Die Deponie in Saarburg ist umgezogen, ein Mammutprojekt des Trierer Abfallzweckverbandes damit beendet.

Umzug der Deponie abgeschlossen

Wie aus der alten Saarburger Müllkippe wieder Natur wird

Stand
AUTOR/IN
Christian Altmayer
Foto von Christian Altmayer, Redakteur bei SWR Aktuell im Studio Trier

Die frühere Saarburger Mülldeponie gibt es nicht mehr. Eine Million Tonnen Abfall wurden abtransportiert. Jetzt soll sich die Natur das Gelände zurückholen.

Wie ein alter Steinbruch sieht das Gelände im Norden von Saarburg aus, ein Talkessel am Waldrand. Kaum noch etwas erinnert daran, dass hier bis vor dreieinhalb Jahren noch Berge von Müll lagen. Hier und da ragt ein bisschen Kunststoff aus dem Schiefer hervor - mehr ist von der früheren Deponie nicht geblieben.

Denn der Abfallzweckverband Region Trier, kurz A.R.T., hat den gesamten Müll, der sich hier über Jahrzehnte angesammelt hat, umgelagert. Seit Frühjahr 2020 rollten täglich Lastwagen von der Deponie und schafften fast eine Million Tonnen Abfall ins Entsorgungszentrum nach Mertesdorf. Jetzt ist der Umzug abgeschlossen.

Die frühere Mülldeponie in Saarburg gleicht heute einem Steinbruch. Hier war tonnenweise Abfall gelagert.
Die frühere Mülldeponie in Saarburg gleicht heute einem Steinbruch. Hier war tonnenweise Abfall gelagert.

Umzug statt Sanierung vor Ort

Nun ist es alles andere als üblich, dass eine ganze Deponie umzieht. Das Projekt erforderte einen gigantischen logistischen und finanziellen Aufwand. 22 Millionen Euro hat der A.R.T. in den vergangenen Jahren in Saarburg investiert.

Die frühere Mülldeponie in Saarburg gleicht heute einem Steinbruch. Hier war tonnenweise Abfall gelagert.
Max Monzel (links) und der Saarburger Bürgermeister Jürgen Dixius sind froh, dass die frühere Deponie Geschichte ist.

Nach Ansicht von Geschäftsführer Max Monzel gab es dafür aber gute Gründe: "Die Deponie vor Ort zu sanieren, wäre langfristig noch teurer geworden und wir hätten den Bürgern hier eine Altlast hinterlassen, die wir nun beseitigt haben."

Schiefer ist kein guter Untergrund für eine Deponie

Diese Altlast hätte gefährlich für die Umwelt werden können. Denn die Stadt Saarburg hatte sich 1955 für ihre Müllkippe keinen geeigneten Ort ausgesucht, sagt Monzel: "Wir haben es hier überall mit zerklüftetem Schiefergestein zu tun, durch das Wasser in die Deponie gesickert ist."

Die frühere Mülldeponie in Saarburg gleicht heute einem Steinbruch. Hier war tonnenweise Abfall gelagert.
Der Müll war auf Schiefer gelagert. Dadurch konnte Wasser in die Deponie eindringen.

Die Müllkippe war also undicht. Schadstoffe wurden in die Natur gespült. "Auf Dauer wäre es nicht auszuschließen gewesen, dass auch das Grundwasser verunreinigt wird", so Monzel. Deshalb musste der Abfallzweckverband handeln und entschied sich schließlich dafür, den Müll aus dem Talkessel abzubaggern.

Die frühere Mülldeponie in Saarburg gleicht heute einem Steinbruch. Hier war tonnenweise Abfall gelagert.
Die frühere Mülldeponie in Saarburg gleicht heute einem Steinbruch. Hier war tonnenweise Abfall gelagert.

Mehr Müll im Tal gelagert als erwartet

Dabei allerdings stießen die Bauarbeiter auf ganz neue Probleme. Sie entdeckten, dass in Saarburg noch deutlich mehr Müll lagert als angenommen. Je tiefer sie baggerten, desto mehr Abfall kam zum Vorschein.

Die frühere Mülldeponie in Saarburg gleicht heute einem Steinbruch. Hier war tonnenweise Abfall gelagert.
Verborgen im Erdreich lagerte deutlich mehr Müll als ursprünglich gedacht.

"Wir hatten Karten aus den 1950er-Jahren", sagt Monzel. Dort war allerdings nicht vermerkt, dass die Gemeinde hier jahrzehntelang auch Schiefer abgebaut hat und damit Platz für noch mehr Müll geschaffen hat.

Der Abfallzweckverband hatte mit rund 300.000 Tonnen Material gerechnet. Am Ende waren es fast eine Million Tonnen. Und die Kosten stiegen um mehr als drei Millionen Euro gegenüber ersten Berechnungen. Dennoch sieht der A.R.T. in dem Projekt einen Erfolg.

Lebensraum für Eidechsen und Fledermäuse

Wie es mit dem Gelände weitergeht, muss der Abfallzweckverband nun mit der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord, der Landesumweltbehörde, abstimmen. Klar ist für Max Monzel, dass die Deponie ein Lebensraum für Tiere und Pflanzen werden soll. Der Klingenbach, der bislang durch ein Rohr geleitet wurde, soll wieder frei durch das Tal fließen.

Kurz, nachdem die letzten Bagger und Lastwagen das Grundstück verlassen haben, hat die Natur bereits begonnen, sich den Talkessel zurückzuerobern. Blumen und Gräser schießen aus dem Schiefer hervor. Eidechsen sonnen sich auf den Steinen und Fledermäuse jagen durch die Luft.

Für die Bürger bleiben die Tore der früheren Deponie erstmal noch geschlossen, sagt Monzel: "Irgendwann wird man hier auch wieder spazieren oder Fahrradfahren können."

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