Wasser aus Wasserhahn läuft in Glas (Foto: IMAGO, Thomas Trutschel)

Angst vor Keimen und Schadstoffen

Gefährdet Getränkehersteller das Grundwasser im Kreis Germersheim?

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Ulrike Brandt

Der Getränkehersteller MEG in Wörth fördert 1,7 Milliarden Liter Grundwasser im Jahr. Der Trinkwasser-Versorger hält das für gefährlich. Jetzt steht ein Kompromiss im Raum.

Mineralwasserflaschen des Lidl-Konzerns (Foto: SWR)
Mineralwasser in einem Lidl-Markt: Aus dem Wörther Werk stammt das "Saskia"-Wasser

Mit dem Etikett "Saskia Quelle Wörth am Rhein" vermarktet Lidl das Trinkwasser aus dem Werk des Getränkeherstellers MEG in Wörth – dort wird aus sechs Brunnen Grundwasser aus der Erde geholt, aufbereitet und abgefüllt. Die jährliche Fördermenge beläuft sich mittlerweile auf 1,7 Milliarden Liter pro Jahr.

Trinkwasserversorger aus Jockgrim sieht Gefahr für Trinkwasser

Dagegen lief der regionale Trinkwasserversorger - die Germersheimer Südgruppe - Sturm. Die große Sorge ist, dass Grundwasser durch die Entnahme verunreinigt werden könnte. Die zuständige behörde SGD Süd soll eine mögliche Verlängerung kritisch prüfen, sagt Karl Dieter Wünstel (CDU), Vorsteher des kommunalen Zweckverbandes und Verbandsbürgermeister in Jockgrim.

Denn es ist so: Das Wasser, das die Firma MEG nutzt und das Wasser, das bei den Menschen im südlichen Landkreis Germersheim als Trinkwasser aus dem Wasserhahn kommt, hat den gleichen Ursprung: es kommt aus ein und derselben Grundwasserschicht.

"Die Sorge vor Verunreinigung des Trinkwassers ist unsere Hauptsorge."

Wasserwerk Jockgrim (Foto: Zweckverband für Wasserversorgung Germersheimer Südgruppe)
Das Wasserwerk in Jockgrim: die "Germersheimer Südgruppe" versorgt rund 60.000 Menschen in der Südpfalz mit Wasser Zweckverband für Wasserversorgung Germersheimer Südgruppe

Trinkwasserversorger fürchtet, dass Trinkwasser verschmutzt wird

Je mehr Grundwasser entnommen werde, desto größer sei die Gefahr einer Verschmutzung durche eine sogenannte Druckumkehr: "Und dann können Schadstoffe und Verkeimungen in die darunterliegende, untere Grundwasserschicht eindringen, aus der wir das Trinkwasser fördern", erklärt Verbandsvorsteher Wünstel.

Nach Angaben der zuständigen Aufsichtsbehörde ist es seit dem Betrieb der Wörther Getränkefabrik einmal zu einer solchen Druckumkehr gekommen. Für den Trinkwasserversorger ist das einmal zu viel.

Mengen drosseln oder Produktion dauerhaft überwachen

Wünstel hatte vor allem zwei Forderungen. Um die Qualität des Trinkwassers sicher zu stellen, müsse seiner Meinung nach entweder die Entnahmemenge wieder reduziert werden. Oder es müssten zumindest die Druckverhältnisse dauerhaft überwacht werden, um dann bei kritischen Druckverhältnissen "die Fördermenge zu drosseln."

Wörth: Mineralwasser-Versorger für Lidl wehrt sich

Der Getränkehersteller MEG, für den rund 250 Menschen in Wörth arbeiten, wehrt sich. Auf SWR-Anfrage schreibt die Schwarz Produktion Stiftung & Co. KG, zu der die Firma MEG gehört: "Die Entwicklung der Grundwasserstände im Umfeld der Brunnen der MEG Wörth wird von uns bereits seit Beginn der Förderung durch ein umfassendes Grundwassermonitoring kontinuierlich überwacht und regelmäßig an die zuständige Wasserbehörde gemeldet. Ein maximaler Schutz der öffentlichen Trinkwasserversorgung ist damit sichergestellt."

"Ein maximaler Schutz der öffentlichen Trinkwasserversorgung ist damit sichergestellt."

Trinkwasserstreit: Kompromiss gefunden?

Am Montag trafen sich beide Parteien zu einem Gespräch bei der zuständigen Landes- und Wasserschutzbehörde SGD Süd in Neustadt an der Weinstraße. Auch zwei Experten waren dabei - denn jede Seite hatte ein eigenes Grundwasser-Gutachten erstellen lassen. Wie eine Sprecherin der SGD Süd auf SWR-Anfrage mitteilte, habe man sich bei dem Treffen auf einen Kompromiss geeinigt.

Der Vorschlag sehe eine zeitliche Erhöhung der Entnahmemengen vor - also die Firma darf mehr Grundwasser nutzen, aber nur für einen bestimmten Zeitraum. Eine Deadline, ob und wann die Mengen gedrosselt werden müssen, gibt es allerdings noch nicht. Zunächst müsse die weitere Vorgehensweise abgestimmt werden.

Mineralwasserflaschen des Lidl-Konzerns (Foto: SWR)

"Hohe Wasserentnahme und Klimawandel verstärken sich gegenseitig"

"Eine Druckumkehr ist nicht gut, weil das zeigt, dass das Grundwasser verletzlicher wird und wir weniger Wasser da haben", sagt Grundwasserökologe Hans Jürgen Hahn von der Landauer Universität. Hahn hat unter anderem die ARD-Mitmachaktion "Unser Wasser" wissenschaftlich begleitet.

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