Kinder malen in der Familienferienstätte in Langenargen.

Erholung für belastete Familien

Bund will Zuschüsse für Familien-Feriendörfer streichen

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Isabel Heine
SWR-Redakteurin Isabel Heine Autorin Bild
Corinna Scheller
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Die Förderung für Familienferienstätten wie in Langenargen am Bodensee oder in Eglofs im Allgäu könnte wegfallen. Eine Petition der Bundesarbeitsgemeinschaft soll das verhindern.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Familienerholung hat eine Petition gegen die geplante Streichung der Förderung für Familiendörfer gestartet. Die Mittel des Bundes über rund 1,9 Millionen Euro sollen ab Mitte 2024 komplett eingestellt werden, teilte das Familienerholungswerk der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit.

Ein entsprechender Kabinettsbeschluss liege vor. In Baden-Württemberg sind zwölf Feriendörfer von unterschiedlichen Trägern betroffen. Dort können unter anderem einkommensschwache Familien günstig Urlaub machen. Bundesweit wurden bisher 84 gefördert.

Arbeit der Familienferienstätten gefährdet

Damit wäre die Grundlage für die Arbeit der Ferienstätten gefährdet. Familien würden weiter abgehängt, so Andreas Hase, Vorstand des Familienerholungswerks der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Auch für seine drei Familienferienstätten in Langenargen (Bodenseekreis), Eglofs (Kreis Ravensburg) und Schramberg (Landkreis Rottweil) fallen Zuschüsse zu Bau, Modernisierung sowie für die Sanierung weg. Es drohe ein Investitionsstau, so Andreas Hase.

In Baden-Württemberg könnte zudem im Rahmen einer Drittelförderung mit der Streichung der Bundesmittel auch die Landesförderung entfallen. "Wie ab 2024 im Land zu verfahren ist, falls die vom Bund geplante Kürzung in Kraft treten sollte, ist derzeit noch offen", heißt es vom baden-württembergischen Sozialministerium auf SWR-Anfrage. Damit stünden die Familiendörfer ganz ohne Förderung da, so Andreas Hase. Feriendörfer von kleineren, unabhängigen Trägern müssten langfristig möglicherweise ganz schließen.

"In der Konsequenz werden Familien weiter abgehängt. Denn die Familienferienstätten leisten einen wichtigen Beitrag zur Chancengleichheit von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien."

Feriendörfer offen für alle Familien

In den Ferienstätten können Familien günstig Urlaub machen. Zusätzlich gibt es ein pädagogisches Angebot. Damit würden die Familienferienstätten einen wichtigen Beitrag zur Chancengleichheit von Kindern und ihren Familien leisten, so Hase von der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Vor allem Familien mit kleineren Einkommen oder besonderer Belastung nutzen das Angebot. Das sind zum Beispiel Alleinerziehende oder Familien, in denen ein Familienmitglied eine Behinderung hat oder pflegebedürftig ist.

Petition gestartet

Bis mindestens zum 26. September läuft eine Petition der Bundesarbeitsgemeinschaft Familienerholung gegen die geplante Streichung der Förderung für die Feriendörfer. Man fordere die Abgeordneten aus Baden-Württemberg auf, die geplanten Kürzungen in den anstehenden Haushaltsverhandlungen zu verhindern, heißt es in der Petition.

Mit der Streichung der Mittel wäre außerdem die Geschäftsstelle der Bundesarbeitsgemeinschaft Familienerholung ab 2024 arbeitsunfähig sein. Darin sind die 84 Feriendörfer in Deutschland organisiert. Darüber waren in der Vergangenheit Programme wie "Corona-Auszeit für Familien" entwickelt worden. Auch das Geld dafür soll im Bundeshaushalt 2024 gestrichen werden. Man bemühe sich, um eine Lösung, die Bundesarbeitsgemeinschaft Familienerholungen auch über 2023 hinaus unterstützen zu können, teilt das Bundesfamilienministerium dazu auf SWR-Anfrage mit.


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