Arlinger Tunnel in Pforzheim (Foto: SWR, Peter Lauber)

Im Mai soll der Verkehr rollen

Pforzheim: Im Arlinger Tunnel startet der Probebetrieb

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Peter Lauber
Ein Bild von Peter Lauber (Foto: SWR, Patricia Neligan)

Endspurt im Arlinger Tunnel in Pforzheim: Wenige Wochen vor der Freigabe beginnen im Herzstück der neuen Pforzheimer Westtangente umfangreiche Tests.

Ziemlich genau fünf Jahre nach Baubeginn ist der 1.300 Meter lange Arlinger Tunnel in Pforzheim so gut wie fertiggestellt. In den vergangenen sechs Monaten wurde die komplette Betriebstechnik eingebaut - darunter Belüftungs- und Brandmeldeanlagen, Funk- und Notrufanlagen, Videoüberwachung, zahlreiche Messeinrichtungen und vieles mehr. Von den insgesamt 130 Millionen Euro Baukosten fallen allein 25 Millionen auf die technischen Anlagen, teilte das Regierungspräsidium Karlsruhe mit.

Arlinger Tunnel (Foto: SWR, Peter Lauber)
Jan Sandhop von der Firma GIB in einer der drei Betriebszentralen des Arlinger Tunnels

Jede Menge Technik im Arlinger Tunnel – für den Autofahrer unsichtbar

In den drei Betriebszentralen laufen alle technischen Fäden zusammen. Hier seien mehr als 150 Schaltschränke eingebaut worden, erzählt Jan Sandhop, von dem für die Bauüberwachung zuständigen Unternehmen GIB. Der enorme technische Aufwand, der hinter dem Betrieb eines Tunnels stecke, bleibe dem Autofahrer größtenteils verborgen, sagt Sandhop.

Hier sind überall Kabel versteckt. Insgesamt sind im Tunnel 200 Kilometer Kabel verlegt.

Jürgen Genthner vom Regierungspräsidium Karlsruhe und Jan Sandhop von der Bauüberwachung vor den beiden Venilatoren im Arlinger Tunnel in Pforzheim, die im Brandfall anspringen. (Foto: SWR, Peter Lauber)
Jürgen Genthner vom Regierungspräsidium Karlsruhe und Jan Sandhop von der Bauüberwachung vor den beiden Venilatoren, die im Brandfall anspringen.

So bekomme der Autofahrer von den Fluchtstollen ebenso wenig mit wie von den umfangreichen Brandschutzeinrichtungen. Neben einem Belüftungsstollen existiert auch ein "Tunnel über dem Tunnel" – eine Abluftkalotte zum Rauchabzug im Brandfall.

Zwei riesige Axialventilatoren mit fast drei Meter Durchmesser sorgen dafür, dass der Rauch möglichst schnell abgesaugt wird. Sie würden dann eine enorme Saugkraft entwickeln, erläutert Jürgen Genthner, der zuständige Referatsleiter im Regierungspräsidium Karlsruhe. Ein Erwachsener, stünde er direkt davor, würde sich nicht mehr auf den Beinen halten können.

Wenn die Ventilatoren angesprungen sind, können Sie sich nicht halten. Sie werden angesaugt.

In den kommenden sechs Monaten sollen alle technischen Einrichtungen auf Herz und Nieren geprüft werden. Im Zentrum steht natürlich der Brandschutz. So soll unter anderem auch der Ausbruch eines Feuers simuliert werden. Funktionieren die Brandmelde- und Notrufeinrichtungen, die Lautsprecheranlagen, die Funkstrecken für die Feuerwehr – für alle Bereiche stehen umfangreiche Tests an.

Arlinger Tunnel in Pforzheim: Im Fall eines Feuers wird der Rauch über zwei Kamine abgesaugt. (Foto: SWR, Peter Lauber)
Im Fall eines Feuers wird der Rauch über zwei Kamine abgesaugt.

Herzstück der neuen Westtangente in Pforzheim

Auch das Verbindungsstück am südlichen Torportal zur B294 ist so gut wie fertig. In diesem Bereich werden derzeit noch sechs Meter hohe Lärmschutzwände gebaut. Im Tunnelvorfeld wird zudem für eine Million Euro eine große Photovoltaikanlage errichtet – in Baden-Württemberg im Zusammenhang mit einem Tunnelneubau bislang einmalig.

Der 130 Millionen Euro teure Arlinger Tunnel ist das Herzstück der neuen Westtangente. Die Eröffnung ist für Mitte Mai geplant. Die Westtangente soll eine direkte Verbindung zwischen Autobahn und den Bundesstraßen Richtung Schwarzwald schaffen und damit die Innenstadt entlasten. Das erste Teilstück von der Anschlussstelle Pforzheim-West bis zur Dietlinger Straße wurde bereits 2019 fertiggestellt.

Die Westtanente mit ihrem Herzstück, dem Arlinger Tunnel, soll die Innenstadt von Pforzheim vom Verkehr entlasten. (Foto: SWR, Peter Lauber)
Die Westtanente mit ihrem Herzstück, dem Arlinger Tunnel, soll die Innenstadt von Pforzheim vom Verkehr entlasten.

Eine Weiterführung vom Tunnel bis ins Gewerbegebiet Brötzinger Tal, die weitere acht Millionen Euro kosten soll, sei bereits in der Vorplanung, so Jürgen Genthner. Sie soll vor allem dafür sorgen, dass der LKW-Verkehr künftig vom Gewerbegebiet direkt auf die Autobahn fahren kann. Einen Zeitplan dafür gebe es jedoch noch nicht.

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