Alternative zu Schnelltests?

Wie Hunde Corona-Infizierte am Geruch erkennen

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Autor/in
Anja Braun
Anja Braun, Reporterin und Redakteurin SWR Wissen aktuell.
Werner Nording
Onlinefassung
Ralf Kölbel
Ralf Kölbel, Online-Redakteur bei SWR Wissen aktuell sowie Redakteur bei Redakteur bei SWR Kultur DAS Wissen.
Oliver Schönfeld

Trainierte Hunde können aktive Corona-Speichelproben am Geruch identifizieren. Das haben Forschende aus Hannover jetzt herausgefunden. Könnten die Spürnasen bei der Suche nach Corona-Infizierten helfen?

Wissenschaftler:innen der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover und der Bundeswehr haben herausgefunden, dass speziell ausgebildete Spürhunde aktive Corona-Speichelproben identifizieren können. Erst im vergangenen Sommer hatten die Forscher:Innen mithilfe von inaktiven Speichelproben nachgewiesen, dass die Hunde in der Lage sind, eine Coronainfektion zu riechen.

7-tägiges Training

Für die Studie wurde eine spezielle Trainingsmaschine eingesetzt. Sie setzte den Hunden Negativ- und Positivproben vor. Wählten die Supernasen die Positivprobe, bekamen sie ein Leckerli und einen Ball zur Belohnung. Durch die Belohnungen lernten sie schnell. Nach nur sieben Tagen konnten die Hunde Corona erschnüffeln. Was genau die Hunde riechen und wie sie den "Duft" von Corona erkennen, haben Holger Volk und sein Forschungsteam noch nicht herausgefunden.

Wir glauben, dass es auf jeden Fall nicht das Virus ist, das Virus riecht nicht. Er geht in unsere Zelle rein und braucht auch unsere Zelle, um sich zu vermehren und durch diesen Vermehrungsprozess verändert er im Prinzip den Stoffwechsel und dann gibt es einen Duftcocktail, den die Hunde riechen können.

Am Flughafen von Helsinki sind jetzt Corona-Spürhunde im Einsatz.
Am Flughafen von Helsinki sind Corona-Spürhunde bereits im Einsatz.

"Schnüffel"-Studie noch nicht veröffentlicht

Damit könnte der Einsatz von Spürhunden bei der Suche nach Corona-Infizierten auch in Deutschland näherrücken. Dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Stefan Weil haben die Wissenschaftler:Innen ihre Ergebnisse bereits vorgestellt.

Ich bin wirklich unbeleckt hierhergekommen. Ich bin wirklich fasziniert von dem Potential, das wir hier gesehen haben und als Land wollen wir gerne Teil eines entsprechenden Netzwerks sein, das diesen Ansatz weiter vorantreibt.

Trefferquote fast 100 Prozent?

Die Expert sagen außerdem, dass die Tiere das Virus mit fast 100-prozentiger Sicherheit riechen – noch bevor bei den Menschen Symptome auftreten. Offiziell wollen die Forscherinnen und Forscher das noch nicht bestätigen. Denn die neuen Studienergebnisse sind noch nicht veröffentlicht.

"Wir würden wahrscheinlich die Politik nicht treffen, wenn wir nicht zuversichtlich sind, dass wir Ergebnisse auch reproduzieren können."

Die Corona-Hunde werden bereits in Finnland, den USA und Dubai an Flughäfen oder beim Einlass für Sportveranstaltungen eingesetzt. Bei der Kontrolle wird mit einem Tuch über die Haut der Reisenden gestrichen und dem Hund vor die Nase gelegt.

Der belgische Schäferhund Filou schnüffelt in der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) an einer Trainingsmaschine für Corona Spürhunde. Dahinter stehen Pascal Baum (l-r) und Esther Schalke von der Schule für Diensthundewesen der Bundeswehr, Holger Volk, Direktor der Kleintierklinik und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil.
Der belgische Schäferhund Filou schnüffelt in der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) an einer Trainingsmaschine für Corona Spürhunde. Dahinter stehen Pascal Baum (l-r) und Esther Schalke von der Schule für Diensthundewesen der Bundeswehr, Holger Volk, Direktor der Kleintierklinik und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (rechts)

Wann werden Spürhunde in Deutschland eingesetzt?

