Gespräch

Caspar David Friedrich – Der Hype begann in den 70ern

Stand
INTERVIEW
Philine Sauvageot

In der Hamburger Kunsthalle läuft seit 15. Dezember 2023 die erste einer Reihe großer Caspar David Friedrich Ausstellungen zum 250. Geburtstag des Malers. Angesichts des Trubels erklärt Kunstkritiker Hanno Rauterberg: Die Romantik war nicht immer „in“.

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Der große Hype habe in den 70er-Jahren begonnen, zeitgleich mit dem Beginn der großen sogenannten Blockbuster-Ausstellungen. „Auftaktheld der ersten Blockbuster-Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle war damals wie heute Caspar David Friedrich“, so Rauterberg.

Leere Bilder laden zur Projektion ein

ine Frau schaut sich das Werk «Mönch am Meer» von Caspar David Friedrich in der Hamburger Kunsthalle an
Ausstellung „Caspar David Friedrich. Kunst für eine neue Zeit“ in der Hamburger Kunsthalle

Der Hype habe etwas damit zu tun, dass die Bilder eine große Deutungsoffenheit hätten, sagt Kunsthistoriker Rauterberg. Es seien oft leere Bilder, die einladen würden, die eigenen Gedanken hineinzuprojizieren. Und es seien immer wieder ganz andere Anliegen hineinprojiziert worden. Jede Zeit habe ihren eigenen Friedrich gehabt.

Jeder Wald eine Kirche, jeder Berg ein Gottesbeweis

Zur NS-Zeit, so Rauterberg, hätten die Bilder als besonders deutsch gegolten. Eine Zeitlang sei der protestantisch-strenge Friedrich sehr gefragt gewesen. Mal sei es um das Religiöse, um die Natur als Andachtsraum gegangen: „Jeder Wald war da eine Kirche, jedes Bergmassiv ein Gottesbeweis“.

Es gebe immer solche Trends und im Moment sei Friedrich als der Naturbewegte gefragt, als der erste ökologiebewusste Maler, und auch das sei eine Projektion.

Forum Über allen Gipfeln – Was macht Caspar David Friedrich so unsterblich?

Michael Köhler diskutiert mit
Prof. Dr. Johannes Grave, Kunsthistoriker, Universität Jena,
Prof. Dr. Achatz von Müller, Historiker, Universität Basel
Dr. Kia Vahland, Meinungsredakteurin der Süddeutsche Zeitung und Sachbuchautorin

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Außer Landschaft passiert nichts

Ein Mann fotografiert während des Presserundgangs das Werk «Wanderer über dem Nebelmeer» (r) von Caspar David Friedrich
Ausstellung „Caspar David Friedrich. Kunst für eine neue Zeit“ in der Hamburger Kunsthalle

Kunstkritiker Rauterberg argumentiert: „Wir sehnen uns alle nach einer heilen, unberührten und unberührbaren Natur, es geht um Sehnsucht.“ Die Rückenfiguren im Vordergrund schauten uns nicht an, sondern schauten mit uns zusammen auf eine Landschaft, wo es eigentlich nichts zu erblicken gebe. Außer Landschaft passiere in diesen Bildern auch nichts, „die sind wie stillgestellt“, konstatiert der Experte.

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