Hans-Dieter Dreher gewinnt auf Embassy II den Großen Preis von Donaueschingen im Jahr 2018.

Wie steht es um den deutschen Turniersport?

Reitturnier in Donaueschingen soll zu altem Glanz zurückfinden

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Vanessa Sieck
Vanessa Sieck

Das CHI Donaueschingen soll im September 2024 wiederbelebt werden. Wie andere internationale Reitturniere in Deutschland steht es aber vor großen Herausforderungen.

Das traditionsreiche Reitturnier in Donaueschingen soll aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden. Einst fanden hier die Europameisterschaft der Springreiter und auch der Gespannfahrer statt. Zuletzt hatte das Turnier nur in abgespeckter Variante stattgefunden oder war wegen der Corona-Pandemie sogar ganz ausgefallen. Im September 2024 sollen nun wieder die Disziplinen Dressur, Springen und Fahren im Fürstlich Fürstenbergischen Schlosspark vertreten sein. Der Neustart in Donaueschingen erfolgt mit neuem Veranstalter: Die Agentur "Schafhof Connects", die auch das Frankfurter Festhallenturnier veranstaltet, übernimmt die Planungen.

Kann der Turniersport in Deutschland noch international mithalten?

Damit das CHI Donaueschingen wieder zu einem Erfolgsturnier wird, soll einiges investiert werden. Das scheint auch nötig, um gegen die Konkurrenz bestehen zu können. Vor allem im Ausland werde manchmal mehr Geld in die Hand genommen, erzählt Springreit-Bundestrainer Otto Becker im Interview mit SWR Sport: "Da ist der Deutsche etwas zurückhaltender in vielen Bereichen."

Gerade der Springsport ist extrem global geworden. Weltweit gibt es viele hochklassige Turniere und natürlich wollen alle dieselben Weltklasse-Reiter bei sich starten sehen. "Da ist es an uns als Veranstalter zu spüren: Was ist für die Pferde wichtig, was ist für die Reiter wichtig und was ist für die Pfleger wichtig", erklärt Matthias Rath, Geschäftsführer von Schafhof Connects und selbst international erfolgreicher Dressurreiter. Letztlich sei es nicht nur das hohe Preisgeld, das über einen Turnierstart entscheide, sondern es seien auch die Atmosphäre und die Bedingungen vor Ort.

Steigende Kosten und schwierige Sponsorensuche für Veranstalter

Dass das Gesamtpaket für alle Beteiligten passt, wird aber immer herausfordernder. Die Corona-Pandemie hat der Turnierszene einen heftigen Dämpfer verliehen. Zudem steigen die Kosten und die Suche nach Sponsoren gestaltet sich schwierig. Tradition allein reicht nicht aus, um zu bestehen - so schön die Erinnerungen an frühere Zeiten auch sein mögen.

Christian Ahlmann (Deutschland) mit Cöster auf der Ehrenrunde bei der EM in Donaueschingen 2003.
Besser hätte es für die deutschen Springreiter bei der Europameisterschaft in Donaueschingen 2003 nicht laufen können: Das Team um den jetzigen Bundestrainer Otto Becker gewinnt Gold. Und auch im Einzel wird kräftig gejubelt: Christian Ahlmann (Foto) sichert sich mit Cöster die Goldmedaille, Teamkollege Ludger Beerbaum reitet mit Goldfever auf den zweiten Platz und Marcus Ehning wird mit For Pleasure Dritter.

Im Gegensatz zum CHI Donaueschingen, das dank dem neuem Veranstalter wieder in altem Glanz erstrahlen soll, wird es das Traditionsturnier in Nörten-Hardenberg zukünftig nicht mehr geben. Und auch die Munich Indoors finden zumindest in diesem Jahr nicht statt. Das internationale Turnier in der Münchner Olympiahalle war eigentlich für Ende November geplant. Der Veranstalter musste es nach drei Jahren Corona-Pause aber erneut absagen, weil es schlicht nicht wirtschaftlich sei, dieses Turnier zu machen. "Dass das ein oder andere Turnier wegfällt, ist schade. Trotzdem sind wir nach wie vor top vertreten in Deutschland", findet Bundestrainer Otto Becker und spielt damit auf Aachen, Hamburg oder auch Stuttgart an. Und das sind nicht die einzigen Städte in Deutschland, die auf dem internationalen Turnierkalender zu finden sind.

Riesenbeck mit Global Champions Tour und Dressur-EM

Da ist beispielsweise auch noch Riesenbeck, wo Doppel-Olympiasieger Ludger Beerbaum seit 2016 ganzjährig internationale Turniere und Championate veranstaltet. Erst vergangene Woche trumpfte dort Jessica von Bredow-Werndl bei der Dressur-Europameisterschaft groß auf. Seit diesem Jahr macht auch die Global Champions Tour in Riesenbeck Station. Bei der internationalen Turnierserie geht es an 16 Orten weltweit übrigens um ein Preisgeld von beeindruckenden 36 Millionen Euro.

Bei der Veranstaltung von Turnieren gehörte Deutschland lange zur Spitzengruppe. "Das tun wir auch nach wie vor, aber die anderen Nationen haben aufgeholt und uns teilweise auch überholt", sagt Otto Becker. Er würde sich wünschen, dass es solche Standorte wie Riesenbeck vermehrt in Deutschland gebe. "In den Niederlanden oder auch in Belgien gibt es mehrere Profi-Zentren, die fast wöchentlich Turniere ausrichten. Da hinken wir hinterher." Trotzdem sei Deutschland sowohl von der Turnier-Landschaft als auch von der Zucht und vom Sport nach wie vor konkurrenzfähig, auch wenn es enger geworden sei, so Otto Becker.

CHI Donaueschingen: Tradition als Basis, Innovation als Motor

Damit in Donaueschingen der Neustart gelingt, laufen bereits die Bauarbeiten. Dressur, Springen und Fahren sollen im ehrwürdigen Schlosspark örtlich enger zusammenrücken. Damit das Turnier ein Erfolg werde, sei es wichtig, es nicht nur als Reitturnier zu sehen, sondern als Event. "Man muss etwas für die gesamte Gesellschaft, für die gesamte Familie kreieren", erzählt Matthias Rath. Dafür brauche es neue Ideen wie etwa ein Kinderland oder die Einbindung von Musik-Acts. Ziel sei es, auch Nicht-Pferdemenschen für den Reitsport zu begeistern.

Ein weiterer wichtiger Baustein für den Erfolg sei, die Region stark mit einzubinden. Daher soll auch der traditionellen Festumzug zu Turnier-Beginn wieder stattfinden. Außerdem soll es neben den internationalen Prüfungen auch Amateur-Prüfungen für Reiterinnen und Reiter aus der Umgebung geben. Bei allen Planungen sei es wichtig, das Turnier erstmal auf sicherere Füße zu stellen, so Matthias Rath. "Die Reiter sollen merken, dass hier gute Bedingungen herrschen." Dann könne das Niveau langfristig immer weiter angehoben werden.

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