Einige Supermärkte verkürzen ihre Öffnungszeiten.  (Foto: picture alliance / dpa / Tom Weller)

Kunden reagieren gelassen

Verkürzte Öffnungszeiten: Deshalb schließen Supermärkte nun früher

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Ina Held, Paulina Flad
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Paula Zeiler
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Immer mehr Supermärkte im Land verkürzen ihre Öffnungszeiten. Spätestens um 20 Uhr ist Schluss. Schuld sei die Energiekrise, heißt es. Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit.

In Baden-Württemberg haben immer mehr Supermärkte begonnen, die Uhren zurückzudrehen. Spätestens um 20 Uhr wird bei ihnen der Laden geschlossen. Die Energiekrise sei schuld. So spare man Strom, lautet die Begründung. In einem Supermarkt in Emmendingen gibt es aber noch weitere Gründe.

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Späte Arbeitszeiten schrecken Personal ab

Einkaufen bis in die Nacht hinein: Möglich wird das mit dem Ladenschlussgesetz. Deshalb gibt es inzwischen Supermärkte, die bis 22 Uhr oder sogar noch länger geöffnet sind. Arbeiten, wenn andere Feierabend haben. Es gibt immer weniger Personal, dass das gerne macht.

Ein Supermarkt in Emmendingen schließt diesen Winter früher.  (Foto: SWR)
Dieter Schneider schließt seine Supermärkte ab sofort früher.

Deshalb hat Dieter Schneider, Inhaber mehrerer REWE Märkte in Freiburg und im Landkreis Emmendingen, entschieden: Es wird eine Stunde früher geschlossen. In seinem Supermarkt in Emmendingen können die Kunden nur noch bis 21 Uhr einkaufen. Dann funktioniert es gerade so mit seinem Personal.

"Wir haben niemanden, einfach niemanden. Wir haben einfach zu wenig Hände."

Früherer Ladenschluss gegen Personalmangel

Der frühere Ladenschluss soll den Personalmangel ausgleichen. Bei einer Befragung im Emmendinger Supermarkt wird deutlich, dass alle Kundinnen und Kunden die früheren Schließzeiten völlig in Ordnung finden.

"Man muss immer schauen, dass es allen gut geht. Dem Käufer und dem Verkäufer."

SWR4-Reporter Sebastian Bargon hat sich in Freiburg umgehört:

Ver.di Südbaden begrüßt früheren Ladenschluss

Die Öffnungszeiten verkürzen - damit war vor einigen Wochen Aldi Nord Vorreiter. Andere Supermarkt-Inhaber in Südbaden ziehen jetzt nach. Gut so, sagt die Gewerkschaft ver.di. Laut Markus Klemt, ver.di Südbaden, waren die Geschäfte vor Jahrzehnten immer ab 18:30 Uhr zu. "Und mit Verlaub, es war damals auch ein Leben möglich."

Manche Unternehmen schließen auch wochentags

Begonnen hat die Diskussion um die Öffnungszeiten mit der Energiekrise: Strom und Heizung sparen durch den früheren Ladenschluss. Doch das wirklich große Problem ist der Personalmangel - in den Supermärkten und in allen Branchen des Einzelhandels. Peter Spindler vom Handelsverband Südbaden sagt dazu: "Es gibt Unternehmen, die an einem ganz bestimmten Wochentag schließen, natürlich nicht an dem Wochentag, der den größten Umsatz bereitet. Aber eben an dem Wochentag, den sie für sich als geeignet erachten."

Ein Supermarkt in Emmendingen schließt diesen Winter früher.  (Foto: SWR)
Kürzere Öffnungszeiten sollen gegen Personalmangel wirken.

Neue Öffnungszeiten in Emmendingen nur diesen Winter

Im Supermarkt in Emmendingen hofft man, dass durch die hohe Inflation viele Menschen wieder mehr und länger arbeiten wollen und sich das Personalproblem entspannt. Deshalb gelten die neuen Öffnungszeiten erst mal nur für diesen Winter.

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