Verpackungssteuer für Speisen und Getränke in Kraft

Die Stadt Konstanz besteuert Einwegverpackungen jetzt mit 50 Cent

Stand

Von Autor/in Stefanie Baumann

Um Müll zu reduzieren, werden in Konstanz auf Einwegverpackungen für Speisen und Getränke ab sofort 50 Cent Steuer fällig.

In Konstanz gilt seit dem Jahreswechsel eine kommunale Verpackungssteuer. Der Wegwerfbecher für den Kaffee zum Mitnehmen, die Papiertüte für das Leberkäs-Brötchen, die Sushibox, der Eisbecher aus Pappe - für jede Verpackung dieser Art muss der Cafébetreiber, die Bäckerei, die Eisdiele oder der Imbiss ab sofort eine Steuer von 50 Cent an die Stadt Konstanz abführen. Für Einwegbesteck wie Gabel, Trinkhalm oder Essstäbchen nochmal 20 Cent.

Ziel der Konstanzer Steuer: Müll reduzieren

Ziel ist es, die Müllmenge in Konstanz zu reduzieren. Denn jährlich landen laut der Stadt 500 Tonnen Abfall in öffentlichen Mülleimern, auf Straßen und am Seeufer. Das meiste sind Einwegverpackungen. Mit der Verpackungssteuer will die Stadt die Betriebe und Kunden, die Einweg nutzen, stärker an den Entsorgungskosten für den Müll beteiligen.

Einführung der Verpackungssteuer war im Vorfeld umstritten

Der Plan, Einweggeschirr künftig mit einer Steuer zu belegen, sorgte im Vorfeld in Konstanz für Diskussionen. Vielen Konstanzer Gastronomen schien das Prozedere zu kompliziert und mit zu viel Aufwand behaftet. Sie befürchteten, durch höhere Preise Kunden zu verlieren oder sogar Pleite zu gehen. CDU, Freie Wähler und die FDP wollten die Verpackungssteuer im Dezember auf den letzten Metern im Gemeinderat noch stoppen, obwohl sich das Gremium eigentlich schon vor einem Jahr auf die Einführung geeinigt hatte.

Umwelthilfe fordert bundesweite Verpackungssteuer

Die Deutsche Umwelthilfe mit Sitz in Radolfzell (Kreis Konstanz) fordert nun, dass eine Verpackungssteuer bundesweit eingeführt wird. Hintergrund ist ein eigener Test der sogenannten Mehrweg-Angebotspflicht in der Gastronomie der Deutschen Umwelthilfe. Seit zwei Jahren müssen größere Betriebe nämlich Mehrwegverpackungen statt Einweg-Plastik zum Mitnehmen anbieten.

Im vergangenen Jahr hat die Umwelthilfe 15 Filialen von acht großen Gastronomieketten testweise besucht. Dabei haben die Tester zahlreiche Verstöße festgestellt und angezeigt. Von der nächsten Bundesregierung fordert die Deutsche Umwelthilfe nun eine Verpackungssteuer nach Tübinger Vorbild. Darin sieht der Verband den richtigen Weg für weniger Einwegmüll.

Vorbild Tübingen - hier gilt die Verpackungssteuer seit drei Jahren

Tübingen

Eindrücke nach fast drei Jahren Sondersteuer Etwa eine Million Euro Verpackungssteuer eingenommen: Ist Tübingen zufrieden?

Anfang 2022 wurde sie eingeführt, in Tübingen ist man daran gewöhnt. Doch die Meinungen über die Verpackungssteuer sind unterschiedlich. Die Stadt verdient daran.

In Tübingen gibt es die Verpackungssteuer schon seit drei Jahren. 2023 hatte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschieden, dass die Steuer in Grundzügen umsetzbar ist, nachdem eine Fast-Food-Filiale dagegen geklagt hatte. Gegen diese Entscheidung hat die Tübinger Fast-Food-Filiale beim Bundesverfassungsgericht eingereicht, das sich aktuelle mit dem Fall befasst.

