Platz 3 (36 Punkte) Ocean Vuong: Auf Erden sind wir kurz grandios

Das Buch der Saison: Vuong, in Saigon geborener Sohn eines US-Soldaten und einer vietnamesischen Mutter, erzählt in einer Mischung aus Briefroman, Essay und Lyrismen von Verletzlichkeit und den Zumutungen des amerikanischen Traums. Ein Wagnis in der Form, das mit Momenten der Schönheit glänzt.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
17:05 Uhr
Sender
SWR2

Buch der Saison, Teil 1: Die Biografie des Schriftstellers Ocean Vuong ist einerseits von einer individuellen Wucht, wie man sie selten findet, andererseits aber auch paradigmatisch für unser von Migrationsbewegungen geprägtes Zeitalter:

Geboren 1988 in Saigon als Sohn eines amerikanischen Vaters und einer vietnamesischen Mutter, kam Vuong über Umwege gemeinsam mit Mutter und Großmutter in die USA. Er war elf Jahre alt, als er lesen lernte.

Sein erster Gedichtband „Night Sky With Exit Wounds“ wurde gefeiert wie nur wenige Debüts zuvor. Man verglich ihn mit den großen Dichtern und Dichterinnen der amerikanischen Literatur. So zart, so verletzlich, so überraschend in der Bildsprache kam all das daher.

„Auf Erden sind wir kurz grandios“, Vuongs erster Roman, erzählt auf ungewöhnliche Weise seine eigene Geschichte, auf ungewöhnliche Weise und in einem Tonfall, der Alltagsbeobachtungen und lyrische Passagen nebeneinander stellt.

Es ist ein Brief des Sohnes an die vietnamesische Mutter. Ein Brief, den sie als Analphabetin niemals wird lesen können. Es geht um die an den Sohn herangetragene Erwartung, zu einem amerikanischen Mann zu werden, um Homosexualität; darum, wer wen beschützt.

Ein amerikanischer Traum, der sich auf Männlichkeit gründet und vor dem jeder, der nicht funktioniert, als Versager erscheint. Bis die Literatur als Gegenmittel wirkt.

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