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Um das neue Coronavirus unter Kontrolle zu kriegen, müsste man möglichst viele Menschen testen, sagt die WHO. Bei der Entwicklung von solchen Tests gibt es einige Fortschritte.

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Wer zurzeit mit einem begründeten Covid-19-Verdacht zum Arzt geht, bekommt einen Abstrich. Die bisherigen Tests suchen nach dem Virus, indem sie dort die Viren-Gene nachweisen. Das hat den Vorteil, dass man schon zeigen kann, dass sich jemand angesteckt hat, bevor das Immunsystem reagiert hat.

Im Labor wird dafür zunächst das Erbgut des Virus mit einer sogenannten PCR, einer Polymerase-Ketten-Reaktion, vermehrt. Das geht natürlich nur, wenn das Virus auch in der Probe vorhanden ist – schlägt der Test also an, ist der Patient oder die Patientin infiziert.

Beim bisherigen standardmäßig verwendeten Test auf das neue Coronavirus wird die Viren-RNA mithilfe eines speziellen Enzyms erst mal vervielfältigt (Foto: Imago, imago images/MiS)
Beim bisherigen standardmäßig verwendeten Test auf das neue Coronavirus wird die Viren-DNA vervielfältigt. Dieser Vorgang dauert allerdings mehrere Stunden. Imago imago images/MiS

Langes Warten auf Ergebnisse bei bisherigen Coronatests

Dieses Testverfahren ist mittlerweile Jahrzehnte alt und so etwas wie der Goldstandard beim Nachweis von Erregern - denn die Ergebnisse, die eine PCR liefert, sind ziemlich belastbar.

Allerdings dauert allein die Vermehrung der Virusprobe einige Stunden und man kann sie nicht einfach vor Ort in der Arztpraxis durchführen – man braucht dafür ein Labor und geschultes Personal. Das verzögert natürlich die Diagnose – wenn man Pech hat, läuft der Corona-Patient tagelang herum, ohne zu wissen, dass er positiv ist.

Bosch präsentiert Analyse-Gerät für Corona-Schnelltests

Ein Ziel der aktuellen Forschung ist es, Tests zu entwickeln, mit denen man möglichst vor Ort in der Praxis und möglichst schnell, sicher sagen kann, wer sich mit dem neuen Coronavirus angesteckt hat und wer nicht.  

Ein neues Analyse-Gerät von Bosch könnte da in Zukunft eine Rolle spielen. Dieses Modell kann allerdings auch nur 10 Proben am Tag durchlaufen lassen. Sicher wird sich nicht jede Praxis so ein Gerät oder gar mehrere kaufen.

Das neue Analyse-Gerät von Bosch wird das Problem mit den mangelnden Testkapazitäten also nicht alleine lösen, aber es geht in die richtige Richtung.

Die Firma Bosch hat auch ein Analysegerät für den Nachweis einer Infektion mit dem neuen Coronavirus entwickelt.  (Foto: Pressestelle, Bosch Healthcare Solution GmbH)
Die Firma Bosch hat auch ein Analysegerät für den Nachweis einer Infektion mit dem neuen Coronavirus entwickelt. Die Engpässe bei der Testung von Verdachtsfällen kann der Apparat alleine aber wohl auch nicht lösen. Pressestelle Bosch Healthcare Solution GmbH

Antikörpertests auf Corona - schnelles Ergebnis, aber dennoch mit Verzögerung

Große Hoffnungen setzt man derzeit in Antikörpertests. Diese brauchen zwar länger in der Entwicklung, können dafür aber deutlich schnellere Ergebnisse zeigen. Sogenannte Schnelltests brauchen nur ein paar Tropfen Blut und können nach Angaben der Hersteller innerhalb von 20 Minuten ein Ergebnis liefern.

Dabei wird aber nicht das Virus selbst nachgewiesen, sondern die Antwort des Immunsystems auf die Infektion. Der Körper bildet nach einigen Tagen nämlich Antikörper, die das spezielle Virus erkennen und sich daran festklammern. In den Schnelltests befestigt man Stückchen des Virus und lässt das Blut des Patienten darüber laufen. Wenn der Patient Antikörper gebildet hat, klammern die sich an den Virus-Fragmenten fest und geben ein Signal ab: Der Test ist positiv.

Forscher suchen weltweit nach Möglichkeiten, Coronainfektionen schneller als bisher nachzuweisen. (Foto: Imago, imago images/Christian Ohde)
Forscher suchen weltweit nach Möglichkeiten, Coronainfektionen schneller als bisher nachzuweisen. Imago imago images/Christian Ohde

Antikörpertest erkennt Infektion mit Coronavirus erst spät

Das Problem: Man kann eine Ansteckung mit dem Virus so erst nachweisen, wenn der Körper schon reagiert hat. Bei dem neuen Coronavirus ist es aber sehr wahrscheinlich, dass Patienten schon ansteckend sind, bevor der Körper seine Immunantwort richtig aufgestellt hat. Um eine sichere Diagnose zu stellen, braucht man gerade in der frühen Phase der Infektion immer noch einen PCR-Test.

Antikörpertest zum Nachweis einer überstandenen Coronainfektion

Dafür kann man aber mit einem Antikörpertest herausfinden, wer eine Infektion bereits überstanden hat und vermutlich immun ist. Das könnte zum Beispiel praktisch sein, wenn Kliniken entscheiden, wo welches Personal eingesetzt werden soll.

Noch sind solche Tests in Deutschland nicht erhältlich, zurzeit wird noch mit Hochdruck geprüft, wie zuverlässig die Tests anschlagen. Es gibt aber auch schon erste Anbieter, deren Produkte in Europa zertifiziert wurden.

Experten erwarten, dass schon bald solche Antikörpertests zur Verfügung stehen – als Ergänzung zu bisherigen Tests und als Instrument, um eine überstandene Infektion nachzuweisen.

Große Hoffnungen zur schnelleren Testung auf das neue Coronavirus setzen Forscher weltweit auf Antigentests. (Foto: Imago, imago images/MiS)
Große Hoffnungen zur schnelleren Testung auf das neue Coronavirus setzen Forscher weltweit auf Antigentests. Imago imago images/MiS

Große Hoffnungen in Antigentests

Außerdem hoffen sie auf den nächsten Schritt: Sogenannte Antigentests. Die funktionieren genauso wie der Antikörpertest, doch hier ist kein Stückchen des Virus im Test befestigt, sondern ein Antikörper gegen das Virus.

Gibt man dann etwas Speichel in den Test, klammern sich diese fixierten Antikörper an die Viruspartikel, die in der Probe schwimmen. Das würde genauso schnell funktionieren, wie beim Antikörpertest, aber man könnte direkt das Virus nachweisen und nicht nur die verspätete Immunantwort.

Die Entwicklung von solchen Antigentests ist komplizierter und dauert daher länger. Aber die ersten Firmen haben schon erklärt, in den nächsten Monaten solche Tests zumindest für den wissenschaftlichen Gebrauch auf den Markt bringen zu wollen. 

Das könnte die Testverfahren erheblich beschleunigen und auf lange Sicht verhindern, dass Patienten erst Tage nach dem Arztbesuch erfahren, ob sie sich infiziert haben oder nicht.

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