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Gibt es den Klimawandel wirklich?

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Sven Plöger
Meteorologe Sven Plöger (Foto: IMAGO, Klaus W. Schmidt via www.imago-images.de)

Ich will versuchen, darauf eine kurze Antwort zu finden. A: Das Klima hat sich auf unserem Planeten immer schon verändert; die Natur hat dafür gesorgt, dass das so war.

B: Das Klima wird auch durch uns Menschen verändert. Das sind also zwei Prozesse, die sich überlagern. Der menschliche Einfluss findet sich z.B. da wieder, dass wir Treibhausgase zusätzlich in die Atmosphäre bringen, das Bekannteste ist das Kohlendioxyd. Das ist deswegen das wichtigste Treibhausgas, weil es so viel imitiert wird. Es gibt andere, die viel klimawirksamer sind, zum Beispiel Methan, und sogar das Ozon ist ein Treibhausgas, oder die Fluorchlorkohlenwasserstoffe.

Durch diesen Prozess sorgen wir Menschen mit dafür, dass sich das Klima verändert. Wir erwärmen aber nicht nur den Planeten, sondern wir machen dadurch auch den Ozean saurer. Wir sorgen mit dafür, dass sich das Eis zurückzieht in der Arktis.

All diese Prozesse haben ziehen Folgeprozesse nach sich und so kann eine Veränderung nicht nur festgestellt werden, indem es wärmer wird, sondern vor allen Dingen auch, indem sich Dinge verlagern.

So gibt es Zonen, wo Stürme klassischerweise entlangwandern; das ist die allgemeine atmosphärische Zirkulation diese Planteten, durch Sonnenstand und weitere Bedingungen letztendlich verursacht, Schrägstellung der Erdachse. Wenn sich diese Sturmzone jetzt zum Beispiel durch eine Erwärmung verlagert von A nach B, dann haben Sie in B plötzlich viel mehr Stürme, aber in A weniger. Das kann auch mit den Vegetationszonen passieren, die verlagern sich dann von A nach B, dann wird’s plötzlich in einer Region noch feuchter als man’s gebrauchen kann und in der anderen noch trockener als man’s gebrauchen kann.

Und das am Ende ist Klimawandel.

Der Unterschied zwischen den natürlichen Schwankungen und dem, was jetzt durch uns Menschen hinzukommt, ist, die Veränderungen gehen derzeit deutlich schneller als der Planet das global alleine früher gemacht hat. Und das ist einer der zentralen Gründe warum man sagt, es muss einen weiteren physikalischen Antrieb geben, der für diese Beschleunigung sorgt. Und genau das ist der Klimawandel, nämlich der menschliche Anteil, und der ist durchaus beachtlich, der ist nicht nur gering. Man geht in der Wissenschaft von der Hälfte bis zwei Dritteln der Veränderung aus, die wir derzeit erleben.

Wie genau trägt der Mensch dazu bei?

Vor allem durch die Emission der Treibhausgase. Das steht ganz dominant in der Mitte. Das wichtigste Treibhausgas ist übrigens eigentlich der Wasserdampf, nur den imitieren wir gar nicht, deswegen sind wir da gar nicht zuständig. Es gibt einen natürlichen Treibhauseffekt, ohne den hätten wir minus 18 Grad auf dem Planeten, mit ihm haben wir aber plus 15. Insofern ist Treibhauseffekt per se nicht schlecht.

Das Kohlendioxyd ist übrigens auch per se überhaupt kein schlechtes Gas. Man liest das immer und ich höre das auch immer wieder in den Medien, teilweise in den Zeitungen, auch im Radio hört man immer wieder mal das Wort Klimakiller. Aber CO2 ist natürlich kein Klimakiller. CO2 ist ein ziemlich gutes Gas, denn ohne Kohlendioxyd würde letztendlich ja die Pflanze keine Photosynthese betreiben können und wir hätten gar keinen Sauerstoff. Das wäre richtig schlecht. Das Kohlendioxyd zu beschimpfen ist also unklug. Aber 36 Milliarden Tonnen dieses Gases, übrigens stark wachsend, bringen wir Menschen jedes Jahr in die Atmosphäre ein. Und die kommen dann eben zum natürlichen Treibhauseffekt hinzu und sorgen für die entsprechenden Veränderungen.

Ich bin ein bisschen traurig, wenn ich so in die politischen Geschäfte hineinschaue. Wir hatten 1992 die erste große weltweite Klimakonferenz in Rio de Janeiro, da herrschte ja wahnsinnige Aufbruchsstimmung. Man hat erkannt, dass unser Umgang mit diesem Planteten nicht nachhaltig ist, wir verbrauchen jedes Jahr 1,4 Erden, also 1 Komma 4 mal die nachwachsenden Ressourcen auf dem Planeten. Das geht ja auf Dauer nicht, wir übernutzen ihn.

Von 1992 bis 2014 haben wir beispielsweise die Emissionen vom Kohlendioxyd um 53 Prozent gesteigert. Das ist mitnichten das, was wir damals in der Aufbruchsstimmung gewollt haben. Das heißt, wir haben großen Nachholbedarf. Es gibt aber eben auch Chancen. Man kann was tun.

Wenn wir uns mit Ländern wie China vergleichen ist es wichtig, den Kohlendioxydausstoß pro Kopf zu beurteilen und nicht einfach nach Land. Dass China mehr imitiert als Deutschland ist nicht so unwahrscheinlich, weil es eben 1,4 Milliarden Menschen sind. Aber pro Kopf sind die Chinesen immer noch hinter uns. Jetzt haben sie aber diese gewaltigen Smogwetterlagen, die kaum zu verkraften sind. Das ist nicht mehr lebenswert, was es dort gibt. Das heißt, die Chinesen spüren auch die eigenen Taten an sich selbst.

Das ist ein Signal zum Aufbruch. Deswegen glaube ich, dass auch Länder wie China umstellen werden und man durchaus einen Erfolg haben kann.

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