Bisher hat sich hierzulande niemand um den Aufbau einer Infrastruktur für den Einsatz von Spürhunden im Kampf gegen Corona gekümmert. Expert:innen schätzen, dass es noch mehr als ein Jahr dauern könnte bis Corona-Spürhunde auch in Deutschland an Flughäfen oder bei Großveranstaltungen eingesetzt werden könnten. Die Bundeswehr jedenfalls plane nicht, ihre rund 400 Diensthunde im Inland einzusetzen, erklärte der Sprecher der Streitkräftebasis, Ulrich Fonrobert. Ihm seien bislang auch keinerlei Planungen für den Einsatz von Corona-Spürhunden in Deutschland bekannt.

Hohe Kosten

Ein Diensthund der Bundeswehr, koste im Laufe seiner Lebens- und Arbeitszeit mitunter einen sechsstelligen Betrag, sagt Bundeswehrsprecher Ulrich Fonrobert. Weil der Spieltrieb der Spürhunde, der zum Erschnüffeln von Corona genutzt werde, schon nach 20 Minuten erlahmt, wäre der Einsatz von Corona-Spürhunden bei Großveranstaltungen ein teures Vergnügen. Ob die Politik in Deutschland dazu bereit ist, wird sich zeigen. Hier werden Corona-Spürhunde wohl erst dann genutzt, wenn ihr Einsatz billiger ist, als Schnelltests und PCR-Untersuchungen. Und wenn viele Menschen schnell „untersucht“ werden sollen, z.B. vor der Wiesn oder einem Stadionkonzert, sind die Hunde deutlich schneller als Schnelltests.

Corona erschnüffeln funktioniert auch über Urin von Infizierten

In Finnland konnten Hunde in einer Pilotstudie am Geruch des Urins unterscheiden, wer mit Corona infiziert war und wer nicht. Die Hunde sollen selbst solche Personen riechen können, die von sich noch gar nicht wissen, dass sie infiziert sind. So könnte man Infektionsketten frühzeitig unterbrechen, bevor andere angesteckt werden.

Anna Hielm-Björkman von der Universität von Helsinki hat für ihre Pilotstudie Hunde darauf trainiert, Duftstoffe im Urin von Covid-19-Patienten zu erkennen. Die als Diagnosehelfer ausgebildeten Hunde schnüffelten dafür an Urinproben gesunder und infizierter Personen. Sie erhielten eine Belohnung, wenn sie bei Proben von Infizierten anschlugen. Das gleiche gelang auch Wissenschaftlern der University of Pennsylvania in Philadelphia.

Welche Substanzen den typischen Corona-Duft erzeugen, ist unklar

Da eine Infektion mit dem Coronavirus weitreichende Schäden und Veränderungen im Körper verursacht, sei naheliegend, dass sich dadurch auch die Zusammensetzung der Duftstoffe im Urin der Patienten ändert. Da Covid-19 nicht nur die Lungen angreift, sondern auch die Blutgerinnung und Blutgefäße sowie Darm und Nieren könnte das erklären, warum Hunde die Infektion am Urin erschnüffeln können.

Hunde als medizinische Helfer

Deshalb werden Hunde auch in der Medizin eingesetzt. Es gibt Hunde, die Lungen - oder Darmkrebs am Atem eines Menschen erkennen. Andere warnen Diabetiker vor einer drohenden Unterzuckerung.

Die Spürnase des Hundes ist in der Lage unterschiedliche chemische Zusammensetzungen und auch den Sauerstoffgehalt in der menschlichen Atemluft zu erschnüffeln.
Die Spürnase des Hundes ist in der Lage unterschiedliche chemische Zusammensetzungen und auch den Sauerstoffgehalt in der menschlichen Atemluft zu erschnüffeln.

Hunde können auch Lungenentzündungen im Atem erschnüffeln

Einen anderen Weg geht die britische Organisation Medical Detection Dogs. Sie will Hunde trainieren, in der Atemluft von Menschen eine Corona-Infektion zu erschnüffeln. Grundsätzlich scheint es möglich, eine Lungenerkrankung wie Covid-19 durch Assistenzhunde erschnüffeln zu lassen.

Spannend wäre es, wenn Hunde so trainiert werden könnten, dass sie den Beginn der Corona-Infektion erschnüffeln, bevor ernsthafte Symptome auftreten. Katharina Küsters, Sachverständige für Assistenzhunde, ist da vorsichtig positiv. Bisher erschnüffelten Assistenzhunde vor allem Krankheiten, die durch Bakterien oder Krebszellen hervorgerufen werden. Diese Krankheiten werden dadurch oft sehr früh entdeckt.