Zahlreiche Euro-Geldscheine und ein Stempel mit dem Aufdruck "Erbschaft" (Foto: IMAGO, IMAGO / Steinach)

Pilot-Projekt zum Thema Chancengleichheit

Stiftung verlost in Koblenz Erbschaft über 20.000 Euro

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AUTOR/IN
Pia Nicoley

Die Schere zwischen Arm und Reich geht auseinander. Eine Stiftung verlost drei Mal 20.000 Euro "Grunderbe" - am Dienstag auch eins in Koblenz.

Es klingt ziemlich verrückt: Eine Erbschaft über 20.000 Euro? Einfach so? Doch genau das soll am Dienstagabend passieren. Dann verlost die Stiftung "Ein Erbe für jeden" in der Koblenzer Kulturfabrik das sogenannte "Grunderbe" an eine Gewinnerin oder einen Gewinner.

Etwa 30 Bewerbungen seien in Koblenz eingegangen, sagt Sebastian Prüm dem SWR. Er ist der Sohn des Stiftungsgründers Christian Prüm.

Je ein Grunderbe in Koblenz, Gütersloh und Hamburg

In Hamburg hätten sich mehr als 120 Menschen um das Grunderbe beworben, in Gütersloh sogar mehr als 400. Bis Dienstag 24 Uhr laufe die Bewerbungsfrist für Koblenz, so Sebastian Prüm weiter. Wer Jahrgang 1991 ist, mit seinem Hauptwohnsitz in Koblenz gemeldet ist und noch nichts geerbt hat in seinem Leben, kann mitmachen.

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"Ist es gerecht, dass ein Mensch, der als armer Leute Kind auf die Welt kommt, praktisch von Geburt an Miete und Zinsen zahlen muss", fragt Sebastian Prüm von der Stiftung "Ein Erbe für Jeden". Und vielleicht zahle derjenige sogar Miete an einen Gleichaltrigen, der diesen Wert nicht selbst im Leben erschaffen habe, sondern lediglich reiche Eltern habe.

"Ist es gerecht, dass ein Mensch, der als armer Leute Kind auf die Welt kommt, praktisch von Geburt an Miete und Zinsen zahlen muss?"

20.000 Euro Erbe: Stiftung will Diskussion

Die Stiftung will nach eigenen Angaben mit ihrem Pilot-Projekt auch einen Anstoß für eine Diskussion über soziale Ungleichheit geben, sagt Sebastian Prüm. Er selbst habe von seinen Eltern als junger Mann ein solches "Grunderbe" bekommen: Ich habe deshalb freier als andere entscheiden können, was ich mit meinem Leben machen will." Mit dem Projekt wollen der Stiftungsgründer und seine Mitstreiter die soziale Ungleichheit bekämpfen.

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Das sogenannte "Grunderbe" ist an Bedingungen geknüpft: Man muss es zunächst drei Jahre lang anlegen, bevor man es bekommt. Und man darf es nicht für den bloßen Konsum ausgeben und sich etwa ein Auto kaufen, erklärt Sebastian Prüm. "Die Gewinner sollen sich an den Gedanken gewöhnen, etwas zu besitzen."

"Wer nichts hat, der kann nur schwer etwas zurücklegen und ein Vermögen aufbauen."

Ostbeauftragter der Bundesregierung für Grunderbe

Auch der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider (SPD), findet das Grunderbe "eine sehr spannende Idee", staatlicherseits allen 18-Jährigen 20.000 Euro auszuzahlen. "Ein solches Grund-Erbe könnte über eine höhere Erbschaftssteuer der oberen zehn Prozent finanziert werden"», sagt er. "Die Ungleichheit wächst von Generation zu Generation, was weniger am aktiven Einkommen liegt als am Vermögenszuwachs. Wer nichts hat, der kann nur schwer etwas zurücklegen und ein Vermögen aufbauen."

Zugleich würden in Deutschland Millionenerbschaften zu gering besteuert, kritisiert der SPD-Politiker. "Wir laufen Gefahr, dass sich eine Rentiersgesellschaft, die von Erbschaften lebt, von der normalen Arbeitsgesellschaft abkoppelt." Eigentum zu bilden, sei für einen Großteil der Bevölkerung nicht mehr möglich, gerade in den Metropolen. Ein Grunderbe wäre aus seiner Sicht "ein interessantes Instrument, um diese Entwicklung aufzuhalten und die Startchancen ins Berufsleben etwas gerechter zu gestalten".

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