Student Andre Zabun und Seniorin Beate Dreßler wohnen in Karlsruhe in einer Mehrgenerationen-WG. Sie sitzen gemeinsam am Tisch und spielen Rummikup.

Rummikub spielen und Spazieren gehen

"Wohnen für Hilfe" in Karlsruhe: Miete Sparen in einer Mehrgenerationen-WG

Stand
AUTOR/IN
Antonia Scheurer
Annika Jost
Reporterin Annika Jost

Wohnraum ist knapp - besonders in Studierendenstädten wie Karlsruhe. Deswegen sind Mehrgenerationen-WGs gefragt. Die Studierenden zahlen wenig Miete und helfen älteren Menschen.

Für junge Menschen mit geringem Budget wird es zunehmend schwerer, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Der 20-jährige Student Andrei Zabun wohnt in Karlsruhe besonders günstig, dafür hilft er seiner 87-jährigen Mitbewohnerin Beate Dresel im Alltag.

Helfen ohne zu pflegen

Die Idee hinter "Wohnen für Hilfe" ist einfach: Junge Menschen unterstützen Seniorinnen oder Senioren und können im Gegenzug bei ihnen wohnen. Studenten wie Andrei zahlen dann nur die Nebenkosten und keine Miete. Dafür übernehmen sie alltägliche Aufgaben – die Pflege der älteren Mitbewohner ist ausgeschlossen. Pro Quadratmeter Wohnfläche soll ungefähr eine Stunde im Monat geholfen werden. Wobei genau, entscheiden die Wohnpartner gemeinsam. 

Beate Dresel ist 87 und braucht bei bestimmten Aufgaben Hilfe. Für ihre berufstätige Familie wäre das nicht leistbar. In einer Zeitung hat sie Werbung für "Wohnen für Hilfe" gesehen und war sofort begeistert. 

Das war wie ein elektrischer Schlag! Da hab ich gedacht: Das ist für mich das Richtige.

"Wohnen für Hilfe": Einkaufen, Spazieren gehen, Kochen, Rummikub spielen

Ihr Mitbewohner trägt ihr die Einkäufe die Treppe hoch, geht mit ihr spazieren, kocht für sie mit, bringt sie zum Bahnhof oder spielt mit ihr das Lieblingsspiel "Rummikub", erzählt die Seniorin.

Andrei Zabun hat "Wohnen für Hilfe" empfohlen bekommen und ist bisher sehr zufrieden. Beate Dresel und ihr Mitbewohner haben vereinbart, dass er ihr nur dann hilft, wenn auch wirklich was zu tun ist. In der Regel am Wochenende für ungefähr vier Stunden pro Woche.

Ich bin sehr dankbar, weil es finanziell für mich einfacher ist. Und meine Familie ist deshalb auch sehr dankbar.

Bei Beate Dresel wohnten vor ihrem jetzigen Mitbewohner schon mehrere junge Studenten. Die alte Dame erzählt, dass sie so gerne rede und auch eine neugierige Person sei. Andrei sei eher verschlossen - er höre lieber nur zu. Das sei am Anfang ungewohnt gewesen.

Überwiegend positive Erfahrungen bei den Wohnpaaren

Maike Sommer arbeitet bei den Paritätischen Sozialdiensten Karlsruhe und ist für das Projekt "Wohnen für Hilfe" zuständig. Sie vermittelt die Wohnpaare und berichtet von überwiegend positiven Erfahrungen. 

Auf der einen Seite seien die Studierenden mit wenig Geld oft verzweifelt auf der Suche nach Wohnraum. Auf der anderen Seite viele Senioren, in großen leeren Häusern, die nicht mehr so auf das Geld angewiesen seien. Diese seien dankbar, wenn sie nicht einsam sind und jemand da ist, der ihnen im Alltag helfen könne.  

Große Nachfrage nach "Wohnen für Hilfe" in Karlsruhe

Aktuell gibt es in Karlsruhe 30 Wohnpaare. Die Nachfrage nach weiteren Wohngemeinschaften sei groß, erklärt Maike Sommer weiter. Studierende, die vor allem zu Beginn des Semesters eine Wohnung suchen, gäbe es viele. Dann sei die Warteliste besonders lang. 

Beate Dresel kann nicht verstehen, dass nicht noch viel mehr Rentnerinnen und Rentner junge Studierende bei sich wohnen lassen. 

Ich würde es jedem älteren Menschen empfehlen! 

Mehr zum Thema Wohnungssuche

Mainz

Alle Wohnheime voll belegt Mehr als 3.000 Erstsemester starten an Mainzer Uni: Wo sollen sie wohnen?

Zum Wintersemester haben 3.300 junge Menschen ihr Studium an der Mainzer Uni neu aufgenommen. Für viele ist die Suche nach einer bezahlbaren Wohnung die größte Herausforderung.

SWR4 am Nachmittag SWR4

Baden-Württemberg

BW macht's in Schorndorf und Sigmaringendorf Tiny Houses: eine Idee gegen Wohnraummangel in Baden-Württemberg?!

Wie Kleinsthäuser kleine Bauplätze füllen können und möglicherweise helfen, mehr Wohnraum in Baden-Württemberg zu schaffen am Beispiel Schorndorf und Sigmaringendorf.