Wohnhäuser im Mannheimer Stadtteil Franklin

Finanzierung auf dem Prüfstand

Steht das geplante Mannheimer M-Hochhaus auf der Kippe?

Stand
AUTOR/IN
Sabrina Mann
Holger Neumann

Auf einem Mannheimer Ex-Militärgelände soll ein Haus in M-Form entstehen und mit anderen buchstabenförmigen Gebäuden einen Schriftzug bilden. Aber die Finanzierung bröckelt.

Jahrzehntelang war das Benjamin Franklin Village im Mannheimer Nordosten mit 14.000 Bewohnern die größte amerikanische Siedlung auf deutschem Boden. Vor elf Jahren zogen die letzten amerikanischen Familien aus und die Militärfläche wurde in ein neues Stadtquartier umgewandelt.

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Neben Ein- und Mehrfamilienhäusern sollen auf Franklin vier große Wohntürme in Form von Buchstaben entstehen, die zusammen das Wort HOME bilden – das englische Wort für Zuhause. Das jedenfalls ist der Plan. Weil die Kosten steigen, wird sich die Umsetzung aber auf unbestimmte Zeit verzögern.

Auf dem ehemaligen US-Militärgelände Franklin ist ein neuer Stadtteil entstanden

Projekt wegen hoher Baukosten auf dem Prüfstand

Jeder Gebäude-Buchstabe kostet rund 100 Millionen Euro, ist ca. 50 Meter hoch und besteht aus mehr als 100 Wohneinheiten. Das E in schwarz-weiß steht bereits, das O in blau hatte gerade Richtfest, das gelbe H ist im Bau. Was noch fehlt, ist das rote M. Anfangs hieß es, es gebe Verzögerungen wegen des Untergrunds. Doch mittlerweile ist klar: Es ist die Finanzierung, die bröckelt. Das bestätigt auch Achim Judt, Geschäftsführer der für Franklin verantwortlichen MWSP Stadtentwicklungsgesellschaft.

MWSP-Geschäftsführer Achim Judt

"Wir haben geänderte Rahmenbedingungen und alle Großprojekte ab einem Volumen von 100 Millionen stehen auf dem Prüfstand. Aber wir sind sehr optimistisch, dass das M-Gebäude realisiert wird."

Unfreiwillige Komik

Solange das M fehlt, kann das Auge des ungnädigen Betrachters statt HOME das Wort HOE lesen – ein sehr unfeiner britischer Begriff für eine Prostituierte. Darüber wird vor allem überregional viel gespottet, die Menschen im Quartier aber bleiben gelassen.

"Ein P statt einem M, dann hätten wir HOPE, was auch eine schöne Message wäre."

Statt HOME den Begriff HOPE (deutsch: Hoffnung) zu bauen, darüber hat die Stadtentwicklungsgesellschaft tatsächlich nachgedacht, den Gedanken aber wieder verworfen.

"Das wäre in der heutigen Zeit auch ein treffender Begriff. Am Ende des Tages ist das aber auch nicht wirtschaftlicher realisierbar."

Es dreht sich also weiterhin alles um das M. Und dabei gibt es noch einen weiteren Haken: Tatsächlich HOME lesen kann man aus nahezu keiner Perspektive. Das wiederum entspannt die Lage ein wenig – und man kann in Ruhe abwarten, was die bauliche Zukunft bringt.

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