Das Coronavirus und die Folgen für das Land

Live-Blog zum Coronavirus in BW: Donnerstag, 31. Dezember 2020

Stand

Das war der Donnerstag in Baden-Württemberg

Polizei löst in Stuttgart Corona-Protest auf

21:00 Uhr

Menschen ziehen am Silvestertag bei einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung durch Stuttgart.
Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen in Stuttgart

Einige Menschen haben am Silvesterabend in Stuttgart gegen die Corona-Politik demonstriert und dabei gegen die Auflagen verstoßen. Eine Versammlung wurde aufgelöst, weil die Teilnehmer teils die Mindestabstände nicht einhielten und die daraufhin verhängte Auflage zum Tragen von Masken ignorierten, wie eine Polizeisprecherin sagte. Die Auflösung habe für Unmut gesorgt, als Reaktion habe sich eine Spontanversammlung mit etwa 100 Teilnehmern gebildet. Die Beamten kontrollierten am Abend Teilnehmer, die angaben, mit einem ärztlichen Attest von der Maskenpflicht befreit zu sein. Verschiedene Veranstalter hatten mehrere Aktionen mit je 50 bis 100Teilnehmern in der Innenstadt angemeldet.

Reger Betrieb im Zentralen Impfzentrum in Stuttgart

20:00 Uhr

Bis zum Silvestermorgen wurden in Baden-Württemberg laut Robert-Koch-Institut 12.649 Menschen gegen Covid-19 geimpft. Auch am letzten Tag des Jahres 2020 herrschte beim Zentralen Impfzentrum in der Stuttgarter Liederhalle reger Andrang. Nicht nur aus der Region Stuttgart kamen die Impfwilligen:

Fast 2.900 neue Corona-Infektionen, 51 weitere Todesfälle

18:30 Uhr

In Baden-Württemberg ist die Zahl der bestätigten Neuinfektionen mit dem Coronavirus (Stand 16 Uhr) um 2.895 Fälle gestiegen (gesamt: 240.872). Im Vergleich zum Donnerstag der Vorwoche waren das rund 600 Neuinfektionen weniger. Laut Landesgesundheitsamt stieg die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit Covid-19 um 51 (gesamt: 4.839). Als genesen gelten laut Mitteilung 181.708 Menschen, 3.485 mehr als am Vortag. Diese Angabe beruht auf einer Schätzung. Die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche (landesweite Sieben-Tage-Inzidenz) sank leicht auf 129,4. Am höchsten ist der Inzidenzwert im Kreis Calw mit 228,6. Daneben liegen noch die Stadtkreise Heilbronn und Pforzheim über dem Wert von 200. Mit 54,0 ist die Sieben-Tage-Inzidenz im Kreis Böblingen am niedrigsten.

In intensivmedizinischer Behandlung sind nach Daten des Divi-Intensivregisters derzeit 609 Erkrankte, wie die Behörde in Stuttgart weiter mitteilte. 367 von ihnen würden künstlich beatmet. Rund 86 Prozent der 2.420 derzeit betreibbaren Intensivbetten seien belegt. Der Anteil der Infizierten über 60 Jahre an allen Fällen beträgt demnach fast ein Viertel (23 Prozent), der Anteil der Kinder und Jugendlichen im Alter von 0 bis 19 Jahren liegt bei 13 Prozent.

Nach Rodelunfällen: Skiliftbetreiber appelliert an Vernunft der Wintersportler

18:00 Uhr

Bei einem Rodelunfall in Schömberg (Kreis Calw) sind am Mittwoch zwei Kinder schwer verletzt worden. Der Skilift war zum Zeitpunkt des Unfalls Corona-bedingt geschlossen, der Hang aber noch offen. Deshalb appellierte der Skiliftbetreiber an Wintersportler, dass "die Helfer an anderer Stelle in Coronazeiten sicher dringender benötigt" würden.

