Backzutaten für die Weihnachtsbäckerei (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Barbara Neveu)

Weihnachtsbäckerei

Wie lange sind Backzutaten haltbar?

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Stefanie Peyk

Ob Zimtsterne, Haselnussmakronen oder Vanillekipferl – in der Adventszeit gehört Plätzchenbacken einfach dazu. Aber kann ich dafür auch Zutaten nehmen, die schon länger im Schrank stehen? Wir machen den Haltbarkeitscheck.

Zucker ist praktisch unbegrenzt haltbar

Zucker kann nicht verderben oder verschimmeln. Bakterien und Schimmelpilze brauchen nämlich Wasser zum Leben. Aber der Zucker entzieht ihnen das Wasser – die Keime haben keine Chance. Deshalb nimmt man Zucker auch, um Lebensmittel haltbar zu machen, zum Beispiel beim Marmelade-Kochen. Das ist auch der Grund, warum auf der Zucker-Packung kein Mindesthaltbarkeitsdatum steht – anders als zum Beispiel bei Milch oder gehackten Mandeln.

Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten – was tun?

Kein Grund zur Sorge. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist nur eine Empfehlung des Herstellers. So lange gibt er bei richtiger Lagerung eine Art Garantie – zum Beispiel auf Geschmack und Farbe. Danach werden Backzutaten wie Mehl, Backoblaten oder Butter aber nicht automatisch schlecht. Wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen oder die Packung schon länger offen ist, hilft ein einfacher Qualitätscheck: anschauen, schnuppern, probieren. Was gut aussieht, riecht und schmeckt, das ist auch meistens noch gut. Was schimmlig ist, wegwerfen. Wenn etwas komisch schmeckt, nicht schlucken, sondern ausspucken.

Haltbarkeitsranking: Zucker und Honig sind ewig haltbar.

Auch trockene Backzutaten halten sich lange – vor allem, wenn sie wenig Fett und Eiweiß enthalten, wie Mehl, Backpulver und Vanillezucker. Vollkornmehl wird wegen seines Fettgehalts schneller schlecht als weißes Mehl. Wenn das Backpulver-Tütchen offen ist, kann es sein, dass die Treibwirkung mit der Zeit nachlässt. Dann geht der Teig nicht mehr so schön auf. Am empfindlichsten sind frische Lebensmittel wie Milch, Butter und Eier.

Vorsicht bei rohen Eiern

Eier sind empfindliche Lebensmittel. Nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums sollte man sie unbedingt erhitzen. Für den Zuckerguss von Lebkuchenhäusern kommen die Eier dann nicht mehr in Frage. Denn dieser wird oft mit Eischnee gemacht, also mit rohem Eiweiß. Das ist selbst bei frischen Eiern heikel. Wer Keime vermeiden will, kann den Zuckerguss auch ohne Eier herstellen, zum Beispiel mit Gelatine oder Kichererbsen-Sud. Entsprechende Rezepte finden Sie bei der Verbraucherzentrale NRW.

Eier im Wassertest

Wenn die Eier in einen Teig sollen, der im Ofen gebacken wird, muss man das mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum nicht so eng sehen. Dann hilft der Wassertest: Ein Ei in kaltes Wasser legen. Wenn das Ei oben schwimmt, weg damit. Die Alternative: Ei aufschlagen und wieder auf die Sinne verlassen: Falls das Ei eingetrocknet aussieht oder sogar unangenehm riecht, dann ab in den Müll.

Wie haltbar sind Nüsse, Mandeln und Co?

Gemahlene Nüsse oder Mandeln werden leichter schlecht als ganze Nüsse. Je größer die Oberfläche, desto eher kann Sauerstoff daran gelangen, und desto eher wird das Fett in den Nüssen ranzig. Bei abgepackten gemahlenen Nüssen und Mandeln oder Kokosflocken aus dem Supermarkt passiert das aber nicht so schnell. Laut Verbraucherzentrale Bayern sorgen die Hersteller nämlich dafür, dass die Packungen möglichst wenig Sauerstoff enthalten.

Weißer Belag ist nicht immer Schimmel

Selbst frisch gekaufte Vanilleschoten haben manchmal einen weißen Belag. Das muss kein Schimmel sein. Der bildet eine Art feinen Flaum. Bei dem Raureif auf den Vanilleschoten dagegen dürfte es sich oft um feinste Zuckerkristalle handeln. Nach Auskunft der Verbraucherzentralen entstehen diese ganz natürlich durch das Ausschwitzen während der Fermentierung. Das sei sogar ein Qualitätsmerkmal hochwertiger Vanille. Auch Schokolade kann von Zuckerreif oder Fettreif überzogen sein. Beides wird oft mit Schimmel verwechselt, hat damit aber nichts zu tun und ist gesundheitlich unbedenklich. Bei weißem Belag also ganz genau hinschauen. Gut möglich, dass man mit den Vanilleschoten und der Schokolade noch prima backen kann.

Wie bleiben Backzutaten lange haltbar?

Am besten die Tipps des Herstellers zur Aufbewahrung beachten. Frische Milch und Butter gehören zum Beispiel in den Kühlschrank. Mehl sollte man kühl und trocken lagern. In einer luftdicht verschlossenen Dose ist es außerdem vor Lebensmittelmotten geschützt. Wenn beim Backen Zutaten übrig bleiben, kann man einiges einfrieren: Im Gefrierfach hält sich rohes Eiweiß etwa ein Jahr, rohes Eigelb sechs bis zehn Monate, Butter bis zu neun Monate.

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