Beim Müllsammeln im Ahrtal finden Helfer auch immer wieder besondere Stücke (Foto: SWR)

Suche nach den Besitzern

Müllsammeln an der Ahr: Helfer finden verlorene Schätze

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AUTOR/IN
Ursula Barzen

Auch sieben Monate nach der Flutkatastrophe sammeln Freiwillige im Ahrtal regelmäßig Müll entlang der Ahr. Dabei entdecken sie unter all dem Dreck auch sehr persönliche Dinge und beginnen mit viel Detektivarbeit die Suche nach den Besitzern.

Fluthelferin Christa Limbach ist aus Köln ins Ahrtal gekommen. Hier trifft sie sich mit 15 anderen Helfern und Helferinnen zum Müllsammeln an der Ahr, diesmal in Bad Bodendorf. Containerweise haben sie hier schon Metallzäune, Türen oder Benzinkanister herausgeholt. Aber auch viele kleine, ganz persönliche Dinge waren dabei. Wie der Teddy von Maria aus Altenburg, den sie einen Monat nach der verheerenden Flut im Ahrtal gefunden habe, erzählt Christa Limbach.

"Der Bagger kam schon, da hab ich gesagt, so einen Teddy, den kann man doch nicht einfach entsorgen."

Der Teddy habe oben auf einem Müllhaufen gelegen. Offenbar hatte ihn jemand gefunden und zum Entsorgen auf den Müllberg gelegt. Christa Limbach entdeckte den Plüschbären gerade noch rechtzeitig: "Der Bagger kam schon, da hab ich gesagt, so einen Teddy, den kann man doch nicht einfach entsorgen", erinnert sich Christa Limbach.

Teddybär in Facebook-Gruppe für verlorene Kuscheltiere eingestellt

Die Kölnerin nahm den Teddy mit nach Hause. Das Plüschtier war völlig verschlammt und mit Heizöl beschmiert. Sie machte ihn sauber und setzte ein Foto in die Facebookgruppe "Schnuffi und Co. - sehnlichst vermisst", um den Besitzer oder die Besitzerin zu finden. Die Facebookseite hilft dabei, verlorene Kuscheltiere wiederzufinden.

Die Helfer und Helferinnen würden beim Müllsammeln an der Ahr immer wieder verloren gegangene Familienstücke entdecken, sagt Johanna Geuer, die die Sammelaktionen mit plant und durchführt. Sie selbst habe erst kürzlich, auch bei Bad Bodendorf, eine selbstgeschnitzte Holzfigur - einen Mann mit Spazierstock - gefunden und ein Fotoalbum.

Puppe aus dem Schlamm im Ahrtal gerettet

Als ihr einmal beim Müllsammeln zwei Augen aus dem Schlamm entgegen geblickt hätten, habe sie sich total erschrocken und im ersten Moment gedacht, da könnte ein Baby liegen. Es war aber nur eine total verschlammte Puppe, die Johanna Geuer mit nach Hause nahm, um sie zu waschen. Ihre Stiefmutter habe noch ein Kleidchen genäht, erst dann habe sie versucht, über die sozialen Medien wie Facebook und Instagram den Besitzer oder die Besitzerin zu finden - bisher ohne Erfolg.

Eine Puppe, die Fluthelfer bei Aufräumarbeiten entdeckt haben (Foto: Privat)
Fluthelferin Johanna Geuer nahm die Puppe mit nach Hause, wusch sie und verpasste ihr sogar ein neues Kleid. Privat Bild in Detailansicht öffnen
Komplett verdreckt fanden die Müllsammler diese Puppe. Privat Bild in Detailansicht öffnen
Auch dieses Fotoalbum tauchte während der Aufräumarbeiten an der Ahr auf. Bild in Detailansicht öffnen
Ein einlaminiertes Gedicht über die Freundschaft gehört ebenso zu den Fundstücken der Müllsammler. Bild in Detailansicht öffnen
Bei Bad Bodendorf stießen die Müllsammler auf eine selbstgeschnitzte Holzfigur - einen Mann mit Spazierstock. Bild in Detailansicht öffnen

Mehr Erfolg hatte Johanna Geuer dagegen mit einer kleinen Holzkiste, die sie in Marienthal fand. In der Kiste waren mehrere USB-Sticks, auf denen Daten gespeichert waren. Zum Teil waren sie sogar auch noch lesbar. Mit viel Detektivarbeit habe sie den Besitzer aus dem Ahrtal ausfindig gemacht. Der Mann hatte bei der Flut sein Haus verloren und habe sich riesig über die Daten gefreut, weil auch wichtige Unterlagen und Fotos dabei waren. Die wären sonst für immer verloren gewesen.

Gedicht über die Freundschaft

Isabel Haunhorst von den Ahrlotsen hat bei einer Müllsammelaktion vor Kurzem ein in Folie geschweißtes Gedicht gefunden, in dem es um Freundschaft geht. Die Helferin vermutet, dass das Gedicht mal eine Hausaufgabe war. Wer es geschrieben hat - sie weiß es nicht. Auch hier versucht Isabell Haunhorst über die sozialen Medien fündig zu werden. Bisher hat sich noch niemand gemeldet.

Helferin Christa Limbach dagegen hatte Glück. Ihr Teddybärfoto wurde auf Facebook hundertfach geteilt. Im Januar meldete sich bei ihr Maria aus Altenburg. Die ältere Frau hat auf Facebook ihren Teddy wieder erkannt und sich riesig gefreut: Den Bären hatte sie vor 15 Jahren selbst genäht.

"Das war schon bewegend, da habe ich auch ein Tränchen verdrückt."

Die Kölnerin verabredete sich mit Maria und besuchte sie in einem Ferienhaus, denn ihr Haus im Ahrtal war nach der Flutkatastrophe abgerissen worden. Die Frau habe bei der Flut alles verloren, nun habe sie wenigstens ihren alten Teddy wieder, sagt Christa Limbach. "Das war schon bewegend, da habe ich auch ein Tränchen verdrückt."

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