Julie Walters, Meryl Streep und Christine Baranski in „Mamma Mia!“ (2008)

Schauspielkarriere mit 21 Oscar-Nominierungen in Bildern

75 Jahre Meryl Streep – Von „Sophies Entscheidung“ bis „Der Teufel trägt Prada“

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Autor/in
Dominic Konrad
Dominic Konrad, Autor und Redakteur bei SWR Kultur und SWR Musik

Sie selbst glaube ab und zu, sie sei völlig überbewertet, sagt Meryl Streep 2004, als sie ihren zweiten Emmy entgegenimmt. Dann fügt sie lachend hinzu: „Aber nicht heute.“ Tatsache ist: Meryl Streep ist eine der meistgeachteten und meistausgezeichneten Schauspielerinnen der Filmgeschichte. Zum 75. Geburtstag blicken wir zurück auf eine einmalige Filmkarriere.

Meryl Streep bei den Filmfestspielen in Cannes 2024
Meryl Streep ist heute eine der einflussreichsten Schauspielerinnen Hollywoods. Dabei wollte sie ursprünglich gar nicht zum Film. Zu Beginn ihrer Karriere bewegt sich die Yale-Absolventin in der New Yorker Theaterszene.
Meryl Streep und Robert De Niro in „Die durch die Hölle gehen“ (1978)
Am Broadway lernt Streep den 14 Jahre älteren Schauspieler John Cazale („Der Pate“) kennen. Als bei ihm Lugenkrebs diagnostiziert wird, nimmt sie eine ihrer ersten Filmrollen in „Die durch die Hölle gehen“ an, um in seiner Nähe zu sein. Für Cazale ist es der letzte Film, Streep wird für ihren ersten Oscar nominiert.
Meryl Streep in „Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss“ (1978)
Einem großen Publikum bekannt wird Meryl Streep als Inga Weiss, die Frau eines KZ-Insassen, im TV-Mehrteiler „Holocaust“ (1978). Bei der Erstausstrahlung in Deutschland verweigern mehrere ARD-Anstalten die Übertragung. Es kommt auch zu rechtsextremen Bombenanschlägen.
Meryl Streep und Woody Allen in „Manhattan“ (1979)
In Woody Allens New-York-Film „Manhattan” spielt die noch relativ unbekannte Streep dessen Ex-Frau, die nach der Ehe mit einer Frau zusammenlebt und ein Buch über die gemeinsamen Jahre schreibt.
Justin Henry, Meryl Streep und Dustin Hoffman in „Kramer vs. Kramer“ (1979)
1979 gewinnt Meryl Streep ihren ersten Oscar als beste Nebendarstellerin in „Kramer gegen Kramer“. Im Film ist sie eine überforderte Mutter, die ihren Mann (Dustin Hoffmann) und Sohn (Justin Henry) verlässt. Die Schlüsselszene ihrer Figur, ihre Aussage im Familienprozess, schreibt Streep selbst. Der ursprüngliche Text erschien ihr wenig authentisch.
Meryl Streep in „Die Geliebte des französischen Leutnants“ (1981)
Die nächste Oscar-Nominierung lässt nicht lange auf sich warten: In „Die Geliebte des französischen Leutnants“ (1981) spielt Streep auf zwei Zeitebenen eine junge Frau im England des 19. Jahrhunderts, die sich in einen Franzosen verliebt, und eine Schauspielerin, die diese Rolle in einem Film spielen soll.
Peter MacNicol, Meryl Streep und Kevin Kline in „Sophies Entscheidung“ (1983)
Bis heute gilt Streeps Arbeit in „Sophies Entscheidung“ (1982) als schauspielerische Meisterleistung. Der Film spielt in New York kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Die distanzierte Sophie lebt mit zwei Männern zusammen. Allmählich wird klar: Sophie war in Auschwitz und wurde dort vor die Wahl gestellt, welches ihrer Kinder überleben sollte.
Richard Attenborough, Meryl Streep und Ben Kingsley posieren mit ihren Oscars bei der Verleihung 1982
Streep erhält für diese Rolle ihren zweiten Oscar. Ihm verdankt sie auch den Ruf, hervorragend Akzente imitieren zu können: Als Sophie spricht Streep Deutsch und Englisch mit polnischem Akzent.
Meryl Streep und Robert Redford in „Jenseits von Afrika“ (1985)
Als etablierte Charakterdarstellerin erhält Streep in den Folgejahren Angebote für Big-Budget-Produktionen. Mit Robert Redford dreht sie etwa in Nairobi „Jenseits von Afrika“, eine Filmbiografie über die dänische Schriftstellerin Karen Blixen.
Meryl Streep, Ed Begley Jr. und Roseanne Barr in „Die Teufelin“ (1989)
Je näher ihr 40. Geburtstag rückt, desto rarer werden die Rollenangebote, erinnert sich Meryl Streep rückblickend. 1989 spielt sie in der Komödie „Die Teufelin“ eine Kitschroman-Autorin, die die Rache einer hintergangenen Ehefrau (Roseanne Barr) zu spüren bekommt.
Meryl Streep in „Der Tod steht ihr gut“ (1992)
Das Altern ohne Würde ist 1992 das Thema eines Films, den Meryl Streep mit Goldie Hawn und Bruce Willis dreht. In „Der Tod steht ihr gut“ ist sie eine nicht mehr taufrische Varieté-Schauspielerin, die nach der Einnahme eines magischen Elixirs ewig jung und schön bleiben soll – zumindest solange sie gut auf ihren Körper aufpasst.
