klimafreundlicher Garten in Mehring

Mehr Artenvielfalt

Gartenwettbewerb: Vorgarten in Mehring ausgezeichnet

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AUTOR/IN
Lara Bousch

Mehr Biodiversität im Vorgarten, weniger Schotter; das ist das Ziel eines Wettbewerbs an der Mosel. Der diesjährige Gewinnergarten in Mehring steckt voller Überraschungen.

Neben dem Eingang des Wohnhauses der Familie Konder-Michelot in Mehring blühen ganz klassisch ein paar rote Petunien und rosa Nelken. Wer aber genau hinschaut, entdeckt entlang des schmiedeeisernen Treppengeländers eine Gurken-Pflanze. Der diesjährige klimafreundlichste Vorgarten der Verbandsgemeinde Schweich hat die Jury durch viel Kreativität überzeugt.

Am Hauseingang rankt eine ungewöhnliche Pflanze für einen Vorgarten: Eine Gurke.
Am Hauseingang rankt eine ungewöhnliche Pflanze für einen Vorgarten: Eine Gurke.

Motivieren statt verbieten

Christiane Horsch, Bürgermeisterin der VG Schweich freut sich darüber, dass es noch so engagierte Gärtner gibt. Mit dem Wettbewerb für klimafreundliche Gärten in ihrer Verbandsgemeinde will sie mehr Menschen motivieren sich zu entsteinen. Gemeint sind damit Schottergärten, die sich in heißen Sommern extrem aufheizen und Tieren keinen Lebensraum bieten.

Claudia und Arne Konder-Michelot aus Mehring in ihrem blühenden Vorgarten.
Claudia und Arne Konder-Michelot aus Mehring in ihrem blühenden Vorgarten.

Der Gewinnergarten der Familie Konder-Michelot hat sie und die Jury überzeugt wegen seiner Originalität und Diversität. Denn der Garten ist wie geschaffen, etlichen Lebewesen Nahrung und ein Zuhause zu geben.

Die Gärtner erzählen, dass am Gartenzaun immer wieder neugierige Touristen und Spaziergänger stehen bleiben und Fragen stellen über die etlichen Pflanzen.
Die Gärtner erzählen, dass am Gartenzaun immer wieder neugierige Touristen und Spaziergänger stehen bleiben und Fragen stellen über die etlichen Pflanzen.

Blüten in Hülle und Fülle

Im fast 120 Quadratmeter großen Vorgarten der Konder-Michelots wachsen über 50 verschieden Pflanzen. Hier blühen Anemonen, Sonnenhut, Rosen, Gladiolen, Margeriten, Eibisch, Stockrosen, Glockenblumen und etliche mehr. An ihnen laben sich die Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und sogar die große schwarze Holzbiene.

"Die Hummeln sind manchmal über und über mit Pollen bedeckt, als hätten sie darin gebadet."

"Die Hummeln sind manchmal über und über mit Pollen bedeckt, als hätten sie darin gebadet", sagt die Gärtnerin. Je mehr Pflanzen ein Garten beheimatet, desto mehr Tiere finden darin Nahrung.

Gemüse im Vorgarten

Nicht nur am Treppengeländer der Konder-Michelots reift Gemüse. Mitten in den Blumenbeeten wachsen Chilis oder Kürbisse. Daneben sprießen Kräuter von Lavendel bis Rosmarin.

Edeldisteln bieten viel Nektar für Hummeln und Co. und sind außerdem gut geeignet für Trockensträuße.
Edeldisteln bieten viel Nektar für Hummeln und Co. und sind außerdem gut geeignet für Trockensträuße. Bild in Detailansicht öffnen
Die Konder-Michelots sammeln jedes Jahr die Samen dieser orangen Zinnien in ihrem Garten, um sie im darauffolgenden Jahr wieder auszusäen.
Die Konder-Michelots sammeln jedes Jahr die Samen dieser orangen Zinnien in ihrem Garten, um sie im darauffolgenden Jahr wieder auszusäen. Bild in Detailansicht öffnen
Ein Meer aus Lavendel blüht im Sommer am Gartenzaun entlang.
Ein Meer aus Lavendel blüht im Sommer am Gartenzaun entlang. Bild in Detailansicht öffnen
Anemonen blühen nicht nur im Herbst. Es gibt auch Sorten, die im Frühjahr und im Sommer blühen. Als mehrjährige Staude sind sie unkomplizierte Blumen und sehr langlebig.
Anemonen blühen nicht nur im Herbst. Es gibt auch Sorten, die im Frühjahr und im Sommer blühen. Als mehrjährige Stauden sind sie unkomplizierte Blumen und sehr langlebig. Bild in Detailansicht öffnen
Auch Glockenblumen sind unkomplizierte Blumen. Sie gedeihen im Schatten wie auch in der vollen Sonne und bieten der Glockenblume-Scherenbiene ihre Hauptnahrungsquelle.
Auch Glockenblumen sind unkomplizierte Blumen. Sie gedeihen im Schatten wie auch in der vollen Sonne und bieten der Glockenblume-Scherenbiene ihre Hauptnahrungsquelle. Bild in Detailansicht öffnen

"Der Kürbis ist unserem Kompost entwachsen. Weil wir keinen Platz mehr im Gemüsegarten hatten, haben wir ihn hierhin gepflanzt", erzählt Claudia Konder-Michelot. Ihr Mann Arne ergänzt, dass das Mischen von Kulturen durchaus nützlich ist. Schädlinge haben es schwieriger, sich auszubreiten, wenn Nachbarpflanzen Nützlinge anziehen.

