Familienherberge Lebensweg

Ein Erholungsort für Familien mit behinderten Kindern

Familienherberge Lebensweg in Illingen feiert 5. Geburtstag

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AUTOR/IN
Peter Lauber
Ein Bild von Peter Lauber

Eltern von behinderten Kindern haben oft einen 24-Stunden-Job. Rund um die Uhr dreht sich alles um das Kind, die eigenen Bedürfnisse bleiben da auf der Strecke. Seit fünf Jahren bietet die Familienherberge Lebensweg in Illingen-Schützingen betroffenen Familien die Möglichkeit einer gemeinsamen Auszeit.

Kinder großzuziehen ist schon unter "normalen" Umständen keine leichte Aufgabe und in der Regel ein Fulltime-Job. Wenn die Kinder dann auch noch körperlich oder geistig behindert sind, dann gelangen Eltern schnell ans Ende ihrer Kräfte. Hier will die Familienherberge Lebensweg in Illingen im Enzkreis helfen. Während die Kleinen rund um die Uhr betreut werden, haben die Eltern dort auch mal wieder Zeit für sich.

"Man nimmt Erholung mit, kann Kraft auftanken und die Akkus auffüllen.“

Der Tag in der am Fuße der Schützinger Weinberge gelegenen Familienherberge beginnt regelmäßig mit einem musikalischen Morgenkreis. Dominik feiert heute seinen 8. Geburtstag – Eltern und Kinder singen ihm ein Geburtstagsständchen. Zusammen mit Mutter Katrin Hein und den Geschwistern Lina (10) und Noah (8) verbringt der Junge hier eine ganze Woche Urlaub.

Familienherberge Lebensweg
Lisa Mitsch und die Kinder Lina, Dominik und Noah genießen entspannte Tage in der Familienherberge Lebensweg

Breites Freizeit- und Therapieangebot

Hier hat die Familie mal wieder Zeit für Unternehmungen, die zuhause kaum oder gar nicht möglich sind. Mal entspannt ins Schwimmbad gehen oder ein Ausflug in den Freizeitpark zum Beispiel. Oder einfach mal ganz alleine spazierengehen, zuhause ein seltener Luxus, erzählt Katrin Hein.

"Wir haben hier eine Oase gefunden, wo wir sein können wie wir sind, ohne irgendwelche Blicke aushalten zu müssen.“

Rund 60 Mitarbeiter im Pflegebereich und im Hotelbetrieb kümmern sich rund um die Uhr um die großen und kleinen Gäste. Langweilig wird es hier niemandem, sagt Heilerziehungspfleger Sven Reichel. So gebe es zahlreiche Freizeit- und therapeutische Angeboten wie einen Bastelraum, Klangtherapie, ein Multisensorik-Raum mit Wasserbett und Kugelbad sowie einen großen Spielplatz mit behindertengerechten Spiel- und Klettergeräten. Auch einen wöchentlichen Wellnesstag gibt es, oder Reitstunden auf dem benachbarten Reiterhof.

Eltern haben auch mal Zeit für sich

Lisa Mitsch aus Heppenheim ist mit dem 13-jährigen geistig behinderten Sohn Manolis angereist. In der Familienherberge am Fuße der Schützinger Weinberge genießt sie den seltenen Luxus, immer wieder auch mal Zeit für sich zu haben. Für sie heißt das: endlich mal durchschlafen, in Ruhe duschen, gemütlich frühstücken. Mal nicht 24 Stunden alleine verantwortlich sein für ihren Manolis, der permanent Aufmerksamkeit benötige.

"Die ersten vier Jahren habe ich in keiner Nacht richtigen Schlaf gekriegt. Die Schlafstörungen sind das Schlimmste.“

Familienherberge Lebensweg
Im Multisensorikraum sind alle Sinne gefordert

Rund 650 Familien mit behinderten Kindern konnten in der Familienherberge bisher Urlaub machen, freut sich Gründerin und Leiterin Karin Eckstein. Für die gelernte Kinderkrankenschwester ging mit der Eröffnung vor fünf Jahren ein langgehegter Herzenswunsch in Erfüllung. Denn behindertengerechte Einrichtungen, in denen die ganze Familie Urlaub machen könne, ohne sich aufteilen zu müssen, gebe es sonst nirgends.

"Zuhause dreht sich das Rad immer weiter und die Eltern finden oftmals nicht mehr zu sich selbst als Paar oder als Familie.“

Familienherberge Lebensweg
Karin Eckstein, Gründerin und Leiterin der Familienherberge Lebensweg

Immer wieder hat die Einrichtung mit der Finanzierung zu kämpfen, weil sie bei den Kassen durch alle Raster fällt. Nicht zuletzt deshalb hat auch die SWR-Aktion Herzenssache das Projekt schon mehrfach unterstützt. Doch der Kampf lohne sich, sagt Karin Eckstein bei einem Blick ins Gästebuch mit seinen zahlreichen überschwänglichen Dankesbekundungen. "Die Eltern brauchen uns", sagt sie. Und daher lautet ihr Resümee nach den ersten fünf Jahren: "Ich würde es wieder machen."