Meryl Streep und Clint Eastwood in „Die Brücken am Fluss“ (1995)
Ihre zehnte Oscar-Nominierung erhält Streep für die Rolle der Francesca in „Die Brücken am Fluss“. Sie spielt eine in ihrem Alltag gefangene Hausfrau, die durch eine Begegnung mit einem National-Geographic-Fotografen (Clint Eastwood) neue Leidenschaft erfährt.
Meryl Streep und Al Pacino in „Angels in America“ (2003)
Nur selten tritt Meryl Streep in Fernsehproduktionen auf. Im Jahr 2003 wirkt sie in der Miniserie „Engel in Amerika“ nach Tony Kushners gleichnamigem Theater-Zweiteiler über die Aids-Krise mit. Streep spielt mehrere Rollen, darunter einen alten Rabbiner, eine konservative Mormonin und den Geist von Ethel Rosenberg, die 1953 als sowjetische Spionin hingerichtet wurde.
Meryl Streep in „Der Teufel trägt Prada“ (2006)
Bis heute eine ihrer ikonischsten Rollen: 2006 spielt Streep in der Komödie „Der Teufel trägt Prada“ Miranda Priestley, die kontrollsüchtige und höchst anspruchsvolle Chefredakteurin einer führenden Modezeitschrift. Vorbild der Figur ist die Vogue-Chefin Anna Wintour.
Christine Baranski, Meryl Streep & Julie Walters in „Mamma Mia!“ (2008)
Für Überraschung sorgt die Nachricht, dass Meryl Streep 2008 die Hauptrolle im ABBA-Musical „Mamma Mia!“ übernehmen soll. Als Donna bereitet sie auf einer griechischen Insel die Hochzeit ihrer Tochter vor, unwissend dass diese die drei Männer eingeladen hat, die als ihr Vater in Frage kommen. 2018 spielt sie die Rolle erneut im zweiten Teil der Filmreihe.
Meryl Streep in „Julie & Julia“ (2009)
Nicht weniger komödiantisch ist Streeps Darbietung als Julia Child in „Julie & Julia“. Die amerikanische Fernsehköchin sorgte mit ihrem Buch „Mastering the Art of French Cooking“ in den 1950er-Jahren für eine bis heute anhaltende Begeisterung für die französische Küche.
Meryl Streep in „Die Eiserne Lady“ (2011)
Kontroverser hingegen ist die Frau, die Streep 2011 in „Die Eiserne Lady“ porträtierte. Unter der Regie von Phyllida Lloyd spielte sie die britische Premierministerin Margaret Thatcher auf dem Höhepunkt ihrer politischen Karriere sowie als von der Demenz gezeichnete Seniorin.
Meryl Streep und Jean Dujardin mit ihren Oscars bei der Preisverleihung 2012
Thatchers Kinder und britische Konservative kritisierten die Darstellung vor allem der gealterten Politikerin. Dennoch konnte Meryl Streep für diese Rolle ihren dritten Oscar und den britischen Filmpreis BAFTA entgegennehmen.
Meryl Streep in „Into the Woods“ (2014)
Als sie 40 Jahre alt wurde, seien ihr plötzlich vermehrt Hexen als Rollen angeboten worden, verriet Meryl Streep in Interviews. Eine Hexen-Rolle akzeptierte sie schließlich doch: in „Into the Woods“ (2015), der Verfilmung eines Märchen-Musical-Klassikers aus der Feder von Stephen Sondheim.
Meryl Streep in „Florence Foster Jenkins“ (2016)
Ihr Gesangstalent durfte sie 2017 erneut unter Beweis stellen – oder so ähnlich. In „Florence Foster Jenkins“ spielt Streep eine New Yorker Society-Dame, die sich mit schiefen Tönen als Opernsängerin versucht und deren Konzert in der Carnegie-Hall zur Lachnummer gerät. Streep gelingt hier ein verletzliches Porträt hinter der Karikatur.
Meryl Streep nimmt den Golden Globe für ihr Lebenswerk entgegen (2017)
Auch politisch bezieht die Schauspielerin im Jahr 2017 Stellung: Bei ihrer Dankesrede bei den Golden Globe kritisiert sie die spaltende Rhetorik und die Ausländerfeindlichkeit des damaligen US-Präsidenten Donald Trump. Der betitelt sie daraufhin als die „meistüberschätzte Schauspielerin“ Amerikas.
Meryl Streep in „Don't Look Up“ (2021)
Nicht minder Trump-kritisch ist Streep als konservative US-Präsidentin Janie Orlean in der Netflix-Satire „Don’t Look Up“ (2021). Während ein Komet droht, die Erde auszulöschen, verbreitet Orlean Verschwörungsmythen und empfiehlt, einfach „nicht nach oben“ zu schauen.
Meryl Streep und Martin Short in „Only Murders in the Building“ (2023)
Neue Filmrollen hat Meryl Streep in den vergangenen Jahren nur selten angenommen. Dafür spielte sie in der dritten Staffel der Krimi-Comedy-Serie „Only Murders in the Building“ eine erfolglose Schauspielerin, die in ihren späten Jahren auf der Bühne ihren Durchbruch erfährt. In der vierten Staffel, die im August 2024 auch in Deutschland startet, wird Streep wieder mit dabei sein.

