Auf dem Hannenhof bei Wiersdorf gibt es seit sieben Jahren eine Milchtankstelle.

EU-Bürokratie auf dem Bauernhof

Landwirte in der Eifel sauer: Milch tanken nur noch mit Kassenbon

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Christian Altmayer
Foto von Christian Altmayer, Redakteur bei SWR Aktuell im Studio Trier

Eine EU-Richtlinie schreibt vor, dass Milchautomaten künftig Kassenbons drucken müssen. Landwirte ärgert das. Denn sie müssen die Geräte teuer umrüsten. Ein Beispiel aus Wiersdorf.

Ein Knopfdruck reicht. Schon sprudelt die Milch aus dem silbernen Automaten. Als Familie Theisen 2017 ihre Milchtankstelle in Wiersdorf eröffnet hat, war es eine der Ersten im Bitburger Land. Seitdem zapfen sich Einheimische und Touristen in dem schwarz-weiß-gefleckten Häuschen ihre Flaschen voll.

Die Milch stammt von den 60 Kühen aus ihrem Stall. "Die ist frisch, nicht verarbeitet", sagt Landwirtin Tini Theisen. Im Automat wird die Milch nur gekühlt und umgerührt. Für den Hannenhof, den Tini mit ihrem Mann Christian betreibt, ist das ein lukrativer Nebenerwerb. "Wir sind sehr zufrieden damit, wie unser kleiner Hofladen mit der Milchtankstelle läuft."

Tini Theisen hat mit ihrem Mann Christian vor sieben Jahren den ersten Milchautomaten im Bitburger Land eröffnet.
Tini Theisen hat mit ihrem Mann Christian vor sieben Jahren den ersten Milchautomaten im Bitburger Land eröffnet.

EU-Vorschrift: Automaten müssen Kassenbons ausdrucken können

Kürzlich bekam die Familie aber Besuch von Beamten des Landesamtes für Mess- und Eichwesen. Sie nahmen den Milchautomaten der Theisens genauer unter die Lupe und stellen dabei fest, dass das Gerät keine Kassenbons drucken konnte. "Danach hat uns auch noch nie ein Kunde gefragt", sagt Landwirtin Tini Theisen.

Der Automat kann jetzt Kassenbons drucken. So ein Drucker kostet zwischen 1500 und 3000 Euro.
Der Automat kann jetzt Kassenbons drucken. So ein Drucker kostet zwischen 1.500 und 3.000 Euro.

Doch das spielte für die Behörde keine Rolle. Denn die muss eine Richtlinie der Europäischen Union umsetzen. Demnach müssen die Automaten geeicht sein und Kassenbelege ausdrucken können. Die Vorschrift soll für Verbraucher sicherstellen, dass sie so viel Milch bekommen wie sie bezahlen, heißt es in Brüssel. Mit dem Bon bekommen Kunden das dann schwarz auf weiß.

Bauern legen wegen Richtlinie ihre Automaten still

Bauer Christian Theisen hält das für unnötige Bürokratie: "Das macht bei Benzin-Tankstellen Sinn, wo die Leute 50 Liter abzapfen. Aber hier geht es um kleinere Mengen. Das ist doch nicht mehr verhältnismäßig." Zumal so ein Bondrucker nicht gerade billig ist. 1.500 Euro hat der Betrieb dafür ausgegeben, den Automaten nachzurüsten - etwa so viel wie das Gerät in einem Monat abwirft. Je nach Hersteller können bis zu 3.000 Euro fällig werden.

"Das ist schon ein Batzen Geld, den muss man erstmal erwirtschaften", sagt Theisen. Im Schnitt zapfen die Kunden am Hannenhof 40 Liter Milch pro Tag. Viele andere Automaten in der Eifel kommen aber gerade einmal auf die Hälfte. In die Geräte zu investieren, rentiert sich also nicht für jeden. "Ich kenne Bauern, die deswegen ihre Automaten stillgelegt haben", meint der Landwirt. In Hersdorf, Rommersheim und Birgel zum Beispiel gibt es keine Milchautomaten mehr.

Hier kommt die Milch her: Christian Theisen kümmert sich um rund 60 Kühe auf seinem Hof.
Hier kommt die Milch her: Christian Theisen kümmert sich um rund 60 Kühe auf seinem Hof.

In Bayern: Keine Eichpflicht für Milchtankstellen

Rund 40 Milchtankstellen gibt es noch im Land, die meisten davon in der Eifel, im Hunsrück und der Pfalz. Das geht aus einer Antwort des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der Freien Wähler im Landtag hervor. 15 von ihnen hat das Landesamt für Eich- und Messwesen 2023 nach eigenen Angaben kontrolliert.

Die Milchtankstelle der Theisens ist mit ihren schwarz-weißen Kuhflecken in Wiersdorf kaum zu übersehen.
Die Milchtankstelle der Theisens ist mit ihren schwarz-weißen Kuhflecken in Wiersdorf kaum zu übersehen.

"Einige Landwirte haben aber schon zugemacht, bevor die Richtlinie inkraftgetreten ist", sagt Christian Theisen: "Die wollten die Prüfungen gar nicht abwarten." Was ihn besonders ärgert: Würde er in Bayern leben, müsste er seinen Automaten nicht nachrüsten. Dort sind Landwirte bis auf Weiteres von der EU-Vorschrift befreit. "Das ist ein klarer Wettbewerbsvorteil", findet der Bauer aus Wiersdorf.

Auch die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP) hatte 2022 auf Anfrage der Freien Wähler erklärt, das Land wolle beim Bund darauf hinarbeiten, den Direktvermarktern "mehr Eigenverantwortung und Flexibilität" einzuräumen. Diese Verhandlungen waren aber offenbar nicht erfolgreich.

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