Flussspat-Grube Käfersteige in Pforzheim (Foto: SWR)

Ehemalige Bergbau-Region wieder im Fokus

Pforzheims "neues Gold"? Riesige Mengen Flussspat im Würmtal vermutet

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Peter Lauber
Ein Bild von Peter Lauber (Foto: SWR, Patricia Neligan)

Flussspat wird für die Herstellung von Zahnpasta oder Batterien für Elektroautos verwendet. Im Würmtal bei Pforzheim wird eines der größten Flussspatvorkommen Europas vermutet.

Roter Buntsandstein umfasst den tunnelartigen Eingang der Käfersteige im Würmtal bei Pforzheim. Ein Metallgittersteg führt einige Meter hinein in den Stollen, bis man vor einer Wasserfläche steht, die ins dunkle Nichts führt. Bergbauingenieur Simon Bodensteiner erlebt gerade spannende Momente. Sein Unternehmergeist hat ihn und seinen Kollegen Peter Geerdts hier her geführt. Er vermutet riesige Mengen Flussspat im Stollen.

Start-up Bergbau im Würmtal reaktivieren

Flussspat ist ein Mineral, das für die Herstellung zahlreicher Produkte notwendig ist. Die Zahnpasta oder die Autobatterie von Elektroautos sind nur zwei Beispiele von vielen. Viele Jahre wurde das Mineral in der Grube Käfersteige abgebaut - bis es sich nicht mehr rentiert hat.

Die Grube Käfersteige liegt im Südosten von Pforzheim im Würmtal. Das Tal hat sich jahrzehntelang mit dem Bergbau einen Namen gemacht. Zwischen 1920 und 1996 wurden aus der Käfersteige zwei Millionen Tonnen Flussspat gewonnen. Die Tradition könnte bald wieder aufleben. Bodensteiner und Geerdts wollen mit ihrer in Pforzheim gegründeten Deutschen Flussspat GmbH das Bergwerk reaktivieren. Derzeit untersuchen sie den mit Grundwasser vollgelaufenen Stollen mit einem Tauchroboter.

Flussspat für zehn Millionen E-Autobatterien pro Jahr?

Der Roboter trägt den Namen "Neo". Das Hightech-Gerät macht Bilder und Filme, vermisst den Stollen und liefert alle möglichen weiteren Daten wie pH-Wert oder Sauerstoffgehalt des Wassers. Vor allem aber soll der Zustand des inzwischen mit Grundwasser vollgelaufenen Stollens erkundet werden. Die ersten Ergebnisse sehen vielversprechend aus. Einstürze oder sonstige Hindernisse wurden bislang nicht entdeckt. "Unsere Hoffnungen haben sich erfüllt!", freuen sich die beiden.

Flussspat-Grube Käfersteige in Pforzheim (Foto: SWR)
Simon Bodensteiner mit einem Stück Flussspat, wie er in der Käfersteige vorkommt

Mindestens eine Million Tonnen des bläulich schimmernden Flussspats seien 1996 im Stollen verblieben, sagt Diplom-Geologe Peter Geerdts. Damals seien auf Grund eines Überangebots aus China die Preise in den Keller gerutscht - auf etwa 80 Euro pro Tonne. Aktuell liegt der Preis bei mehr als 700 Euro - was unter anderem an der Mobilitäts- und Energiewende liege. Für E-Autos und Solarzellen etwa werden immer größere Mengen des Rohstoffs benötigt.

"Damals hat sich die Förderung nicht mehr rentiert. Das sieht heute ganz anders aus."

Flussspat-Grube Käfersteige in Pforzheim (Foto: SWR)
Tauchroboter Neo überträgt Bilder, Filme und Daten aus dem überfluteten Stollen

Die Käfersteige, sind die beiden Jung-Unternehmer überzeugt, könnte Flussspat für zehn Millionen E-Auto-Batterien liefern - pro Jahr. Deutschland könnte damit ein klein wenig unabhängiger werden von Lieferungen aus anderen Ländern wie China oder Südafrika.

"Flussspat ist der kleine Bruder des Lithiums, es kennt nur keiner."

Förderung von Flussspat könnte 2028 beginnen

Doch bis die Flussspatgrube zu einer Goldgrube wird - dafür braucht es noch einen langen Atem. Jetzt heißt es erst mal: das Wasser abpumpen und den Stollen bis in den letzten Winkel erforschen. Auch ein komplexes Genehmigungsverfahren steht an. 2025 soll der Stollen begehbar sein, drei Jahre später könnte die Förderung beginnen. Die Betreiber rechnen mit bis zu 100 Arbeitsplätzen, die im Würmtal entstehen könnten.

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