Rekordhalterin mit 21 Oscar-Nominierungen

Sie ist eine Schauspielerin, die alle Rekorde bricht: Mit weitem Abstand führt Meryl Streep die Liste der Schauspielerinnen und Schauspieler, die am häufigsten für den Oscar nominiert wurden. 21 Mal durfte sie bislang auf die Auszeichnung hoffen, dreimal gewann sie die goldene Statue.

Daneben kann Meryl Streep neun Golden Globes, zwei British Film Awards, zwei Screen Actors Guild Awards und zwei Primetime Emmys ihr Eigen nennen – um nur einige der wichtigeren Preise zu nennen, mit denen die Schauspielerin bedacht wurde.

Meryl Streep bei den Filmfestspielen in Cannes 2024
Die Größte aller Zeiten? Erst kürzlich wurde Meryl Streep bei den Filmfestspielen in Cannes mit einer Ehrenpalme für ihr filmisches Lebenswerk ausgezeichnet.

Die Krankheit ihres Lebensgefährten führt sie zum Film

Geboren wird Mary Louise Streep am 22. Juni 1949 in Summit, New Jersey. Die Rolle der Miss Julie in Stringbergs gleichnamigen Drama, die sie in einer Schulproduktion spielt, habe in ihr den Wunsch geweckt, sich als Schauspielerin zu versuchen, erinnert sich Streep rückblickend. Sie studiert später an der renommierten Yale University und startet ihre Karriere in der New Yorker Theaterszene.

Zum Film kommt sie schließlich durch ihren Lebensgefährten John Cazale, der als Fredo in Coppolas „Der Pate“ berühmt wurde. Als bei Cazale Ende der 1970er-Jahre Lungenkrebs diagnostiziert wird, nimmt sie ihre ersten Filmrollen an, um in seiner Nähe arbeiten zu können. Sein letzter Film „Die durch die Hölle gehen“ ist 1978 auch der erste, für den Meryl Streep eine Oscar-Nominierung erhält.

Meryl Streep als Hexe im Film-Musical „Into the Woods“ (2015)

Geschätzt auch unter Kolleg*innen

Seit sechs Jahrzehnten ist Streep durchgängig in großen Hollywood-Filmen zu sehen. Immer wieder überzeugt sie Publikum und Kritik mit ihren fein ausgearbeiteten Figuren, ihrer Beobachtungsgabe in Sachen Körperlichkeit und Sprache und der Subtilität ihres Spiels.

Das beeindrucke nicht zuletzt ihre Kolleginnen und Kollegen, verriet Schauspielerin Jennifer Lawrence im Interview mit Late-Night-Talker Stephen Colbert. Am Set zu „Don’t Look Up“ sei sie von den Kolleg*innen nur „GOAT“ genannt worden. Streep habe das wörtlich genommen – „alte Ziege“ – dabei stehe die Abkürzung für „Greatest of All Time“ – die Größte aller Zeiten.

Ob nun wirklich die Größte oder nicht, Meryl Streep ist ohne Zweifel eine der ganz Großen in Hollywood. Im August startet die vierte Staffel der Serie „Only Murders in the Building“, in der Streep erneut die Schauspielerin Loretta Durkin spielen wird. Auch mit 75 Jahren denkt sie lange nicht ans Aufhören.

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Dominic Konrad, Autor und Redakteur bei SWR Kultur und SWR Musik