Für die Stadt Tübingen hat sich die Einführung der Steuer gelohnt: Allein im ersten Jahr der neuen Regelung, also 2022, nahm Tübingen 950.000 Euro an Verpackungssteuer ein, von knapp 200 Gastro-Betrieben. Das eingenommene Geld nutzt die Stadt zum Beispiel für die Entsorgung von Verpackungsmüll in der Innenstadt.

Weitere Städte in der Region haben an Verpackungssteuer Interesse

Nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe haben bundesweit bereits viele Städte Interesse an der Einführung einer kommunalen Steuer auf Einwegverpackungen gezeigt. In der Region Bodensee-Oberschwaben zählen dazu Friedrichshafen, Sigmaringen und Singen, so die Deutsche Umwelthilfe. Konstanz ist nach Tübingen die zweite Stadt in Baden-Württemberg, wo eine solche Steuer auf Einwegverpackungen gilt.

Karlsruhe

McDonald's bedauert Entscheidung Bundesverfassungsgericht: Tübingen darf Verpackungssteuer verlangen

Die Richter in Karlsruhe haben eine Klage gegen die Steuer zurückgewiesen. Die Verpackungssteuer könnte also in weiteren Städten kommen. Tübingen feiert, McDonald's ist enttäuscht.

Konstanz

Wer Einweg will, muss zahlen Konstanz führt zum neuen Jahr Verpackungssteuer ein

Ab Anfang kommenden Jahres will Konstanz eine Verpackungssteuer für Einwegverpackungen und Einweg-Geschirr einführen. Die Stadt hat das Konzept am Mittwoch vorgestellt.

Tübingen

Klage von McDonald's abgewiesen Grundsatzurteil: Tübingen darf Verpackungssteuer erheben

Das Bundesverwaltungsgericht hat am Mittwoch beschlossen, dass die Tübinger Verpackungssteuer größtenteils rechtmäßig ist. Seit März 2022 wurde wegen der Steuer gestritten.

Kommentare (3)

Bisherige Kommentare
3

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  1. Kommentar von
    Chris
    Verfasst am

    Die städtische Begründung der Müllreduzierung ist eine 500%ige Chuzpe. Da gehts nur um steuerliche Mehreinnahmen. Als Kunde zahle ich auch für die Wegwerf- Verpackung, also werfe ich diese danach achtlos weg. Was soll eine Leihgebühr für Mehrweg Geschirr? Da Brauchts dann teuere Lager&Geschirrspüler und als Konsequenz eine Produktteuerung um mehrere €. Wie sollen Obdachlose an Feiertagen für eine Pizza oder Döner mehr Geld aufbringen? Ja sollen die Obdachlosen mit kalten Wasser die Fettflecken vom eigenen Geschirr abwaschen? Nachdem einige Verrückte Entscheidungsträger in ganz BW Warmes Wasser in den Öffentlichen Toiletten abgestellt haben? In Bregenz gibts am Hauptbahnhof wenigstens warmes Wasser für löslichen Obdachlosenkaffe. Schätz mal dass der Müll deutlich mehr wird. Am besten solche Realitätsverlustigen oder verlogenen Entscheidungsträger in die Macke Bude zwangseinweisen.

  2. Kommentar von
    Gassi
    Verfasst am

    Verpackungsmüll schiebt die Kosten für Geschirr vom Betrieb auf die Allgemeinheit. WIR ALLE bezahlen für Reinigung und Entsorgung. Jetzt also das Verursacher-Prinzip angewendet. Mal sehen, ob sich das trägt: ich befürchte, dass von der 1 Mio mind die Hälfte für die Verwaltung hopp geht. Digital geht das bestimmt auch nicht, da mussten bestimmt neue Stellen "geschaffe" werden.

  3. Kommentar von
    Finescu
    Verfasst am

    Für zusätzliche Steuern ist keine Begründung zu Abwegig. Der einfache Bürger und Konsument zahlt die "Zeche".

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