Die Stadtwerke Pforzheim testen die Vier-Tage-Woche (Foto: SWR)

Modell für die Zukunft?

Weniger Arbeit für gleiches Gehalt - Stadtwerke Pforzheim testen 4-Tage-Woche

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Peter Lauber
Ein Bild von Peter Lauber (Foto: SWR, Patricia Neligan)

Die Stadtwerke Pforzheim wollen neue Wege gehen. Seit Anfang Januar testen sie in ihrem Betrieb die Vier-Tage-Woche. Kann das funktionieren?

Im Kampf um Mitarbeiter und Auszubildende müssen Unternehmen sich immer wieder etwas Neues einfallen lassen. Die Pforzheimer Stadtwerke (SWP) setzten deshalb seit kurzem auf die Vier-Tage-Woche. Ein Risiko, das Betriebe auf dem umkämpften Arbeitsmarkt laut Stadtwerke-Geschäftsführer Herbert Marquard eingehen müssen.

Wir bekommen am Markt nicht mehr die Mitarbeiter, die wir benötigen. Das heißt, wir müssen uns etwas einfallen lassen.

Man habe sich Unternehmen in Großbritannien angeschaut, die schon länger Erfahrung mit der Vier-Tage-Woche haben. Deren übereinstimmende Bilanz: bessere Ergebnisse, zufriedenere Mitarbeiter, geringerer Krankenstand. Er habe dort gesehen, dass das Modell nicht nur den Beschäftigten, sondern auch dem Unternehmen große Vorteile bringen könne, so Marquard.

Stadtwerke Pforzheim haben Beschäftigte von Anfang an mit eingebunden

Und so ging man das Projekt "Vier-Tage-Woche" an. Was alles andere als einfach gewesen sei, erzählt Personalchefin Ulrike Adam. Ein Jahr Vorbereitungszeit war nötig, mit zahllosen Gesprächen, Diskussionen und Workshops, in denen neben Geschäftsführung und Personalabteilung auch Betriebsrat und Mitarbeiter eng eingebunden waren. Vor allem galt es die oft gestellte Frage zu klären: "Schaffen wir es wirklich, die gleiche Arbeit in weniger Zeit umzusetzen?"

Klar ist auch: die Führungskräfte sind gefordert, die Effizienz zu steigern. Und die Mitarbeiter sind gefordert, mehr Verantwortung zu übernehmen, um ihre Zeit effizienter zu gestalten.

Dabei seien zahlreiche Ideen entwickelt worden. Zum Beispiel bekommt ein Monteur jetzt seinen Arbeitsauftrag schon zuhause und kann direkt zur Baustelle fahren, ohne erst in die Zentrale kommen zu müssen. Aber auch die Umstellung des Zeiterfassungssystems sei eine gigantische Aufgabe gewesen, sagt Ulrike Adam.


Stadtwerke Pforzheim testen vier Tage Woche (Foto: SWR)
Valentin Heyer hat mehr Zeit für Hobbies und Familie.

Es ist Ähnliches passiert wie in der Coronazeit, wo wir durch verschiedene Maßnahmen schneller und effektiver geworden sind. Das ist jetzt ein weiterer Schritt in diese Richtung.

Ein Tag geschenkt, ein Tag muss ausgeglichen werden

Seit Anfang Januar läuft nun bei den Stadtwerken die Testphase für die „Vier-Tage-Woche Flex“. Zunächst nur als eine halbe Vier-Tage-Woche. Bedeutet: jede zweite Woche ein freier Tag. Die eine Hälfte der freien Tage müssen die 565 Mitarbeiter durch Mehrarbeit ausgleichen, die andere Hälfte bekommen sie geschenkt. Tatsächlich sinke so die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 39 auf 37 Stunden – bei vollem Lohnausgleich. Denn, davon ist Marquard überzeugt, die Vier-Tage-Woche dürfe kein Modell nur für diejenigen sein, die sie sich leisten können. Marquard will keine Zwei-Klassen-Gesellschaft im Betrieb.

Die Stadtwerke Pforzheim testen die Vier-Tage-Woche (Foto: SWR)
Detlev Engels fühlt sich durch die 4-Tage-Woche "erholter und entspannter".

Zunächst sei es eine große Umstellung gewesen. Man habe vieles neu organisieren und Dienstpläne umstellen müssen, erzählt Detlev Engels, seit 30 Jahren als Gas- und Wasser-Installateur bei den Stadtwerken beschäftigt. Doch alles habe sich schnell eingespielt. Der 55-Jährige zeigt sich begeistert über die Vier-Tage-Woche alle zwei Wochen. Er fühle sich seither erholter und entspannter. Die etwas längeren Arbeitstage würden kaum ins Gewicht fallen.

Man fängt ein bisschen früher an oder macht abends etwas länger, aber das merkt man kaum.

Auch sein Kollege Valentin Heyer spricht jetzt schon von einem Erfolgsmodell. Der 30-Jährige ist Nachhaltigkeitsmanager bei den Stadtwerken. Die Vier-Tage-Woche bedeutet für ihn mehr Zeit mit der Familie, sich selbst zu verwirklichen und seinen Hobbies nachzugehen.

"Die Kollegen sind erholter, haben mehr Power, mehr Energie“

Stadtwerke Pforzheim erproben vier Tage Woche (Foto: SWR)
Glauben an den Erfolg der Vier-Tage-Woche: (v. l. n. r.) Personalchefin Ulrike Adam, Geschäftsführer Herbert Marquard, Nachhaltigkeitsmanager Valentin Heyer, Installateur Detlev Engels.

Nächster Schritt im Visier: die durchgehende Vier-Tage-Woche

Die Testphase läuft bis Ende des Jahres. Doch SWP-Chef Marquard ist schon jetzt überzeugt, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Mehr noch: er rechnet fest damit, dass bald der nächste Schritt erfolgt und die Vier-Tage-Woche durchgehend eingeführt wird.

Wenn es gut läuft, haben wir Stress! Denn dann wollen wir zum 1.1.2025 die komplette 4-Tage-Woche einführen.

Klar sei aber auch: die Arbeit müsse weiter gemacht werden, von Montag bis Freitag. Und zwar ohne zusätzliches Personal und Überstunden. Wie das zu schaffen sei, wisse noch niemand. Herausfinden will man das wieder gemeinsam mit den Mitarbeitern – und vielen weiteren Gesprächen, Diskussionen und Workshops.