Schulranzen stehen in einer Grundschule vor einem leeren Klassenzimmer. (Foto: dpa Bildfunk, Arne Dedert)

Landtagsdebatte um Ludwigshafener Grundschule

Ampelregierung in RLP weist Verantwortung für Lage an Gräfenauschule zurück

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Dirk Rodenkirch
Dirk Rodenkirch  (Foto: ARD-Hauptstadtstudio/Jens Müller )

Die Ampel-Koalition hat im Landtag Vorwürfe zurückgewiesen, sie sei für Probleme wie an der Ludwigshafener Gräfenauschule verantwortlich. Dort müssen wohl 40 Kinder die erste Klasse wiederholen.

Laut CDU gibt es viele Schulen in Rheinland-Pfalz, die mit ähnlichen Problemen wie die Gräfenau-Grundschule im Ludwigshafener Stadtteil Hemshof zu kämpfen haben. Dort wird voraussichtlich rund ein Drittel der Erstklässler nicht den Aufstieg in die zweite Klasse schaffen. Die Kinder an den betroffenen Schulen könnten wegen der Bildungspolitik der Landesregierung nicht adäquat gefördert werden, so die CDU-Bildungsexpertin Jenny Groß. Sie forderte unter anderem verbindliche Sprachtests für alle Kinder vor der Einschulung, mehr Sozialarbeiter sowie bessere Sprachförderung in Grundschulen und Kitas.

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Köbler: Leistung von Schulstartern ist nicht Ergebnis von Bildungspolitik

"Das, was sie hier tun, ist unfair gegenüber unseren Schulen in Rheinland-Pfalz", entgegnete Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) in der hitzigen Debatte. Die geforderte Sprachförderung gebe es bereits. Daniel Köbler von den Grünen sagte, wenn Kinder mit fünf, sechs oder sieben Jahren in die Schule kämen, könne man nicht sagen, deren Leistung sei Ergebnis der Bildungspolitik der Landesregierung. So seien viele betroffene Kinder der Gräfenau-Grundschule gar nicht in der Kita gewesen. Der FDP-Abgeordnete Marco Weber ergänzte, der Fall Gräfenau zeige, wie vielfältig die Bildungslandschaft sei.

Nach Angaben der Grundschule haben dort 98 Prozent der Schülerinnen und Schüler einen Migrationshintergrund. Viele von ihnen beherrschten nicht die deutsche Sprache. Nach Angaben der Schulleiterin kommen außerdem viele Kinder aus bildungsfernen Schichten.

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AfD: Leistungsniveau sinkt durch Migranten

Der AfD-Fraktionsvorsitzende Michael Frisch vertrat die Haltung, dass das Leistungsniveau durch die Zahl der Migranten an den rheinland-pfälzischen Schulen signifikant sinke. Er sprach zudem von falschen bildungspolitischen Weichenstellungen. So sei "die Abschaffung der Hauptschule ein großer Fehler".

Vielen Schülerinnen und Schülern in Rheinland-Pfalz fehlten offenbar die sprachlichen Kompetenzen, um am Unterricht teilhaben zu können, so Helge Schwab von den Freien Wählern. Er forderte mehr individuelle Sprachförderung. "Ohne Deutschkenntnisse können Schüler Unterricht nicht folgen", so Schwab. Nötig sei auch eine verpflichtende Schulvorbereitungszeit von anderthalb Jahren, um Sprachdefizite beheben zu können.

SPD denkt über frühere Sprachtests nach

Die SPD-Landtagsfraktion erwägt inzwischen frühere Sprachtests vor der Grundschule, um Kinder zielgenau fördern zu können. "Wir wollen prüfen, ob die Sprachstandsfeststellungen schon 1,5 Jahre vor der Einschulung möglich sind", sagte SPD-Fraktionschefin Sabine Bätzing-Lichtenthäler schon vor der Landtagssitzung. Derzeit seien diese ein knappes Jahr vor Schulbeginn.

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Die Stadt Ludwigshafen ist der Ansicht, dass es sich bei den Problemen an der Gräfenauschule um gesamtgesellschaftliche Herausforderungen handelt, bei denen insbesondere die Landes- und die Bundespolitik gefragt seien. Um die Bildungssituation an der Schule konkret zu verbessern, wird der städtische Jugendhilfeausschuss über ein sogenanntes Familiengrundschulzentrum beraten, das gezielt Eltern und Kinder unterstützen soll.

Mainz

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