Niki de Saint Phalle: Wer ist das Monster - Du oder ich? (Foto: Imago, imago images / United Archives)

Skulptur

Die Kunst ist weiblich: Zum 90. Geburtstag von Niki de Saint Phalle

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Bereits zu Lebzeiten wurde sie als eine der bedeutendsten Skulptur-Künstlerinnen der Gegenwart gefeiert: Niki de Saint Phalle. Die riesigen, farbenfrohen Werke der Autodidaktin – insbesondere die „Nanas“, dralle Frauenfiguren – kennt heute jedes Kind. Am 29. Oktober wäre die französisch-schweizerische Malerin und Bildhauerin 90 Jahre alt geworden.

Niki de Saint Phalle am 17.11.2000 im Sprengel-Museum in Hannover  (Foto: Imago, imago images / teutopress)
„Ich wurde Künstler, weil es für mich keine Alternative gab“, so beschreibt Niki de Saint Phalle ihren Werdegang und ihre Motivation. Ihr vielseitiges Werk vereint eine große Ausdruckskraft und Engagement. Besonders ihren weiblichen und inhärent feministischen Standpunkt vertritt die Künstlerin schon in jungen Jahren sehr überzeugt. – Im Bild: Niki de Saint Phalle am 17.11.2000 im Sprengel-Museum in Hannover Imago imago images / teutopress Bild in Detailansicht öffnen
In Niki de Saint Phalles Kunst ist die Weiblichkeit ein stets wiederkehrendes Thema: „Nanas“ (frz. „Mädels“), kunterbunte, riesige Frauenfiguren erstellt sie ab 1965, zuerst aus Draht und Textilien, später aus Polyester. Sie werden anschließend bemalt oder mit Mosaik verziert. – Im Bild: Nanas im Park von Schloss Seneffe, Belgien Imago imago images / Belga Bild in Detailansicht öffnen
Höchst umstritten sind ihre Werke zu Beginn in der männerdominierten Kunstwelt. Als in Hannover eine Nana-Skulptur aufgestellt wird, warnen Gegner des Projekts vor vermehrten Verkehrsunfällen in der Umgebung. Unterstützer*innen stellen daraufhin 1974 ein Verkehrsschild auf. picture alliance / dpa Bild in Detailansicht öffnen
Aber bereits vor den „Nanas“ sorgt Saint Phalle für Aufsehen in der Kunstwelt: 1956 beginnt sie ihre Künstlerkarriere mit „Tirs“ (frz. „Schüsse“) – dabei schießt sie mit einem Kleinkalibergewehr auf Farbbeutel in Gips-Skulpturen oder auf Installationen. – Im Bild: „Tir“ in einer Kopenhagener Galerie Imago imago images / United Archives International Bild in Detailansicht öffnen
Niki de Saint Phalle ist autodidaktische Künstlerin. Geboren als Tochter einer Amerikanerin und eines adligen französischen Bankiers im Pariser Nobel-Vorort Neuilly-sur-Seine, wächst sie in New York auf. Der Missbrauch durch ihren Vater als 11-Jährige prägt ihr Werk. picture alliance / United Archives Bild in Detailansicht öffnen
In Paris lernt Niki de Saint Phalle 1956 den Schweizer Künstler Jean Tinguely kennen. Die beiden heiraten 1971. Die Ehe ist kompliziert mit wechselseitigen Affären, doch in ihrer Kunst inspirieren und ergänzen sie sich bis zu Tinguelys Tod im Jahr 1991. – Im Bild: Jean Tinguely und Niki de Saint Phalle 1979 picture alliance/KEYSTONE Bild in Detailansicht öffnen
Viele der bekanntesten Werke von Saint Phalle entstammen dieser Zusammenarbeit, darunter etwa der von Pierre Boulez in Auftrag gegebene und 1983 eingeweihte Stravinsky-Brunnen vor dem Centre Pompidou in Paris. Imago imago images / blickwinkel Bild in Detailansicht öffnen
Saint Phalle denkt groß in ihren Werken, die sich immer weiter in den öffentlichen Raum bewegen. 1998 eröffnet der von ihr und Jean Tinguely realisierte „Garten des Tarot“ in Capalbio in der Toskana. Er ist inspiriert von Antoni Gaudís Park Güell in Barcelona. – Im Bild: Der Tod als bunte Skulptur im „Garten des Tarot“ Imago imago images / imagebroker Bild in Detailansicht öffnen
Auch im Südwesten befinden sich einige Skulpturen von Niki de Saint Phalle: In Ulm steht „Der Dichter und seine Muse“ auf dem Skulpturenpfad der Universität. Ungewöhnlich: In Schwäbisch Gmünd steht eine Nana-Skulptur in der Frauenhaftanstalt Gotteszell. Imago imago images / imagebroker Bild in Detailansicht öffnen
Für das Jerusalemer Stadtviertel Kiryat Hayovel entwirft Niki de Saint Phalle in den 1970er Jahren auf Wunsch des Bürgermeisters Teddy Kolleck dieses „Golem“ oder „Monster/Mifletzet“ genannte Spielgerät. Darin greift sie eines ihrer zentralen Themen auf: die Spannung zwischen Ängsten (das Monster) und Sicherheit (Spielplatz) bei Kindern. Imago imago images / ZUMA Press Bild in Detailansicht öffnen
In der Schweiz ist Niki de Saint Phalle als Künstlerin im öffentlichen Raum präsent, außerdem hat sie als Nachlasswalterin ihres verstorbenen Mannes Jean Tinguely entscheidend zur Gründung des Museum Tinguely in Basel beigetragen. – Im Bild: Haupthalle des Hauptbahnhofs in Zürich mit Schutzengel-Skulptur Imago imago images / Travel-Stock-Image Bild in Detailansicht öffnen
Während Saint Phalles Werke fröhlich-bunt in Plastik strahlen, leidet die Künstlerin bald unter den gesundheitlichen Auswirkungen der Arbeit mit den Kunststoffen. Die Dämpfe bei der Verarbeitung und Pigmentstaub greifen ihre Atemwege an. – Im Bild: Die Skulptur Les Footballers im Garten des Olympischen Museums des IOC in Lausanne Imago imago images / Norbert Schmidt Bild in Detailansicht öffnen
2002 stirbt Niki de Saint Phalle mit 71 Jahren in San Diego, USA. Die Arbeiten an der Großen Grotte in den Herrenhäuser Gärten in Hannover können nur durch ihre detaillierten Pläne und die Hilfe der Mitarbeiter*innen nach ihren Tod vollendet werden. Imago imago images / Henning Scheffen Bild in Detailansicht öffnen

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