Möven fliegen über dem Bodensee im Winter. Der Klimawandel verhindert eine vollständige Umwälzung des Wassers. (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance/Felix Kästle (Archivbild))

Wasserschichten müssen zirkulieren

Klimawandel: Winter für Durchmischung des Bodensees bisher zu warm

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Karin Wehrheim
SWR-Redakteurin Karin Wehrheim Autorin Bild (Foto: SWR, Alexander Kluge)

Eiseskälte und stürmische Winde reichen diesen Winter bisher nicht aus für eine vollständige Umwälzung des Bodensees. Das aber wäre wichtig für die Sauerstoffversorgung der Tiefe.

Trotz der Minusgrade im Dezember und Januar und häufiger stürmischer Winde ist es in diesem Winter bisher nicht kalt genug dafür, dass das Wasser im Bodensee vollständig umgewälzt wird.

Derzeit sei das Wasser im Bodensee 6 Grad kalt an der Oberfläche und bis in 50 Meter Tiefe, sagt Thomas Wolf vom Institut für Seenforschung in Langenargen (Bodenseekreis) auf SWR-Anfrage. In 250 Meter Tiefe am Seegrund habe das Wasser derzeit eine Temperatur von 5,5 Grad. Das reiche noch nicht.

Klimawandel sorgt für seltenere Umwälzung im Bodensee

Erst wenn das sauerstoffreiche Oberflächenwasser kälter ist als das in der Tiefe, sinkt es ab. Das Wasser vom Seegrund gelangt dadurch nach oben und kann sich dort mit Sauerstoff anreichern.

Eine sogenannte vollständige Zirkulation oder Umwälzung des Bodensees bis in 250 Meter Tiefe war früher jeden Winter üblich, durch den Klimawandel ist sie selten geworden. Zuletzt verzeichnete das Seenforschungsinstitut eine gute Zirkulation in den Jahren 2006 und 2012. Die letzte vollständige Durchmischung des Bodensees fand Ende des Winterhalbjahres 2017/18 statt.

So sieht die Wassertemperatur des Bodensees derzeit aus (Foto: SWR, BodenseeOnline/LUBW/Collage SWR)
Die Wassertemperatur des Bodensees am 24.1.2024 um 14 Uhr an der Oberfläche (li.) und in 40 Meter Tiefe (re.)

Thomas Wolf ist dennoch optimistisch: Bleibe es kalt und windig, dann könnte es in diesem Winter noch eine gute Durchmischung der unterschiedlichen Wasserschichten des Bodensees geben.

Nach Angaben der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg, zu der das Seenforschungsinstitut gehört, hat sich die durchschnittliche Temperatur der Luft über dem Bodensee in den vergangenen 30 Jahren um 1,3 Grad erhöht, die Temperatur des Oberflächenwassers um 1,2 Grad.

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