Gedächtnis

Erinnern sich Finger an erlernte Gitarrenstücke?

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Das ist wie bei den PIN-Nummern, die wir bei unseren Geldkarten benutzen. Wenn man vor dem Automaten steht, kann man die Zahl hundert Mal korrekt eingeben – bis man sich mal vertippt. Sich dann wieder zu erinnern, was die richtige Nummer ist, kann sehr schwerfallen. Man hat zwar gedacht, dass man diese Nummer bewusst eingibt, in Wirklichkeit aber hat man ein bestimmtes Bewegungsmuster eingegeben. Wenn das einmal schiefgegangen ist, fällt es einem schwer, bewusst die Nummer wieder aufzurufen.

Ähnlich ist es bei Musikstücken. Musikstücke werden assoziiert über den Namen. Wenn man es selbst geschrieben hat, auch über die Stimmung, in der man es geschrieben hat, was man ausdrücken wollte, welche Systeme man verwendet hat, um es zu schreiben.

Wissen außerhalb eines bestimmten Kontexts abzurufen, fällt schwer

Sie werden aber auch über die Bewegungsmuster des Spielens, in dem Fall einer Gitarre, mit abgespeichert. Das heißt, man hat hier eine weitere Assoziation. Plus: Die Gitarre gibt einem den Kontext der Situation, denn es fällt uns schwer im Musischen, aber auch im nicht musischen Bereich, wenn es um Faktenwissen geht, Dinge außerhalb eines bestimmten Kontextes abzurufen, in dem wir diese Fakten entweder anwenden wollen, normalerweise anwenden oder in dem wir sie gelernt haben

Deshwegen haben zum Beispiel viele Schüler und Schülerinnen Schwierigkeiten haben, wenn sie einen Beruf anfangen, das, was sie in der Schule gelernt haben, entsprechend zu erinnern, weil der Schulkontext fehlt.

Zusammenspiel von Bewegung und Gehör

In ihrem Musikstück wird der Musikkontext wiederhergestellt durch das Greifen der Gitarre, durch die ersten Töne. Aber dann passiert noch etwas anderes: Auch wenn Ihnen die Bewegungsmuster selber geholfen haben, es zu erinnern, ist es jetzt wiederum Ihr Gehör über den auditorischen Cortex, über die Musikanalyse, der ihnen signalisiert: Hey, das ist ja das Lied, wonach du gesucht hast. – Beziehungsweise manchmal ist es das auch eben nicht gleich.

Auch da sieht man, dass es eine Korrekturschleife im Kopf gibt, die neben dem Bewegungsmuster, neben den Automatismen, den Routinen der Gewohnheiten, den unbewussten Assoziationen noch eine bewusste Rückmeldung gibt. Ob etwas in dem, was man gerade spielt, mit dem zu tun hat, was man im Kopf hatte, was man spielen wollte.

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