Hopfendolden fallen auf dem Hof eines Hopfenbauern auf ein Förderband, um weiterverarbeitet zu werden.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Felix Kästle)

Spezielle Züchtungen?

Hopfen gegen Corona: Neue Perspektiven für Bauern in Tettnang

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Moritz Kluthe
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Wie eine neue Studie zeigt, soll Hopfen gegen Covid-19 helfen. Auch wenn die Branche nicht glaubt, dass nun mehr Bier verkauft wird, könnten sich neue Möglichkeiten bieten.

Diese Nachricht lässt alle Biertrinkerinnen und Biertrinker aufhorchen: Hopfen kann gegen Covid-19 helfen. Das zumindest legt eine neue Studie der Universitäten Tübingen und Hohenheim nahe. Auch wenn der Bierabsatz dadurch wohl kaum gesteigert wird, freut sich die Branche über diese Nachricht. Schließlich eröffnet sie neue Perspektiven.

"Das sind die besten Nachrichten für den Hopfenbauer", sagt Ludwig Locher, der in Tettnang (Bodenseekreis) Hopfen anbaut. Schließlich sei das gut für das Image. Das könne man immer gebrauchen.

Hopfen soll auch bei Alzheimer helfen

Dass Hopfen bei Alzheimer helfen könnte, ist schon längere Zeit bekannt. Auch in anderen Bereichen könnte die Pflanze, die eigentlich vor allem für ihren Einsatz beim Bierbrauen bekannt ist, helfen. Daher kommt die aktuelle Studie für Locher nicht völlig überraschend. "Dass der Hopfen sehr viele Inhaltsstoffe hat, die sehr gesundheitsfördernd sind, ist schon sehr lange bekannt", sagt er und nennt als Beispiel den Inhaltsstoff Xanthohumol. "Es gibt speziellen Hopfen, der extra darauf gezüchtet wird."

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Züchtung spezieller Hopfen-Sorten bietet Potentiale

Die Züchtung bietet auch für Martin Biendl spannende Perspektiven. Er kennt die Pflanze durch seine Arbeit für eine Hopfenveredelungsgesellschaft in Bayern sehr gut, hat sie wissenschaftlich erforscht. Daher hat er einen guten Überblick, in welcher Sorte welche Inhaltsstoffe enthalten sind. Um einen hohen Anteil spezieller Inhaltsstoffe zu bekommen, müsse man neue Sorten züchten. Dann biete auch die gezielte Extraktion der Inhaltststoffe Potential.

"Für uns als Hopfenindustrie ist die nächste Ebene, Inhaltsstoffe gezielt aus dem Hopfen zu isolieren und für andere Anwedungen außerhalb der Brauindustrie eine Verwendung zu finden."

Der Weg bis hin zu Medizinprodukten sei zwar aber sehr weit, da es viele klinische Studien brauche. Dennoch würde Biendl das nicht kategorisch ausschließen: "Das würde noch relativ lange dauern. Aber die Vorraussetzung ist gegeben." Naheliegender wären eher kosmetische Produkte oder Nahrungsergänzungsmittel.

Hopfen gegen Corona: Experte erwartet keine Werbekampagnen

Der Hopfen-Experte, der den Markt gut kennt, glaubt trotz dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse aber nicht, dass Brauereien das nun für Werbezwecke nutzen. "Brauer werben eigentlich nicht mit gesundheitlich-positiven Aussagen zum Bier", so Biendl, der sich in diesem Zusammenhang höchstens Werbung für alkoholfreies Bier vorstellen kann.

Dass durch die Studie nun mehr Bier verkauft wird, glauben Biendl und Locher ohnehin nicht. Schließlich sind die enzym-hemmenden Stoffe im Bier-Hopfen zu gering dosiert. Hinzu kommt der eher schädliche Alkohol. Und doch sind sich beide einig, dass den Hopfenbauern und Bierbrauern diese Erkenntnissen eher helfen als schaden.

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