Niedrigwasser in Lindau (Foto: SWR, Corinna Scheller)

Auswirkungen des Klimawandels

Pegel des Bodensees so niedrig wie normalerweise im Oktober

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Der Pegel des Bodensees liegt derzeit rund 90 Zentimeter tiefer als für diese Jahreszeit üblich. Auch die Wassertemperatur sei hoch, heißt es von der Landesanstalt für Umwelt.

Der Bodenseepegel ist auf einem Niveau, den er üblicherweise erst in der zweiten Oktoberhälfte erreicht. Das teilt die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) mit. Damit liegt der Pegel des Bodensees derzeit rund 90 Zentimeter tiefer als für diese Jahreszeit üblich. Am Donnerstag wurde in Konstanz ein Pegel von 3,21 Metern gemessen. Ein noch niedriger Stand an einem 4. August wurde zuletzt im Jahr 2006 erreicht. Damals lag der Pegel bei 3,10 Meter. Grund für den niedrigen Wasserstand sei die in diesem Jahr frühe Schneeschmelze in den Alpen und der langanhaltend ausbleibende Regen, heißt es von der LUBW.

Eindrücke vom Niedrigwasser am Bodensee:

Niedrigwasser im Bodensee (Foto: SWR, Knödler)
Der Hafen bei Horn im Untersee (Kreis Konstanz) liegt fast schon auf dem Trockenen. Knödler Bild in Detailansicht öffnen
Am Untersee wurden viele Boote bereits ausgewassert. Für sie ist die Saison zu Ende. Knödler Bild in Detailansicht öffnen
Ein Teppich aus Grünalgen im Bodensee vor dem Strandbad Eriskirch macht das Baden dort derzeit beinahe unmöglich. Moritz Kluthe Bild in Detailansicht öffnen
Bei Lindau am Bodensee verbreitert sich zunehmend der Strandstreifen. Corinna Scheller Bild in Detailansicht öffnen
Die Pfähle der Pfahlbauten werden nicht mehr von Wasser umspült. Die historischen Bauten stehen auf dem Trockenen. Blömer Bild in Detailansicht öffnen
Das Bootshaus bei Stein am Rhein kann seinen Zweck nicht mehr erfüllen. Das Boot musste an einer tieferen Stelle festgemacht werden. Eichenhofer Bild in Detailansicht öffnen
Immer mehr Sandbänke, wie hier am Espen Riet zwischen Konstanz und Gottlieben (Thurgau), kommen durch den sinkenden Wasserspiegel zum Vorschein. Eichenhofer Bild in Detailansicht öffnen
Vor dem Natur- und Vogelschutzgebiet Wollmatinger Ried steht ein großes Verbotsschild - Boote und Paddelboarads dürfen nicht in das Schutzgebiet eindringen. Durch das Niedrigwasser ist eine natürliche Barriere entstanden, die von Kormoranen zum Sonnenbad genutzt wird. Bild in Detailansicht öffnen

Wassertemperatur im Bodensee deutlich gestiegen

Zeitgleich sei die Wassertemperatur des Bodensees vergleichsweise hoch. In der Mitte des Obersees sei die Wassertemperatur oberflächennah in den vergangenen zwei Wochen um 1,5 Grad angestiegen und liege nun bei mehr als 24 Grad.

"Die Erwärmung des Wassers im Bodensee ist eine direkt messbare Folge des Klimawandels."

Die hohen Wassertemperaturen begünstigen derzeit das Algenwachstum am Seeufer:

Die hohen Messwerte aus den Hitzesommern 2003 und 2018 sind allerdings noch nicht erreicht. Damals wurden 26 Grad gemessen.

Steinkrebs durch Trockenheit bedroht

Rund 80 Prozent der Bäche und Flüsse im Land weisen laut Hochwasservorhersagezentrale Baden-Württemberg (HVZ) inzwischen einen Pegel auf, der niedriger ist als in einem durchschnittlichen Jahr. Das beeinflusst auch Tiere, die in den Gewässern leben - zum Beispiel den etwa zwölf Zentimeter großen Steinkrebs. Der seltene, geschützte Krebs lebt in einigen Bächen in der Region Bodensee-Oberschwaben. Er sei nun davon bedroht, dass einige Bereiche der Bäche trocken laufen, sagt Gewässerbiologin Sabine Schmidt-Halewicz gegenüber dem SWR.

In der Bodenseeregion bleibt es weiterhin trocken

Eine Entspannung der aktuellen Situation am Bodensee sei vorerst nicht in Sicht, so die LUBW. Denn auch für die kommende Woche zeichne sich keine Änderung der niederschlagsarmen und sehr warmen Wetterlage ab. Die Situation werde vor Ort vom Institut für Seenforschung in Langenargen (Bodenseekreis) genau beobachtet.

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