Coronavirus-Mutation erneut in Baden-Württemberg nachgewiesen

15:00 Uhr

Die britische Variante des Coronavirus ist erneut in Baden-Württemberg aufgetaucht. Das Gesundheitsministerium berichtet von zwei neuen Fällen. Betroffen sei ein Paar aus dem Ortenaukreis. Ein Test der Frau sei am Mittwoch positiv auf die Virus-Variante gewesen. Sie hatte sich offensichtlich bei ihrem Partner angesteckt, der im Dezember nach einer Geschäftsreise in Großbritannien erkrankt war. Da die Frau bereits vor Weihnachten positiv auf Corona getestet worden sei, seien die engen Kontaktpersonen bereits wieder aus der Quarantäne entlassen worden. Die Gesundheitsbehörden hätten nun erneute Tests der engen Kontaktpersonen veranlasst, um das Risiko einer Weiterverbreitung zu minimieren. An Heiligabend war die Virusvariante erstmals in Deutschland nachgewiesen worden - ebenfalls in Baden-Württemberg. Zwischenzeitlich tauchte die Variante B.1.1.7 auch schon bei Patienten in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen auf. Sie ist nach Einschätzung von Wissenschaftlern deutlich ansteckender als die bisher bekannte Version.

Infektiologe kann sich Impfverschiebung vorstellen

14:30 Uhr

Der Tübinger Infektiologe Peter Kremsner hält es unter Umständen für möglich, die zweite Coronaimpfung zu verschieben. Der Professor sagte dem SWR, die notwendige Auffrischungsimpfung könne zum Beispiel sechs Monate später als geplant stattfinden, wenn sich zeige, dass der Effekt der ersten Impfung mit der Zeit nicht schnell abnehme. Das wisse man aber noch nicht. Bislang ist geplant, die Auffrischungsdosis zwei bis vier Wochen nach der Erstimpfung zu spritzen. Die Diskussion wurde in Großbritannien ausgelöst. Durch eine Verschiebung der Zweitimpfung könnten mehr Menschen schnell eine Erstimpfungen bekommen.

Lucha fordert bundesweite Testpflicht für Einreisende aus Risikogebieten

12:47 Uhr

Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) fordert eine bundesweite Testpflicht für Einreisende aus Risikogebieten. Der Bund solle dazu zu Beginn des neuen Jahres eine rechtliche Vorgabe erarbeiten. "Die derzeitige Inzidenzlage verlangt, dass wir alle Risiken, die eine Ausbreitung des Virus begünstigen, maximal minimieren", sagte Lucha laut einer Mitteilung in Stuttgart. Lucha wünscht sich eine einheitliche Lösung: "Ein Flickenteppich der Bundesländer bringt uns hier nicht weiter." Bislang gilt: Wer aus dem Ausland nach Baden-Württemberg einreist und sich zu einem beliebigen Zeitpunkt in den letzten zehn Tagen vor Einreise in einem Gebiet aufgehalten hat, das in diesem Zeitraum Risikogebiet war oder noch ist, hat sich unverzüglich in Quarantäne zu begeben.

Verfassungsschutzchefin: Tiefes Misstrauen bei Bürgern

12:03 Uhr

Baden-Württembergs Verfassungsschutzpräsidentin Beate Bube hat vor einer Verbreitung von Corona-Verschwörungsmythen in der Mitte der Gesellschaft gewarnt. "Bei ganz normalen Bürgern stößt man auf ein tief sitzendes Misstrauen gegen die staatlichen Institutionen", sagte Bube dem Nachrichtenmagazin "Spiegel". "Bei manchen wird daraus geradezu eine Feindschaft gegen das System als Ganzes." Die LfV-Präsidentin regte an, ob deshalb nicht "eine Art Aussteigerprogramm für Verschwörungsanhänger" nötig sei. Das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) in Baden-Württemberg beobachtet als erstes in Deutschland die in Stuttgart entstandene "Querdenken"-Bewegung. "Man darf die staatlichen Maßnahmen gegen Corona fundamental kritisieren und andere Rezepte für die besseren halten", sagte Bube. Aber wer gezielt Falschbehauptungen aufstelle, um die Bürger gegen den Staat aufzuwiegeln, unterhöhle die Demokratie.

Labor-Meldungen zu positiven Corona-Tests künftig digital

9:52 Uhr

Laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) müssten positive Ergebnisse von Corona ab morgen digital gemeldet werden. So ließen sich Infektionsketten schneller nachvollziehen und unterbrechen. Die Zeit, in der Labore die Daten per Fax an die Gesundheitsämter schickten, sei laut Spahn damit endgültig vorbei. Die FDP im Bundestag kritisiert, dass die Digitalisierung zu lange dauert.

