Viele Gastronomen in Baden-Württemberg bewirten ihre Gäste weiterhin im Freien und setzen dafür auch Heizstrahler ein - trotz der gestiegenen Energiekosten. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Philipp von Ditfurth (Symbolbild))

Kritik an Energieaufwendung

Trotz Energiekrise setzen Gastronomen Heizstrahler ein: Wie passt das zusammen?

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Johannes Böhler

Viele Gastronomen in Baden-Württemberg bewirten ihre Gäste weiterhin im Freien und setzen dafür auch Heizstrahler ein - trotz der gestiegenen Energiekosten. Daran gibt es Kritik.

Auch die Gastronomie in Baden-Württemberg muss wegen der Energiekrise umdenken. Viele Betriebe führen kürzere Öffnungszeiten ein oder investieren in energieeffizientere Technik. Doch trotz der gestiegenen Kosten setzen einige von ihnen weiterhin Heizstrahler ein, um ihre Gäste im Freien zu bewirten - unter anderem auch in einigen Innenstädten von Baden-Württemberg.

Vorschlag an Gastronomen: Decken statt Heizstrahler

Alexander Münchow von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) kritisiert das: "Grundsätzlich sind wir froh, dass die Gastronomie trotz galoppierender Inflation gut besucht wird. Aber aus ökologischer Sicht sehen wir den Einsatz von Heizstrahlern im Freien äußerst kritisch", sagte Münchow dem SWR. Alternativ zum Aufstellen von Heizstrahlern könnten Gastronominnen und Gastronomen Decken an ihre Gäste austeilen, so sein Vorschlag. Wenn selbst das ab einer gewissen Temperatur nicht mehr ausreiche, sollte im Freien nach seiner Auffassung schlicht nicht mehr bewirtet werden.

DEHOGA: Trend zur Bewirtung im Freien hält an

Dass das Verwenden von Heizstrahlern in Zeiten der Energiekrise für Betreiber von Cafés und Restaurants kein Widerspruch sein muss, findet der Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA). "Aus Mitgliederrückmeldungen wissen wir, dass Gastronomen sehr sorgfältig abwägen, ob der Einsatz von Heizstrahlern unter den aktuellen Bedingungen sinnvoll und wirtschaftlich ist", antwortete Daniel Ohl, Pressesprecher des DEHOGA Baden-Württemberg auf SWR-Anfrage. "Nach unserer Beobachtung werden weitaus weniger Heizstrahler eingesetzt als noch vor einigen Jahren", so Ohl weiter. Und das, obwohl der Trend zu mehr Bewirtung im Freien ungebrochen anhalte.

Gleichzeitig warnte der DEHOGA-Sprecher davor, über die betreffenden Gastronomen und Gastronominnen sofort "moralisch den Stab zu brechen". Gerade in den Innensstädten seien die Pachtzinsen oftmals derart hoch, dass den Pächterinnen und Pächtern mangels Plätzen im Innenbereich gar nichts anderes übrig bliebe, als in den kalten Monaten weiter auch Gäste im Freien zu bewirten.

Baden-Württemberg legt ein Hilfsprogramm für Unternehmen auf. Mit zinsverbilligten Darlehen und Liquiditätskrediten sollen möglichst viele Betriebe durch die Energiekrise kommen, wie die Landesregierung vergangene Woche angekündigt hat:

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Gewerkschaft fordert politische Lösung

Alexander Münchow von der Gewerkschaft NGG sieht die Verantwortung zu Lösung des Problems bei der Politik. "Diese sollte schließlich ein Interesse daran haben, dass die Gastronomie in unseren Innenstädten floriert - und zwar ohne dass dabei die Umwelt zu Schaden kommt", so der NGG-Sprecher.

Vor der Energiekrise habe in der Gastronomie der Energiekostenanteil am Umsatz bei fünf bis zehn Prozent gelegen, hatte DEHOGA-Sprecher Ohl vor knapp einer Woche gegenüber der Deutschen Presse-Agentur betont. "Das Gastgewerbe ist seit jeher eine energieintensive Branche. Da wird gekocht, gekühlt und geheizt." Aber nicht nur steigende Energiepreise, sondern auch gestiegene Warenpreise und Personalkosten würden das wirtschaftliche Arbeiten schwer machen, so seine Einschätzung.

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