Eine grüne Eidechse mit blauer Kehle sitzt auf der Erde. (Foto: SWR)

Auch wegen höherer Temperaturen

Seltene Smaragdeidechse hat sich am Kaiserstuhl rasant vermehrt

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Wera Engelhardt
Wera Engelhardt (Foto: SWR)

Die farbenprächtige Westliche Smaragdeidechse lebt in Deutschland nur an wenigen Orten, unter anderem am Kaiserstuhl. Dort kommt sie immer häufiger vor - aus zwei Gründen.

Während manche Tiere unter der zunehmenden Wärme leiden, fühlt sich eine besonders seltene und farbenprächtige Art am Kaiserstuhl sehr wohl damit: die Smaragdeidechse. Das Reptil ist am Kaiserstuhl heimisch und hat sich dort in den vergangenen gut zehn Jahren stark vermehrt. Dem Umweltwissenschaftler Felix Treiber aus Ihringen liegen Daten über rund 80 Hektar in der Region vor und er stellt fest: "Auf diesen 80 Hektar im Kaiserstuhl hat sich die Smaragdeidechse um 725 Prozent gesteigert." Etwa 1.150 Tiere seien zwischen 2020 und 2022 gezählt worden.

SWR-Reporterin Wera Engelhardt war fürs SWR Fernsehen mit Felix Treiber am Kaiserstuhl unterwegs:

Treiber, der in Ihringen das Institut für Biotopverbund und Artenschutz gegründet hat, führt die Entwicklung in erster Linie auf zwei Faktoren zurück: die höheren Temperaturen im Zuge der Klimaerwärmung und eine verstärkte Pflege des Lebensraums der Smaragdeidechse. "Die Smaragdeidechse ist eine Klimawandel-Gewinnerin. Sie ist eine Wärme liebende Art und, wie auch andere Wärme liebenden Arten, profitiert sie von der Klimaerwärmung", sagt Treiber. Gleichzeitig kümmerten sich Landschaftspfleger mittlerweile verstärkt darum, Böschungen zu pflegen, die für die Smaragdeidechse wichtig sind.

Smaragdeidechsen brauchen Sonne aber auch Deckung

Jan Flessa vom Landschaftserhaltungsverband Breisgau-Hochschwarzwald erklärt: "Die Smaragdeidechse braucht hier Plätze, wo sie sich sonnen kann, Plätze, wo sie Nahrung findet." Dementsprechend braucht es grasreiche Bestände mit Altgras, wo zum Beispiel Heuschrecken drinsitzen. Außerdem brauche die Smaragdeidechse auch Deckung, um sich vor möglichen Beutegreifern verstecken zu können. Deshalb mähen Landschaftspfleger regelmäßig Pflanzen wie die Goldrute aus den Böschungen, die sonst alles zuwachsen würden. Mit Erfolg: Man finde die Smaragdeidechse nun an Stellen am Kaiserstuhl, an denen sie vor einigen Jahren noch nicht gelebt habe, sagt Flessa.

Drei Männer mähen an einem Berghang Gras und rechen es zusammen. (Foto: SWR)
Landschaftspfleger halten die Böschungen frei, damit sich Smaragdeidechsen dort wohlfühlen.

Zwei Arten von Smaragdeidechsen in Deutschland

In Deutschland gibt es zwei Arten von Smaragdeidechsen: eine östliche und eine westliche. Die Östliche lebt nach Angaben des Naturschutzbundes an den Donauhängen bei Passau, die Westliche ist in kleinen Vorkommen am Kaiserstuhl samt dem Tuniberg und am Mittelrhein sowie an der Mosel bis kurz vor Koblenz zu finden. "Die Smaragdeidechse kommt in Baden-Württemberg nur hier am Kaiserstuhl und am Tuniberg natürlicherweise vor, in anderen Bereichen ist sie ausgestorben", sagt Felix Treiber.

"Sie ist auf jeden Fall ein Juwel des Kaiserstuhls und von der Farbenpracht her ganz besonders."

Der 22 Jahre alte Umweltwissenschaftler, der sich nach eigenen Worten schon als Kind für die Reptilien begeistert hat, sagt, dass die Smaragdeidechse noch vergleichsweise wenig erforscht sei. Am Kaiserstuhl sei aber die Datenlage der vergangenen zehn Jahre gut, was "eine einzigartige Chance" sei, die Entwicklung der Population nachzuzeichnen. Treiber bemüht sich, den Bestand der Reptilien weiterhin so umfassend wie möglich zu erfassen und zu dokumentieren, etwa durch regelmäßige Kartierungsaktionen.

Ein junger Mann und eine junge Frau laufen vor blauem Himmel einen Feldweg hinab. (Foto: SWR)
Felix Treiber und seine Kollegin Maya Böhling suchen zwischen den Weinreben bei Ihringen nach Smaragdeidechsen.

Treiber: Die höheren Temperaturen machen auch nachdenklich

Grundsätzlich freut er sich, dass sich das Reptil so stark vermehrt hat. Dass die Smaragdeidechse dort heimisch ist, sei keine Bedrohung für andere Tierarten. Treiber sieht aber auch die Schattenseiten des Temperaturanstiegs, den er mitverantwortlich macht für die Entwicklung. "Auf der anderen Seite macht es nachdenklich und zeigt, dass da eine gewisse Veränderung in der Natur stattfindet." Wärmeliebende Arten profitierten davon, während andere Arten, die feuchtes und kühleres Klima brauchten, am Kaiserstuhl immer weniger würden - zum Beispiel die Zauneidechse.

Mehr über die Tierwelt am Kaiserstuhl erfahren Sie in dieser SWR-Doku:

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