Festakt in Mannheim zu "100 Jahre Schulpsychologie": Kulturministerin Theresa Schopper (Grüne) hält ein Grußwort zur Bedeutung der Schulpsychologie. (Foto: SWR)

Mannheim feiert "100 Jahre Schulpsychologie"

Kultusministerin Schopper zum Mannheimer Jubiläumsfest: "Schulpsychologie muss gestärkt werden"

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Mit einem Festakt feiern Stadt, Land und Experten in Mannheim das Jubiläum "100 Jahre Schulpsychologie". 1922 stellte die Stadt den Psychologen Hans Lämmermann ein.

Damit sei Lämmermann der erste Schulpsychologe in Deutschland gewesen – so der Berufsverband Deutscher Psychologen BDP. Lämmermann sollte die Schüler für das Mannheimer Schulsystem beurteilen, das unter anderem zwischen Klassen für Gutbegabte, Förderklassen und Hilfsschulen unterschied.

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Ausstellung begleitet das Jubiläum

Bei dem Festakt in Mannheim wollen die Organisatoren die Ursprünge und die Entwicklungen in der Schulpsychologie darstellen, aber auch eine kritische Bilanz ziehen. Das Jubiläum wird von einer Ausstellung zu "100 Jahre Schulpsychologie in Deutschland" begleitet.

Schulpsychologischer Dienst: "Seit 100 Jahren hat sich viel verändert"

Zu Beginn des Festaktes wird auf die Bedeutung der Schulpsychologie in der heutigen Zeit aufmerksam gemacht. Seit mehr als zweieinhalb Jahren befinden sich die Schulen im Ausnahmezustand - vor allem durch die Corona-Pandemie, betont Andrea Spies vom Bundesverband deutscher Psychologen, Sektion Schulpsychologie, in der Eröffnungsrede.

Bereits bestehende Probleme in der Schule hätten sich verstärkt: Schülerinnen und Schüler seien unter anderem ängstlicher und unkonzentrierter; dies habe einen enormen Einfluss auf den Lernerfolg. Umso wichtiger ist die psychologische Betreuung in den Schulen geworden, so Andrea Spies weiter.

"In Krisen ist Schulpsychologie besonders gefragt."

Psychische Gesundheit müsse vom ersten Schritt in die Schule bedacht werden; lange bevor sie zu Krankheit und Krise wird. Denn die Schule hat laut Spies eine wichtige Bedeutung für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunft.

Versorgungsquote der Schulpsychologen verbessert sich

In den vergangenen Jahren hat sich vor allem die Versorgung der Schulpsychologen verbessert: Im Jahr 2011 betreute ein Schulpsychologe nach Angaben von BDP rund 9.200 Schülerinnen und Schüler; heute liegt die Zuständigkeit bei 5.400 Personen. Problematisch sei allerdings, dass immer noch extreme Versorgungsunterschiede in den Bundesländern vorherrschen.

Mangel an Schulpsychologen besonders in Baden-Württemberg

Nina Großmann vom Landesverband Schulpsychologie Baden-Württemberg teilte dem SWR mit, dass die Versorgung von Schulpsychologen in Baden-Württemberg schwierig ist. Viele Stellen seien nicht besetzt. 194 Schulpsychologen und 18 Schulberater seien für das ganze Land zuständig.

"Eine Schulpsychologin, ein Schulpsychologe versorgt bis zu 8.000 Schüler auf dem Papier. In der Realität sind das zehn-zwölftausend, weil wir einfach nicht voll besetzt sind."

Das Problem: Trotz schlechter Versorgungslage, steige die Nachfrage. Früher, so Großmann, haben 20 Prozent aller Schüler unter psychischen Auffälligkeiten gelitten. "Wir sind jetzt bei 30 Prozent und ich befürchte, dass die Dunkelziffer höher ist. [...] Wir haben wesentlich mehr Anfragen von Eltern, von Schülern und wir haben mehr komplexe Probleme", betont Nina Großmann.

Erfolgsgeschichte soll fortgeführt werden

Auch Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) verdeutlicht in einer Video-Botschaft die Bedeutung der Schulpsychologie. Man blicke auf eine Erfolgsgeschichte zurück mit einer stetigen Weiterentwicklung, die in der kommenden Zeit fortgeführt werden soll.  

"Um für die kommenden 100 Jahre gut gerüstet zu sein, muss es das Anliegen aller verantwortlichen Seiten sein, die Schulpsychologie zu stärken."

Hintergrund: Bewertungen sorgen für Gymnasien auf dem Land

Früher bewerteten Schulpsychologen unter anderem die Lernfähigkeit von Kindern; in den 1970er Jahren verstärkt auch auf dem Land. Das führte dazu, dass die Begabung der Kinder dort erkannt wurde und man auch in weniger städtischen Gegenden Gymnasien baute, sagte Cornelia Ehlert, die den Festakt mit organisierte, dem SWR. Aufgrund dessen seien die Gymnasien in Eberbach, Sinsheim und Mosbach entstanden.

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