Gesundheit Inwiefern beeinflusst und prägt die Lebensweise der Mutter die Entwicklung des Kindes?

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Das ist die vielleicht spannendste und wichtigste Frage, die rund um die ganze Welt momentan die Geburtshelfer und Pränatalmediziner beschäftigt. Das Schlagwort heißt „Prägung im Mutterleib“ oder auf Englisch „Vital Programming“. Was steht dahinter?

Wir haben in den letzten Jahren gelernt – und das dürfen wir mittlerweile als sicher annehmen – dass die Ernährung der Mutter während der Schwangerschaft einen direkten Einfluss nicht nur auf die Entwicklung des Kindes in der Gebärmutter hat, sondern insbesondere auch darauf, mit welcher Wahrscheinlichkeit dieses Kind später in seinem Leben bestimmte Erkrankungen haben wird.

Das war für alle eine große Überraschung. Wir müssen daher viel Aufklärung betreiben, präventiv arbeiten, um jungen Frauen mitzuteilen: Es ist nicht egal, was ihr zu euch nehmt, während der Schwangerschaft, sondern gesunde Ernährung geht direkt zum Kind über.

Die Tatsache, dass viele Kinder in vielen industrialisierten Ländern schon vor dem 12. Lebensjahr unter Fettleibigkeit und Bluthochdruck leiden müssen, das sogenannte Metabolische Syndrom haben, hat wahrscheinlich in den meisten Fällen damit zu tun, was die Mutter während der Schwangerschaft zu sich genommen hat.

Das ist eine sehr schwierige Situation. Aber ich will’s mal positiv formulieren: Wenn man während der Schwangerschaft eher auf tierische Fette verzichtet und fettes Fleisch, fette Wurstsorten höchstens ausnahmsweise isst, ist das in Ordnung. Aber Gemüse, Obst, fettarmes Fleisch, Seefisch, das alles ist fantastisch.

Und wenn man seine Ernährung während der Schwangerschaft entsprechend umstellt, tut man nachhaltig etwas für sein Kind – also nicht nur während der Schwangerschaft, sondern auch danach.

Ernährung während der Schwangerschaft wird in Zukunft für Frauenärztinnen und Frauenärzte eines der absoluten Hauptthemen sein. Süßigkeiten beispielsweise oder weißes Mehl sind keine gute Idee in der Schwangerschaft. Diese machen nicht nur ganz bestimmte, Prädispositionen, also Veranlagungen, während der Schwangerschaft für Schwangerschaftszucker aus, sondern wirken sich auf das Wohlbefinden des Kindes aus, aber auch auf die Geburt. Der Blutzuckerspiegel hat direkt etwas damit zu tun, wie leicht oder schwer die Geburt wird, ob sie pünktlich ist oder nicht, ob sie lange dauert.

Nikotin kommt dazu. Das ist  nach dem Alkohol – die wahrscheinlich gefährlichste Droge in der Schwangerschaft ist. Nikotin führt dazu, dass Kinder auch Intelligenzminderung haben können. Man kann es drastisch formulieren: Frauen, die während der Schwangerschaft rauchen und sich falsch ernähren, erhöhen das Risiko ihres Kindes um den Faktor 20, also um das 20-Fache, dass dieses Kind vor dem 12. Lebensjahr selbst erkranken wird, zum Beispiel am Metabolischen Syndrom.

Rauchen gehört also überhaupt nicht in eine Schwangerschaft und es ist wirklich schädlich – übrigens auch, wenn im Umfeld der Frau geraucht und die Frau dadurch in Mitleidenschaft gezogen wird. Wenn der Mann das Rauchen nicht lassen kann, dann muss er es auf den Balkon tun und nicht im gleichen Raum.

Es ist wirklich wichtig und es ist ein Herzensanliegen, das auch den jungen Frauen zu sagen, weil sie für ihr Kind nachhaltig etwas Gutes tun können.

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