Lucha räumt Schwierigkeiten bei Impfungen ein

9:38 Uhr

Der baden-württembergische Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) hat Anlaufschwierigkeiten bei den Corona-Impfungen eingeräumt. Es gebe Engpässe bei der Lieferung des Impfstoffes, so Lucha im SWR. Die Herstellung sei hochkomplex. Es handle sich schließlich nicht um - so Lucha wörtlich - "Sprudelbrause". Es werde mit höchstem Druck gearbeitet, damit die erforderlichen Impfdosen geliefert werden. Anlaufschwierigkeiten gebe es auch noch dabei, einen Impftermin zu bekommen. Wer aber einen habe, könne sicher sein, dass er geimpft werde. Die Impfzentren in Baden-Württemberg seien bestens ausgestattet, betonte Lucha.

Patientenschützer: Impfsystem "undurchschaubar"

9:11 Uhr

Die Patientenschützer haben unkomplizierte Terminvergaben für Corona-Impfungen angemahnt. Das System der Länder sei undurchschaubar und praxisfern, sagte der Vorstand der Stiftung Patientenschutz, Brysch. Er befürchtet, dass die Impfbereitschaft leidet. Seit Jahren gebe es Termin-Servicestellen. Zehntausende Fachärzte würden erfolgreich vermittelt. Das könne bei 400 Impfzentren nicht schwieriger sein, sagte Brysch. Die Service-Nummer 116 117 wird laut Bundesgesundheitsministerium nicht von allen Ländern genutzt.

Silvesterritt in Westhausen in reduzierter Form

8:49 Uhr

Der traditionelle Silvesterritt in Westhausen im Ostalbkreis findet wegen der Corona-Pandemie am Donnerstag in kleinerer Form statt - mit wenigen Pferden und ohne Zuschauer. Wo üblicherweise bis zu 300 Reiter durch Westhausen ziehen, werde man in diesem Jahr nur mit zwölf Pferden zur Silvesterkapelle reiten.

Migrantenvertreter beklagen zunehmenden Rassismus

8:01 Uhr

Nicht zuletzt in der Corona-Krise hat der Landesverband der kommunalen Migrantenvertretungen (Laka) Baden-Württemberg zunehmenden Rassismus ausgemacht. An Demos gegen die Corona-Maßnahmen nähmen auch Rechtsextreme und sogenannte Reichsbürger teil. "Die Demos verschieben die Diskursgrenzen", sagte Laka-Vorstandschef Dejan Perc in Stuttgart. "Wir haben die Sorge, dass wir eine gesellschaftliche Stimmung bekommen, dass rechte Parolen wieder sagbar werden." Rechtsextreme hätten zum Beispiel Corona-Ausbrüche in Flüchtlingsunterkünften für ihre Argumentation genutzt, sagte Perc. Der Laka auf seiner jüngsten Vollversammlung eine Resolution verabschiedet. Die Forderung: "das Vorantreiben einer konsequenten Aufarbeitung von institutionalisiertem Rassismus in Landesbehörden sowie Antirassismus-Maßnahmen auf allen Ebenen der Institutionen des Landes und eine unabhängige und umfassende Studie zu Rassismus in der Polizei". Hintergrund sind Fälle rechtsextremistischer Tendenzen in deutschen Sicherheitsbehörden wie bei NSU 2.0 und rechtsextremen Chat-Gruppen unter Polizisten.

Neujahrsansprache: Kretschmann ruft zum Durchhalten und zur Zuversicht auf

7:56 Uhr

Gerade zum Jahreswechsel werde die Sehnsucht nach Unbeschwertheit und Gemeinschaft besonders spürbar, sagt Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) in seiner diesjährigen Neujahrsansprache. Der Impfstart sei "ein wunderbares Signal und Vorzeichen für das neue Jahr". Dennoch liege noch eine Durststrecke vor uns, so Kretschmann: "Wir werden noch einige Monate durchhalten müssen." Die Coronavirus-Pandemie habe uns aber auch gezeigt, "wie stark wir sind, wenn wir gemeinsam handeln", so Kretschmann. Die Krise sei ein Beispiel dafür, "dass Menschen über sich hinauswachsen können, auch unter widrigsten Umständen".

Donnerstag, 31. Dezember 2020

Weitere Infos finden Sie hier:

Das Virus und die Folgen Archiv Live-Blog zum Coronavirus in Baden-Württemberg

Seit dem 10. März 2020 begleitet SWR Aktuell Baden-Württemberg für Sie die Lage im Land rund um das Coronavirus in einem Live-Blog. In unserem Archiv können Sie die Ereignisse multimedial nachverfolgen.

Stand
Autor/in
SWR