
Der Bildhauer Bernhard Mathäss sagte dem SWR, sei froh, die Reißleine gezogen zu haben. Zuletzt habe es im Ort immer mehr Kritik an seinem Mahnmal-Entwurf mit Steinplatte und Gedenktafel gegeben. Er spüre, dass das Denkmal "nicht gewollt" sei. Aus eigenem Engagement habe er kostenfrei einen Entwurf erstellt, jetzt gebe es nur noch Ärger.
Ein tiefer Riss geht beim Thema Mahnmal durch den Ort
Die Diskussionen in Neustadt-Geinsheim über das Mahnmal dauern schon fast drei Jahre. In den vergangenen Wochen hat sich der Streit aber weiter zugespitzt. Ortsvorsteherin Sabine Kaufmann (FWG) spricht von grundlegenden Differenzen zwischen ihrer FWG-Fraktion und CDU/SPD im Ortsbeirat. Ihre Partei sei gegen den von den Christdemokraten vorgeschlagenen Mahnmal-Standort in der Ortsmitte, auf dem Platz der Ortsverwaltung.

Dort in der Nähe vor der Kirche stehe schon ein Kriegerdenkmal und würde man das Opferdenkmal dort platzieren, dann sei das "nicht passend“. Sabine Kaufmann schlägt vor, einen neuen Standort zu suchen, beispielsweise am Standort der ehemaligen Synagoge.
Vom Rückzug von Bildhauer Bernhard Mathäss aus dem Projekt habe sie jetzt über Zeitung und soziale Medien erfahren. Es stimme nicht, dass sie das Denkmal nicht wollten, so die Ortsvorsteherin.
Große Enttäuschung bei CDU und Heimatverein Geinsheim
Der Heimatverein in Neustadt-Geinsheim wird von CDU-Männern aus dem Ortsbeirat angeführt. Das Mahnmal-Projekt seit von ihnen seit Jahren vorangetrieben worden, erklärte der zweite Vorsitzende Karl Linnenfelser (CDU). Flyer wurden verteilt und Spenden gesammelt: für die Realisierung des Projekts stünden schon mehr als 6.000 Euro zur Verfügung. Erst seit etwa anderthalb Jahren gebe es unterschiedliche Meinungen über die Umsetzung. "Allmählich platzt einem der Kragen“, so Linnenfelser. Die FWG sage einfach "das Mahnmal stellen wir irgendwohin“. Eine Abstimmung im Ortsbeirat sei mehrfach verschoben worden. Der Künstler habe so viel Herzblut in das Projekt gesteckt.
Nach Angaben von CDU und FWG waren bisher alle Vermittlungsversuche Außenstehender erfolglos. Auch der Neustadter Oberbürgermeister Marc Weigel (FWG), der in Geinsheim aufgewachsen ist, sei schon zu Gesprächen im Ort gewesen.