"Hier haben wir die Regale gehabt. Mit Schuhen. Mit Winterstiefeln", erzählt Hermine Maier in ihrer Einliegerwohnung, die unter ihrem Haus in einem Keller in Gondelsheim (Kreis Karlsruhe) liegt. Statt Putz sind nur noch die nackten Steinwände zu sehen. Die Wohnung wurde durch die Wasser- und Schlammmassen, die das Unwetter Mitte August herein gespült hat, verwüstet. Viele Gegenstände wurden dabei zerstört. "Das merkt man erst jetzt, wenn es kalt wird - was uns fehlt."
SWR-Reporterin Mirka Tiede hat Hermine Maier und ihren Ehemann in Gondelsheim besucht:
Ehepaar muss viele der Kosten selbst tragen
Neben allen anderen Räumen der Wohnung musste auch der Vorratsraum bis auf das Mauerwerk entkernt werden. In ihm steht zwischen den nackten Wänden ein leeres türkises Regal. Hier waren vor dem Unwetter die Vorräte von Hermine Maier gelagert. Auch die hat das Unwetter zerstört. "Grade jetzt in der Weihnachtsbäckerei wollte ich anfangen, Bredle zu backen", seufzt Hermine Maier. "Ich habe keine Küchenmaschine mehr, kein Kuchenblech, nichts. Alles fort."
Neben vielen Gegenständen, die jetzt ersetzt werden müssen, kommt darüber hinaus auch noch die alte Ölheizung von Hermine Maier und ihrem Ehemann dazu. Schon seit Monaten können sie nicht heizen. Der Einbau einer neuen wurde aus vielen verschiedenen Gründen verzögert. Einer davon ist das Geld. Denn einige der Kosten für die vielen Schäden muss das Ehepaar nach dem Unwetter selbst tragen.
Der Ehemann von Hermine Maier hatte die Hausratversicherung 1995 abgeschlossen. Damals war eine Elementarversicherung nicht mit dabei. "Die Versicherung ist für Hagel, Sturm, Wasserleitungen, aber nicht für elementar", sagt Hermine Maier gegenüber dem SWR. "Bei dem enormen Schaden muss man schon schauen, wie man das Geld wieder zusammenbringt."
Etwa 400 Haushalte in Gondelsheim waren betroffen
Laut Markus Rupp, dem Bürgermeister von Gondelsheim (SPD), hatten einige Bürgerinnen und Bürger nach dem Unwetter keine Heizung mehr. Auch bei denen habe es welche gegeben, die Schwierigkeiten mit der Versicherung hatten. Etwa 400 Haushalte seien von dem Unwetter betroffen gewesen. Es gebe auch immer noch Häuser, die nicht mehr bewohnbar seien. Die meisten der Bürgerinnen und Bürger seien im Großen und Ganzen aber gut versichert gewesen, sagt Bürgermeister Rupp.
"Allerdings befürchte ich und nicht nur ich, befürchten wir alle, dass solche Schadensereignisse die Versicherer dann mal dazu bewegen, die Leute auszusortieren", gibt Markus Rupp zu bedenken. Aus diesem Grund fordert der Bürgermeister eine verpflichtende Elementarversicherung für alle. "Da ist der Bund gefordert, da ist das Land gefordert", so der Politiker.
Die Forderung nach einer verpflichtenden Elementarversicherung wurde in den vergangenen Jahren auch immer wieder von dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann geäußert. Bundesweit ist nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft nur etwa jedes zweite Gebäude gegen Elementarschäden versichert. In Baden-Württemberg selbst liegt der Anteil der Versicherten allerdings mit über 90 Prozent wesentlich höher. Denn in dem Bundesland hatte es bis in die 1990er-Jahre schon einmal eine Pflichtversicherung gegeben.
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Neue Heizung soll noch vor Weihnachten kommen
Um die kalten Wintertage zu überstehen, heizen Hermine Maier und ihr Ehemann momentan mit einem kleinen Holzofen. Ein Ersatz für eine richtige Heizung sei das aber nicht, so Hermine Maier. Unter anderem sei Holz sehr teuer. Aber lange muss das Ehepaar nicht mehr frieren. In den letzten Wochen haben sie sich entschlossen, eine Wärmepumpe einzubauen, erzählt die Rentnerin. "So wie mir der Heizungsbauer fest versprochen hat, soll die noch vor Weihnachten installiert werden, sodass man wenigstens über Weihnachten warm hat", sagt Hermine Maier zuversichtlich.
So war der Stand der Heizung von Hermine Maier im September:
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