An einer geschlossenen Tür einer Apotheke steht "Streik". (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa Bildfunk, Fredrik Von Erichsen)

Aufruf des Landesapothekerverbandes

Meinung: Arme, reiche Apotheken

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Martin Rupps
Martin Rupps (Foto: SWR, SWR/Kristina Schäfer)

Der Landesapothekerverband Baden-Württemberg möchte, dass seine Mitgliedsbetriebe am 14. Juni geschlossen bleiben. Martin Rupps hat dafür kein Verständnis.

Der Landesapothekerverband Baden-Württemberg ruft seine Mitgliedsbetriebe für den 14. Juni zum Protest auf. Hier wie bundesweit sollen die Apotheken - ausgenommen sind Notdienstapotheken - geschlossen bleiben, um auf den Mangel an Medikamenten aufmerksam zu machen. Weiter geht es um höhere Honorare für verschreibungspflichtige Medikamente. Sollte "meine" Apotheke am sogenannten Aktionstag geschlossen bleiben, hätte ich dafür kein Verständnis.

Martin Rupps (Foto: SWR, SWR/Kristina Schäfer)
Die Meinung von Martin Rupps

Natürlich, die Lieferprobleme bei Medikamenten nerven. In vielen Fällen erinnert eine Apotheke gerade an eine Tankstelle, der das Benzin ausgegangen ist. Das sorgt für weniger Umsatz und schafft Frust bei Mitarbeitenden und Kunden. Allerdings tragen die Kunden keine Schuld an dem Mangel. Und die Politik nur indirekt. Ein Streiktag würde die Falschen treffen.

Profit bei frei verkäuflichen Produkten

Auch die Klage über starre Honorare bei verschreibungspflichtigen Medikamenten mag ich nicht nachvollziehen. Ein Tankstellen-Pächter verdient schon lange nicht mehr nur am Benzin, sondern an Süßwaren und Zigaretten. Auch die Apothekerin nimmt das Kerngeschäft mit, macht aber auch anderswo Profit. Darf es vielleicht noch ein happig teures Mundwasser sein, dessen medizinische Wirkung von keiner klinischen Studie bewiesen wurde? Oder ein frei verkäufliches Schmerzmittel, das es in anderen Ländern zum halben Preis gibt?

Baden-Württemberg

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