Leerstand in Pforzheim (Foto: SWR)

Land bezuschusst Projekte

Staatssekretär schlägt vor: Leere Gebäude auf dem Land für Kulturevents nutzen

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Was tun mit leerstehenden Läden und Gasthöfen? Kulturstaatssekretär Braun sieht darin eine Chance für Kulturveranstaltungen. Eigentümer und Behörden müssten eines mitbringen.

Viele leerstehende Gebäude in ländlichen Gebieten von BW würden sich gut für Kulturveranstaltungen nutzen lassen, findet Kulturstaatssekretär Arne Braun (Grüne). Beispiele seien alte Gasthöfe, Scheunen oder Bunker und ehemalige Kaufhäuser. "Es können dort auch mal Kulturbühnen reingehen und so auch die Gastronomie wiederbeleben", sagte Braun der Deutschen Presse-Agentur.

Weil Gemeinden oder Firmen viele Gebäude aufgäben, verschwänden für die Menschen vor allem im ländlichen Raum immer mehr Chancen für Treffen. "So nimmt die Individualisierung und Vereinzelung unserer Gesellschaft zu", findet Braun. Das könne sich auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt auswirken.

Würde man Leerstände kulturell nutzen, entstünden neue Orte der Begegnung, sagte der Kulturstaatssekretär. Außerdem könne es bei den Besucherinnen und Besuchern für einen "Perspektivwechsel" sorgen, "der Denkweisen aufbrechen und zur Reflexion anregen" könne. Allerdings müssten die Verantwortlichen wie Behörden dafür die nötige Einstellung mitbringen: Es sei eine "Ermöglichungshaltung" nötig, sagte Braun.

Das sogenannte Eiermann-Areal in Stuttgart-Vaihingen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Daniel Bockwoldt)
Was tun mit leerstehenden Gebäuden? Diese Frage stellt sich nicht nur beim Eiermann-Campus in Stuttgart-Vaihingen, sondern auch in ländlichen Gebieten von BW.

BW-Förderprogramm "FreiRäume": Geld für Kultur in alten Gebäuden

Schon jetzt gibt es seiner Ansicht nach Beispiele in BW, in denen die neue Nutzung von leerstehenden Gebäuden für Kultur gelungen ist. Das Land habe seit 2020 insgesamt 45 Projekte über das Förderprogramm "FreiRäume" mit insgesamt 2,1 Millionen Euro bezuschusst, sagte Braun. Dazu zähle beispielsweise ein neues Kino- und Kulturzentrum in einer Fabrikhalle in Löffingen (Breisgau-Hochschwarzwald), die Öffnung des Schullandheims Mönchhof in Kaisersbach (Rems-Murr-Kreis) zum Kultur- und Begegnungszentrum und die Entwicklung der Alten Stallhalle in Rottweil zum Kulturtreffpunkt.

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Als weitere Beispiele nannte Braun die leer stehende Bankfiliale in Schemmerhofen (Kreis Biberach), die zur Kulturwerkstatt wurde, und die abrissgefährdete Kirche in Bräunlingen (Schwarzwald-Baar-Kreis), aus der das "Haus der Musik" wurde. Im Ostracher Teilort Jettkofen (Kreis Sigmaringen) wiederum wurde das Dorfgemeinschaftshaus zu einem ganzjährig bespielten Ort.

Leere Regale in der Galeria Kaufhof in Reutlingen (Foto: SWR, Pelzer, Pia)
Schließen Kaufhäuser, dann bleiben oft enorme Flächen leer - wie hier in der früheren Galeria Kaufhof-Filliale in Reutlingen.

Land will Förderprogramm "FreiRäume" fortsetzen

Das Land plant nach Angaben des Kulturministeriums, das Förderprogramm "FreiRäume" fortzusetzen. Zunächst sollen aber erst noch die bisher geförderten, teilweise noch nicht abgeschlossenen Projekte ausgewertet werden. Dabei werde es vor allem darum gehen, welche konkreten Auswirkungen die geförderten Projekte vor Ort hatten oder haben.  

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