An der Hochschule Heilbronn forscht Professor Hermann Koch-Gröber mit seinen Studierenden unter anderem zu Abgasen. Dass wir diese im Winter manchmal verstärkt wahrnehmen können, sei keine Einbildung, sagt er. "Egal ob Diesel oder Benziner - die Abgasreinigung braucht Temperatur, um gut funktionieren zu können", erklärt Koch-Gröber. Das dauere so ein bis drei Minuten. Deshalb falle uns der Geruch häufig in Wohngebieten auf, wenn Autos gerade erst aus der Garage kommen.
Heilbronner Professor: Oft ist der "Zuheizer" schuld am fiesen Geruch
Aber auch der sogenannte "Zuheizer" bei Diesel-Fahrzeugen spiele eine Rolle, so der Professor weiter. Dabei handele es sich um eine Art Standheizung, ein Brenner neben dem Motor, für den deutlich geringere Abgas-Vorschriften gelten. "Zuheizer" werden benötigt, um größere Fahrzeuginnenräume schnell warm zu bekommen. Das sei eine Funktion, die eben nur im Winter gebraucht wird.
Weil Diesel-Fahrzeuge seit fast 20 Jahren sehr wirksame Partikelfilter haben, habe sich der typische Geruch verändert. Man rieche daher inzwischen vor allem den etwas stechenden Geruch der Stickoxide, so Koch-Gröber. Beim Benziner sind es Kohlenwasserstoffe. Ein übles Beispiel aus der Vergangenheit sei der VW-Käfer: Dieser stieß - selbst warm gefahren - noch große Mengen davon aus.
Welche Rolle spielt das Wetter? Hochschule Heilbronn misst Abgase
Insgesamt hat sich die Luftqualität laut Umweltbundesamt (UBA) in den vergangenen Jahren stark verbessert. Kurzfristig könne es durch die Witterung aber zu einer höheren Schadstoffbelastung kommen, so Stefan Feigenspan vom UBA. Denn im Winter werde einfach mehr geheizt.
Außerdem könne das winterliche Hochdruckwetter, mit seinen häufig geringeren Windgeschwindigkeiten und eingeschränkten vertikalem Luftaustausch, dazu führen, dass sich Schadstoffe in den unteren Luftschichten anreichern, so Feigenspan.

Professor Koch-Gröber: Ältere Autos stoßen bis zum Hundertfachen aus
Mit der neuen Abgasnorm EURO-7 (gilt ab November 2026) sei eine Chance vertan worden, findet Professor Koch-Gröber. Statt sich auf Neuwagen zu konzentrieren, hätte die EU bei älteren Fahrzeugen ansetzen sollen. Denn schon seit der Euro-6d (etwa seit 2018) seien Autos deutlich sauberer geworden.
Bei Tests mit dem rund 200.000 Euro teuren PEMS (Portable emissions measurement system) der Hochschule wurden bei Autos, die zehn Jahre und älter sind, dagegen teilweise hundertfach höhere Werte gemessen; auch weil Komponenten der Abgasreinigung mit den Jahren defekt oder weniger wirksam waren.
Hier sollte die EU die Hersteller verpflichten, einen Fonds zu gründen, um solche "Hochemittenten" reparieren zu lassen, so der Vorschlag von Professor Koch-Gröber. Denn zurzeit sind in Deutschland die Autos im Schnitt zehn Jahre alt.