Trans* Pride in Stuttgart (Foto: SWR)

Kundgebung für mehr Sichtbarkeit von Transpersonen

Trans* Pride in Stuttgart: Etwa 500 Menschen demonstrieren für Gleichstellung

STAND

Mehrere Hundert Menschen sind am Samstag bei der 'Trans* Pride' in Stuttgart auf die Straße gegangen. Sie fordern juristische und gesellschaftliche Gleichstellung von Transpersonen.

"My life, my choice! Selbstbestimmung jetzt" - unter diesem Motto stand die Kundgebung in Stuttgart. Einige Teilnehmende trugen bunte Schmetterlingsflügel, andere machten ihre Forderungen mit Transparenten deutlich. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Verein Mission Trans*. Weitere Organisationen wie die Initiative 100% Mensch und die Gender*nauts haben bei der Planung geholfen.

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Die TTI-Community - kurz für transgender, transsexuell und intersexuell - möchte mit der Veranstaltung auf die aus ihrer Sicht nach wie vor prekäre Situation für Angehörige der Community hinweisen. Diskriminierung sei noch immer an der Tagesordnung, betonten die Veranstalter bei der Abschlusskundgebung.

Schirmherrin war in diesem Jahr die grüne Bundestagsabgeordnete und Transfrau Tessa Ganserer.

Forderung: Transsexuellengesetz abschaffen

Unter anderem fordern die Veranstalter, das Transsexuellengesetz abzuschaffen. Das mehrere Jahrzehnte alte Gesetz sieht vor, dass Betroffene ihr Geschlecht offiziell erst nach einem psychologischen Gutachten und einer gerichtlichen Entscheidung ändern dürfen. Dabei müssen sie sich laut des Queer-Beauftragten der Bundesregierung oft sehr intime Fragen gefallen lassen, etwa zum Thema Masturbation oder zu persönlichen sexuellen Fantasien.

Viele Transmenschen lehnen deshalb eine Änderung von Vornamen und juristischem Geschlecht nach diesem Gesetz ab.

Geplante Neuerung: Das Selbstbestimmungsgesetz

Die Ampelkoalition in Berlin will das Gesetz nun durch das Selbstbestimmungsgesetz ersetzen. Jeder Mensch in Deutschland soll demnach sein Geschlecht und seinen Vornamen künftig selbst festlegen und in einem einfachen Verfahren beim Standesamt ändern können. 

Wenn die Neuregelung so wie geplant umgesetzt wird, ist bei der Frage des Geschlechtseintrags und der Vornamen künftig unerheblich, ob es sich um einen transgeschlechtlichen, nicht-binären oder intergeschlechtlichen Menschen handelt. Gutachten zur sexuellen Identität oder ein ärztliches Attest sollen als Voraussetzung für eine solche Änderung dann nicht mehr verlangt werden.

Trans* Pride in Stuttgart (Foto: SWR)
Etwa 500 Teilnehmende demonstrierten bei der Trans* Pride in Stuttgart. Bild in Detailansicht öffnen
Die Veranstaltung wurde von dem Verein Mission Trans* und Partnervereinen organisiert. Bild in Detailansicht öffnen
Das Ziel der Trans* Pride: die Sichtbarkeit für Transpersonen und für ihre Anliegen erhöhen. Bild in Detailansicht öffnen
Die Abschlusskundgebung auf dem Schlossplatz fand bei Regen statt. Bild in Detailansicht öffnen

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