Männer gehen auf einem Weg zu einer Aufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Christoph Schmidt)

Weltflüchtlingstag

So geht es Geflüchteten in der Vorder- und Südpfalz

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Am 20. Juni ist Weltflüchtlingstag - er erinnert daran, dass Millionen Menschen gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen. Hier erzählen einige von ihnen, die inzwischen in der Pfalz leben.

Mahmod Hagkorban (29) aus Syrien

Mahmod Hagkorban (Foto: privat)
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Ich habe mein Heimatland Syrien bereits 2012 verlassen. Ich sollte zum Militär eingezogen werden - aber für das Assad-Regime wollte ich niemals kämpfen! Über einige Umwege bin ich 2016 in Deutschland gelandet - in der Südpfalz. Seit sechs Jahren bin ich hier und ich fühle mich inzwischen sehr wohl. Am Anfang dachte ich, dass ich hier nicht so viele Chancen haben werde. In Syrien habe ich Tourismus studiert und mir wurde sehr schnell klar, dass ich das in Deutschland nicht wirklich weitermachen kann.

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Vom Tourismusführer in Syrien zum "Kundenführer"

Ich habe relativ schnell Deutsch gelernt und 2019 mit meiner Ausbildung zum Verkäufer begonnen. Von meinem Betrieb wurde ich sofort übernommen und bin dort heute sogar Abteilungsleiter! Das war vielleicht nicht meine Traumvorstellung - aber ich merkte schnell, dass ich sehr gerne mit den Kundinnen und Kunden zu tun habe, außerdem liebe ich Lebensmittel. Ich bin jetzt kein "Tourismusführer", sondern "Kundenführer" im Supermarkt und das macht mir Freude. Ich kann inzwischen schon ein bisschen Pfälzisch und verstehe sehr gut, wenn mich jemand fragt, wo die "Grumbeere" sind.

Atefe Yartabar (35) aus Iran

Atefe Yartabar (Foto: privat)
privat

2016 bin ich mit meiner kleinen Familie aus dem Iran hierher nach Deutschland gekommen. Im Iran haben wir uns nicht frei gefühlt. Der strenge Islam war nichts für uns. Wir wollten zum Christentum konvertieren. In Deutschland angekommen, haben wir schnell Kontakt zu einer evangelischen Kirchengemeinde bekommen. Inzwischen sind wir, mein Mann, mein Sohn und ich auch getauft. Wir konnten das hier selbst entscheiden - niemand bestimmte über uns und das ist wirklich sehr schön! Wir gehen gerne zu Veranstaltungen der Kirchengemeinde und haben hier auch viele Leute kennengelernt.

Kaiserslautern

Zum Weltflüchtlingstag So klappt die Integration von Flüchtlingen aus der Ukraine im Westen der Pfalz

Heute ist der Weltflüchtlingstag. Grund genug, auf die Integration der Tausenden Flüchtlinge zu schauen, die aus der Ukraine in die Westpfalz gekommen sind. Die Kommunen ziehen eine positive Bilanz der Integration.  mehr...


Im Iran war ich immer daheim in der Wohnung - hier habe ich eine Arbeit, die mir sehr viel Spaß macht. Ich bin in einem Bioladen in Bad Bergzabern angestellt, habe dort einen festen Vollzeitvertrag. Ich gehe sehr gerne zur Arbeit und habe guten Kontakt zu meinen Kolleginnen und Kollegen.

"Ich liebe die Freiheit, die ich in Deutschland habe"


Ich fühle mich hier als Frau sehr sicher - auch wenn ich in der Dunkelheit unterwegs bin, muss ich keine Angst haben. Im Iran war das ganz anders. Dort hätte ich nie alleine rausgehen können. Die Freiheit, die ich hier habe, liebe ich sehr. Wenn ich an meine Heimat denke, dann vor allem an die Menschen meiner Familie, die noch dort sind. Ihnen geht es im Iran nicht gut - ich mache mir jeden Tag Sorgen um sie.


