Beipackzettel landen meistens ungelesen im Müll. Deshalb will die Firma Sebapharma in Boppard künftig bei ihren Hautpflegeprodukten darauf verzichten.

Firma will Kosten sparen und den Wald schonen

QR-Code statt Papier: Sebapharma in Boppard verzichtet auf Beipackzettel

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AUTOR/IN
Ursula Barzen

Die Firma Sebapharma in Boppard verzichtet bei ihren Pflegeprodukten auf den Beipackzettel. Das schont nach Angaben des Unternehmens nicht nur den Wald, sondern verringert auch die Kosten.

Beipackzettel von Shampoos, Körperlotionen oder Hautcremes werden nur selten gelesen und landen ganz schnell im Müll. Dies habe eine Umfrage der Firma Sebapharma bei den Konsumenten ergeben, sagt der Leiter Global Marketing, Udo Klüwer. Das Familienunternehmen Sebapharma habe daraus Konsequenzen gezogen und verzichte nun bei seinen Körperpflegeprodukten komplett auf den Beipackzettel.

Weniger Papier schont den Wald

Etwa 7,6 Millionen Beipackzettel könnten so eingespart werden, sagt Klüwer. Und das bedeute weniger Druckerfarbe, weniger Papier und damit auch weniger abgeholzte Bäume. Genauer gesagt, rund 335 Tonnen Holz werden laut Unternehmen weniger für die Papierherstellung verbraucht. Das entspricht in etwa 150 großen Fichten, also einem kleinen Wäldchen, das erhalten bleibt.

"Da reden wir tatsächlich über eine sechsstellige Summe, die wir einsparen."

So sollen nicht nur Ressourcen geschont werden, das Unternehmen spare auch Produktionskosten. Zum einen Materialkosten, sagt Klüwer, aber auch Fertigungskosten. "Da reden wir tatsächlich über eine sechsstellige Summe, die wir einsparen."

Sebapharma in Boppard verzichtet bei ihren Pflegeprodukten aus Nachhaltigkeitsgründen auf Beipackzettel. Die Informationen können stattdessen über einen QR-Code abgelesen werden.
Sebapharma in Boppard verzichtet bei ihren Pflegeprodukten aus Nachhaltigkeitsgründen auf Beipackzettel. Die Informationen können stattdessen über einen QR-Code gelesen werden.

QR-Code ersetzt den Beipackzettel

Statt des Beipackzettels ist auf der Tube oder Pappschachtel ein QR-Code aufgedruckt. Dieser kann mit einem Smartphone gescannt werden und er liefert die Infos, die ansonsten auf den Packzetteln stehen. Also meist weitere Informationen zu der Produktserie oder zum Nachhaltigkeitskonzept der Firma.

Wenn das Weglassen des Beipackzettels schon so einen großen Effekt hat, warum nicht gleich auf die ganze Packschachtel verzichten? Das Problem ist, sagt die Marketingexpertin und Direktorin des Instituts für marktorientierte Unternehmensführung an der Universität Mannheim, Sabine Kuester, dass bestimmte Informationen auf der Verpackung stehen müssen, dies schreibe der Gesetzgeber vor. Wenn das zuviele Informationen sind, passen sie aber nicht mehr auf die Tube oder die Plastikdose und müssen auf die Packschachtel.

Außerdem, so Kuester, können Produkte mit Schachteln besser gelagert und transportiert werden und sie seien so besser geschützt. Auch emotional würden die Kunden durch die Verpackung angesprochen, beispielsweise durch das Design oder die Haptik.

"Papierherstellung braucht viel Wasser, braucht Chemikalien, ich habe am Ende belastetes Abwasser."

Firma Sebapharma plant komplett auf Packschachteln zu verzichten

Was aus Marketinggründen gut für die Kunden ist, schadet aber der Umwelt. Um Papier herzustellen brauche man zwar weniger Energie als für die Herstellung von Kunststoff, sagt Umweltredakteurin Alice Thiel-Sonnen vom SWR. "Aber Papierherstellung braucht viel Wasser, braucht Chemikalien, ich habe am Ende belastetes Abwasser."

"Ich glaube, wir stehen hier in vielen Sachen noch am Anfang."

Die Firma Sebapharma legt nach eigenen Angaben viel Wert auf Nachhaltigkeit. Aus Umwelt- und Kostengründen soll deshalb künftig auch auf die Packschachteln verzichtet werden, jedenfalls da, wo es geht, sagt Udo Klüwer. Auch die Plastikverpackungen sollen besser recyclebar und Klebstoffe oder Etiketten umweltschonender werden.

"Aber man kann nicht alles gleichzeitig machen", sagt Klüwer. "Ich glaube, wir stehen hier in vielen Sachen noch am Anfang. Da ist noch viel Raum für neue Ideen und die Industrie, die uns die entsprechenden Packmittel liefert, ist ja auch gefordert, hier neue und interessante Ansätze zu liefern."

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Ursula Barzen