Roger Lewentz (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Boris Roessler)

Ex-Innenminister kandidiert erneut

Pro & Contra: Sollte Roger Lewentz SPD-Landeschef bleiben?

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Dirk Rodenkirch
Dirk Rodenkirch  (Foto: ARD-Hauptstadtstudio/Jens Müller )
Christian Buttkereit

Seit 2012 ist Roger Lewentz Chef der rheinland-pfälzischen SPD. Sollte er wieder für das Amt kandidieren, obwohl er nach der Flutkatastrophe als Innenminister zurückgetreten ist? Das diskutieren unsere Landespolitischen Korrespondenten Christian Buttkereit und Dirk Rodenkirch.

Christian Buttkereit: Pro

Es ist völlig in Ordnung, wenn Roger Lewentz erneut als SPD-Landesvorsitzender antritt. Zurückgetreten ist er schließlich nicht, weil er als SPD-Chef Fehler gemacht hat, sondern wegen der Pannen während und nach der Ahr-Flut, die er als Innenminister zu verantworten hatte. Außerdem braucht ihn die SPD zurzeit noch: Würde jetzt ein neuer Parteivorsitzender oder eine Parteivorsitzende gewählt, würde das als Hinweis gedeutet, wer Malu Dreyer vor, bei oder nach der nächsten Landtagswahl als Regierungschefin oder -chef beerben sollte. Denn es ist sehr wahrscheinlich, dass Parteivorsitz und Spitzenkandidatur nach der Ära Dreyer/Lewentz wieder in einer Hand liegen. Doch jetzt die Spekulationen über eine Dreyer-Nachfolge anzuheizen, würde die Ministerpräsidentin schwächen, dem oder der neuen Parteivorsitzenden das Leben schwer machen und die Partei überfordern. Lewentz' letzter Dienst an der rheinland-pfälzischen SPD wird sein, die Weichen zu stellen für eine Zeit nach ihm und nach Malu Dreyer. Sein Rücktritt als Innenminister muss ihn daran nicht hindern.

SWR-Korrespondent Christian Buttkereit (Foto: SWR, SWR)
SWR-Korrespondent Christian Buttkereit

Dirk Rodenkirch: Contra

Wenn Roger Lewentz Parteichef bleibt, wird er für die Landes-SPD zum unkalkulierbaren Risiko. Auch wenn die Partei das lieber verdrängt. Denn in der SPD-Blase - neudeutsch Bubble - hat man sich entschlossen, nur das Gute zu sehen, was Lewentz für die Partei geleistet hat und ihn auch wieder zu wählen. Sein Rücktritt als Innenminister - wegen des missratenen Krisenmanagements rund um die Ahrflut  - wird dagegen runtergespielt. Von Kommunikationspannen ist dann die Rede, dass Lewentz bloß die Verantwortung für die Fehler anderer übernommen habe. Hier läuft die SPD Gefahr, den Umgang mit der größten Naturkatastrophe des Landes mit 136 Toten zu bagatellisieren. Ein zu hoher Preis, um einen - zweifellos verdienten - Parteisoldaten zu stützen. Der, im Falle seiner Wiederwahl als SPD-Landeschef, dauerhaft eine Angriffsfläche für die Opposition darstellen würde. Eine offene Flanke, die sich die rheinland-pfälzischen Sozialdemokraten ersparen sollten. 

Dirk Rodenkirch  (Foto: ARD-Hauptstadtstudio/Jens Müller )
Dirk Rodenkirch war vor seiner Zeit als Landespolitischer Korrespondent bei SWR Aktuell Online im ARD-Hauptstadtstudio in Berlin tätig.
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