"Ich fühle mich hier als Frau sehr sicher."

Yuliia Dzhulai (26) aus der Ukraine

Yuliia Dzhulai (Foto: privat)
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Ich habe im März 2022 meine Heimatstadt Kiew verlassen, meine Arbeit und meine Familie. Als der Krieg in der Ukraine begann, haben wir zunächst versucht, uns außerhalb der Stadt in Sicherheit zu bringen. Doch auch da fühlten wir uns nicht sicher. Ständig hörten wir die Explosionen und Bombeneinschläge. Zwei Tage habe ich gebraucht, bis ich in Rumänien war. Dort wollte ich nicht bleiben. Ich wollte nach Deutschland, weil ich da Freunde habe. Ich war mir sicher, dass sie mir helfen werden.

Ukraine-Geflüchtete: Die Nachrichten verfolgen mich


Jetzt lebe ich also in Bad Bergzabern. Mein erster Gedanke war: Es ist so ruhig und still hier, man kann sogar die Vögel singen hören. In den ersten Wochen konnte ich aber noch nicht wirklich zur Ruhe kommen hier. Die Nachrichten aus meiner Heimat verfolgten mich. Ich erfuhr dann auch noch, dass eine Rakete das Wohnhaus getroffen hatte, in dem ich lebte. Im Moment weiß ich nicht so recht, was ich tun soll - irgendwie befinde ich mich in einem Schwebezustand. Ich frage mich, wohin soll ich? Soll ich hierbleiben, oder wieder zurückgehen, wie einige meiner Bekannten?


Mein Wunsch ist es, so schnell wie möglich wieder als Architektin zu arbeiten. Wenn ich dazu hier in Deutschland die Chance bekommen würde, natürlich auch gerne hier. Aber ich vermisse meine Heimat, meine Eltern - habe schon viele Tränen geweint. Jetzt versuche ich weiterzumachen, ich möchte meine psychische Gesundheit behalten.

Aisha Yabaro (38) aus Somalia

Aisha Yabaro (Foto: privat)
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Ich stamme aus Mogadischu, der Hauptstadt von Somalia. Dort habe ich im Restaurant meiner Mutter gearbeitet. 2011 gab es einen Bombenanschlag auf unser Restaurant. Dabei sind mein Bruder und mein Onkel ums Leben gekommen. Ich selbst wurde an den Beinen verletzt. Meine Angst war sehr groß und so beschloss ich, meine Heimat zu verlassen. Weil ich wusste, dass die Flucht sehr gefährlich werden wird, habe ich meine drei Kinder bei meiner Mutter in Mogadischu gelassen.

"Ich habe Schlimmes erlebt, aber darüber kann ich bis heute nicht sprechen."

Mein Weg nach Europa war sehr schwer. Ich habe Schlimmes erlebt, aber darüber kann ich bis heute nicht sprechen. Seit sechs Jahren bin ich nun in Deutschland, lebe in einer kleinen Stadt in der Pfalz. Zunächst habe ich mich mal über die vielen alten Menschen hier gewundert. So ist das bei uns in Somalia nicht.

Ich habe hier in Deutschland noch einmal zwei Mädchen bekommen. Es ist so schön zu wissen, dass sie hier in Frieden und ohne Angst aufwachsen können! Schlimm ist, dass ich meine Kinder aus Somalia nicht hierherholen darf. Dazu habe ich nicht den richtigen Aufenthaltstitel. Die Gesetze verbieten, dass ich meine Kinder kommen lasse. Ich muss eine Arbeit finden, mit der ich uns alle versorgen kann - ohne Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ob ich das schaffen werde, weiß ich nicht. Wahrscheinlich werde ich nicht so viel Geld verdienen können, dass es reicht. Aber sobald meine jüngste Tochter zum Kindergarten geht, werde ich loslegen. Ich will arbeiten und träume immer davon, dass wir hier alle zusammen leben können.

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