08.07.2020, Baden-Württemberg, Marbach am Neckar: Ein Schüler meldet sich, während die Lehrerin an die Tafel schreibt.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Marijan Murat/dpa)

Trotz Fachkräftemangel

Heftige Kritik von GEW BW wegen Lehrerentlassungen im Sommer: "Es ist eine Schande"

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Für die Sommerferien hat BW auch in diesem Jahr einen großen Teil der Lehrkräfte entlassen - um sie im neuen Schuljahr wieder einzustellen. Ein unhaltbarer Zustand, findet die GEW.

Jeden Sommer steigt die Arbeitslosigkeit bei den Lehrerinnen und Lehrern in Baden-Württemberg. Denn mit Beginn der Sommerferien werden viele von ihnen entlassen und erst danach wieder eingestellt. Der Grund: Sie sind nicht wie viele andere Lehrkräfte verbeamtet, sondern angestellt und haben nur befristete Arbeitsverträge.

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) stellt deshalb der grün-schwarzen Landesregierung zu Ferienbeginn ein schlechtes Zeugnis aus und auch die jungen Grünen kritisieren diese Praxis scharf.

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GEW: "Lehrermangel verschärft sich immer weiter"

Trotz großem Fachkräftemangel in den Schulen schicke das Land etwa 8.000 bis 9.000 Lehrkräfte über die Sommerferien in die Arbeitslosigkeit, betonte die GEW-Landeschefin Monika Stein am Donnerstag in Stuttgart. Kein anderes Bundesland entlasse so viele befristet angestellte Lehrerinnen und Lehrer sowie fertige Referendare über die sechseinhalb Wochen im Sommer, obwohl sie im nächsten Schuljahr gebraucht werden. "Es ist eine Schande", kritisiert Stein.

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Der Lehrermangel verschärfe sich immer weiter, "trotzdem präsentiert sich die grün-schwarze Landesregierung als Arbeitgeber ohne Verantwortung". Man sei "zutiefst enttäuscht", dass Kultusministerin Theresa Schopper ihr Versprechen nicht wahr mache, die 3.895 befristeten Lehrkräfte auch über die Sommerferien zu bezahlen, so die GEW-Landeschefin weiter.

Stein sagte, sie könne nicht verstehen, warum das Land nicht alles tue, um diese Lehrkräfte bei der Stange zu halten. Es gehe hier um 15 Millionen Euro, die Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Finanzminister Danyal Bayaz und Kultusministerin Schopper (alle Grüne) nicht locker machen wollten.

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Protestaktion der Grünen Jugend in Stuttgart

Kritik bekommt die grün-geführte Regierung auch aus eigenen Reihen. Am Kultusministerium in der Stuttgarter Innenstadt versammelten sich am Donnerstagnachmittag etwa 30 bis 40 Vertreter der Grünen Jugend, der Jusos, der Julis, der linken Jugend Solid sowie der GEW, um ihrem Unmut über die Sommerarbeitslosigkeit von Lehrkräften Luft zu machen. Auf einem Plakat stand: "Nett hier. Aber waren Sie schon mal im Sommer arbeitslos? The Länd." Eine Anspielung auf den Sticker der Landeskampagne mit dem Titel: "Nett hier. Aber waren Sie schon mal in Baden-Württemberg?"

BW-Kultusministerium beklagt "mangelnde Flexibilität"

Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) hatte jüngst erklärt, dass man wegen knapper Kassen an der Regelung festhalte. Man werde aber bestimmten Lehrern, die schon lange an Schulen tätig seien, bei der Entfristung von Verträgen entgegenkommen. Aus dem Ministerium hieß es, die Debatte werde "mit sehr viel Emotionen geführt, leider werden dabei des Öfteren Fakten übersehen".

Zum einen gehörten zu der Gruppe der etwa 4.200 befristet Beschäftigten auch 450 pensionierte Lehrkräfte, die in den Sommerferien normal ihre Pension erhielten. Darüber hinaus zählten auch rund 1.100 ausgebildete Lehrkräfte dazu, die man sehr gerne dauerhaft und unbefristet einstellen würde. "Hier fehlt aber teilweise die Flexibilität, Stellen anzunehmen, die außerhalb von beliebten Regionen liegen. Dort gibt es genügend Stellen und die Personen könnten fest auf eine Stelle genommen werden."

Scharfe Kritik von Landtagsopposition

Diskussionen zu diesem Thema gab es vergangene Woche auch im Landtag. Die Opposition fand dazu deutliche Worte. Besonders scharf kritisierte die SPD ähnlich wie die GEW, dass 4.000 befristet angestellte Lehrerinnen und Lehrer im Land über die Sommerferien entlassen werden - obwohl sie danach wieder gebraucht werden.

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Schlechtes GEW-Zeugnis für Kretschmann

Die GEW stellte Kretschmann bei ihrer heutigen Pressekonferenz zum Schuljahresende ein schlechtes Zeugnis aus. Er habe "große Möglichkeiten für Lernzuwachs". Kretschmann habe im vergangenen Jahr mehrere Vorstöße gestartet, die er dann wieder zurückgenommen habe, wie etwa die Forderung nach verpflichtender Mehrarbeit für Teilzeitkräfte. "Ich würde hoffen, dass er hier im nächsten Schuljahr deutlich dazulernt", betont die Landeschefin Stein.

Das Urteil für Bildungsministerin Schopper fällt hingegen etwas milder aus. Schopper habe sich in bestimmten Bereichen "sehr gut eingesetzt". Da sei der geplante Modellversuch in Grundschulen ohne Ziffernnoten zu nennen. Die Entlassung über die Sommerferien überschatte aber das Bild. "Da ist sehr, sehr viel Luft nach oben", sagte Stein.

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