In diesem Beet schlängelt sich eine Kürbis-Pflanze an ein paar Prachtscharten, Zinnien und einem großen Rosmarin vorbei.
In diesem Beet schlängelt sich eine Kürbis-Pflanze an ein paar Prachtscharten, Zinnien und einem großen Rosmarin vorbei.

Der Garten ist komplett nach Süden ausgerichtet. Perfekt für Bäumchen wie Feige, Holunder und Aprikose. Sie liefern nicht nur Früchte, die von Claudia Konder-Michelot eingekocht werden, sondern auch Rückzugsmöglichkeiten für Vögel sowie Schatten für träge Nachbarskatzen. Apropos Früchte, auch die Himbeeren stehen im Vorgarten, direkt neben einem kleinen Tisch mit Stühlen. Perfekt zum sofortigen Naschen.

An der warmen Hauswand reifen die Himbeeren besonders gut. Auf Sitzhöhe kann man sie schnell wegnaschen.
An der warmen Hauswand reifen die Himbeeren besonders gut. Auf Sitzhöhe kann man sie schnell wegnaschen.

Ein Garten für Mensch und Tier ohne Chemikalien

Alles was übrig bleibt an Obst verzehren Vögel, Siebenschläfer, Igel, Wespen und die dicken Weinbergschnecken. Für sie sind auch reichlich Tränken im Garten platziert. Eine alte Suppenschüssel und paar bunte Steine hineinplatziert, schon ist die Bar eröffnet.

Upcycling im Garten: Eine alte Suppenschüssel mit Steinen darin dient als Tränke für Tiere. Auf einem Metallstab aufgereiht macht das Sammelsurium von unterschiedlichen Kugeln eine gute Figur.
Upcycling im Garten: Eine alte Suppenschüssel mit Steinen darin dient als Tränke für Tiere. Auf einem Metallstab aufgereiht macht das Sammelsurium von unterschiedlichen Kugeln eine gute Figur.

Damit es weiterhin kreucht und fleucht in ihrem Garten, werden nur natürliche Mittel eingesetzt. "Pestizide gibt es keine in unserem Garten. Wir setzen Brennnesselsud an, und wir haben Zwiebeln mit Knoblauch gekocht", sagt Claudia Konder-Michelot. Mit diesem Sud kann man Insekten bekämpfen. Oder mit Schmierseife mit Wasser. "Wir haben auch ganz viele Marienkäfer im Garten", sagt sie stolz, denn Marienkäfer verputzen ganz viele Läuse.

Zum Düngen benutzen die Gärtner eigenen Kompost aus ihren drei Komposthaufen. Brennesselsud stinkt zwar, aber auch als Dünger tut er ihnen gute Dienste.

Der Geheimtipp für den schönen Rasen

Die Gärtner erzählen, dass am Gartenzaun immer wieder neugierige Touristen und Spaziergänger stehen bleiben und Fragen stellen.
Die Gärtner erzählen, dass am Gartenzaun immer wieder neugierige Touristen und Spaziergänger stehen bleiben und Fragen stellen.

Die Gärtner haben einen Geheimtipp, der auch die Jury überzeugt hat, diesen Garten als Gewinner auszuwählen. Ihr Rasen bleibt das ganze Jahr über grün, ohne zu gießen und das bei voller Süd-Ausrichtung. "Es ist gar keine Wiese, es sind alles nur kleine Kräuter-Pflänzchen. Es sind Butterblumen, kleine Margeriten, Klee und lauter kleines Kraut, was hier wächst." 

Der Vorteil davon: Auch die Insekten haben etwas davon. Im Frühling blüht dieser vermeintliche Rasen förmlich auf. Und auch das Mähen können sich die Konder-Michelots sparen.

Gartendeko mit Upcycling

Alte Schlüssel hängen an einem Kuchenrost unter dem Pfirsischbaum. Die Konder-Michelots sammeln gerne alte Dinge, um sie im Garten auszustellen.
Alte Schlüssel hängen an einem Kuchenrost unter dem Pfirsischbaum. Die Konder-Michelots sammeln gerne alte Dinge, um sie im Garten auszustellen.

Als ob diese fast überbordende Vielfalt nicht genug wäre, verzaubert zusätzlich die geschmackvolle Gartendeko. "Ich habe die Ideen", sagt Claudia Konder-Michelot. "Und ich setze die Dinge um," ergänzt ihr Mann, Arne Konder-Michelot. "Dann schleife und bohre und hämmere ich alles zusammen, was wir so finden." So zieren Skulpturen aus aufgesteckten Keramikkugeln oder alten Fassreifen den Garten. Auch Totholz und Schieferplatten setzen die Gärtner in Szene.

"Das muss alles nicht so perfekt sein, das soll natürlich bleiben."

"Hier am Baum hängen gesammelte alte Schlüssel an einem Kuchenrost. Und das da hinten war mal ein Bettgestell. Das sind so kleine Deko-Akzente von allem Möglichem, was wir finden oder sehen, dann wird es in den Garten gebracht", sagt die Gärtnerin. Vielleicht liegt das Geheimnis dieses großzügigen Gartens in der Einstellung seiner Gärtner. "Das muss alles nicht so perfekt sein, das soll natürlich bleiben", sagen Claudia und Arne Konder-Michelot.

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Lara Bousch