsere Gemeinde"

"Obgleich das eine schreckliche Tat ist, war die Nachricht, dass der [mutmaßliche, d. Red.] Täter jetzt geständig ist, für mich persönlich eine Erleichterung."

Der Bürgermeister von Gottenheim, Christian Riesterer (parteilos), berichtete am Dienstag, viele Menschen aus seiner Gemeinde seien so wie er selbst erleichtert. "Viele Dinge waren ungeklärt, das lässt natürlich auch Raum für Interpretationen, die der Sache überhaupt nicht dienlich sind." Er hoffe, dass der Beschuldigte schnell seiner gerechten Strafe zugeführt und der anstehende Prozess kein Indizienprozess werde, sagte Riesterer. In Gottenheim werde nach wie vor über den Tod des Mädchens getrauert: "Das ist ein Ereignis, das prägt unsere Gemeinde."

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