Polizisten im Einsatz bei Kusel. Die Polizeigewerkschaften sehen die Zeit für die Aufarbeitung der Gewalttat noch nicht gekommen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

Prozess um getötete Polizisten im Kreis Kusel

Hauptangeklagter Wilderer sagt jetzt doch selbst aus

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Zu Prozessbeginn am Landgericht Kaiserslautern um die tödlichen Schüsse auf zwei Polizisten im Kreis Kusel hat der Hauptangeklagte geschwiegen. Am dritten Prozesstag hat sich Andreas S. doch selbst zur Tatnacht geäußert. Das Magazin "Stern" berichtet, dass er die Schüsse angekündigt haben soll.

Andreas S. schildert die Ereignisse auf der Kreisstraße bei Ulmet im Kreis Kusel in der Tatnacht Ende Januar sehr detailreich. Er sei durch den Polizeibeamten dazu aufgefordert worden, seine Papiere vorzuzeigen. Plötzlich seien Schüsse gefallen. Andreas S. will dann in der Hektik selbst mehrere Schüsse abgegeben haben. Dabei habe er mehrfach gerufen: "Hör auf zu schießen!"

Erst später sei ihm (Andreas S.) aufgefallen, dass er einen der beiden Polizisten getroffen hatte. Andreas S. sagte am Dienstag vor dem Landgericht Kaiserslautern weiter aus, dass der ebenfalls angeklagte Florian V. währenddessen mit einer Schrotflinte auf der nahegelegenen Wiese gewesen sei.

Hauptverdächtiger schluchzt während der Aussage

Wie die Polizeibeamtin erschossen wurde, habe er nicht genau mitbekommen, sagt Andreas S. während seiner rund zwei Stunden langen Einlassung, die gelegentlich von Schluchzen unterbrochen wird. Er habe gerade den Kastenwagen gedreht und gehalten, damit sein mutmaßlicher Komplize Florian V. einsteigen konnte. Da habe er einen lauten Schuss gehört. Daraufhin sei er ausgestiegen und habe den Mitangeklagten mit der Schrotflinte in der Hand vor dem Zivilfahrzeug der Polizei stehen sehen. Als er realisiert habe, dass da eine Polizistin am Auto gelegen habe, habe er (Andreas S.) sich bekreuzigt.

Die Anwälte von Florian V., dem zweiten Angeklagten, geben an, dass auch er noch selbst aussagen will. Allerdings sollten erst alle Zeugen und Gutachter gehört werden.

Dritter Prozesstag: Schüsse im Fokus

Vor der Aussage des Hauptangeklagten ging es dem Gericht vor allem darum, die in der Nacht am Tatort abgefeuerten Schüsse zu verstehen. Mehrere Anwohner aus Erdesbach und Ulmet sagten aus, zur Tatzeit von den Schüssen geweckt worden zu sein. Der Richter führte sie als "Knallzeugen" ein.

Schüsse schwer zuzuordnen wegen Nähe zum Truppenübungsplatz

Dabei hakte das Gericht auch immer wieder nach, schließlich sei in unmittelbarer Nähe zum Tatort ein Truppenübungsplatz von der Bundeswehr. "Schüsse sind auch nichts Ungewöhnliches, doch die Schüsse des Bundeswehr-Betriebs seien Schnellfeuer, eher größere Kaliber", gab ein Zeuge an, der mehrere hundert Meter entfernt vom Tatort wohnt. In dieser Winternacht seien das andere Schüsse gewesen.

Ein harter lauter Schuss am Ende

Erst habe er einen harten, lauten Schuss gehört. Nach einer kurzen Pause dann mehrere, laute Schüsse, dazwischen seien jeweils einige Sekunden Pause gewesen. Dann – keine zehn Minuten später – einen letzten, lauten Schuss. "Das hat mir zu denken gegeben", sagt der Zeuge aus. Auf Nachfrage des Richters erklärt er, dass er selbst Jäger sei und sich mit Schüssen auskenne: "Es hat mich an einen Fangschuss erinnert." Einen Fangschuss wenden Jäger an, um ein bereits angeschossenes Tier auf der Jagd schnell und effektiv zu töten.

Ein anderer Zeuge sagte aus, er habe bei gekipptem Fenster geschlafen und sei auch von den Schüssen wach geworden. "Das war wie eine Feuerwerksbatterie", beschreibt er die Tatnacht und klopft dabei mit der Faust auf den Tisch: "Bumm-Bumm". Er will dann aus dem Fenster geschaut haben und die Worte "Bleib stehen" gehört haben.

Kaiserslautern

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Schüsse werden noch einmal im Gerichtssaal angehört

Forensiker hatten die Aufnahmen von Videokameras an Häusern in der Nähe des Tatorts ausgewertet. Auf diesen seien 23 Schüsse zu hören gewesen. Über große Lautsprecher wurden diese Aufnahmen im Gericht vorgespielt. Darauf war deutlich ein Schusswechsel zu hören, unterschiedliche Schussabfolgen.

Magazin "Stern" berichtet exklusiv aus Ermittlungsakten

Unterdessen berichtet das Magazin "Stern", Andreas S. soll die Schüsse angekündigt haben. Der "Stern" bezieht sich auf Ermittlungsakten, die das Magazin exklusiv habe einsehen können. Demnach soll Andreas S. in der Vergangenheit mehrfach angekündigt haben, zu schießen, falls er beim Wildern ertappt werde. Ein langjähriger Jägerfreund des Hauptangeklagten habe gesagt, dieser habe erzählt, immer eine Schrotflinte dabei zu haben. So könne er sich den Weg freischießen, sollte er beim Wildern erwischt werden. Weitere Bekannte von Andreas S. berichteten der Polizei von ähnlichen Äußerungen.

Prozess in Kaiserslautern läuft seit vergangener Woche

Der Hauptangeklagte steht seit vergangener Woche vor dem Landgericht Kaiserslautern. Ihm wird vorgeworfen, Ende Januar auf einer Kreisstraße bei Ulmet im Kreis Kusel zwei Polizisten erschossen zu haben, um Wilderei zu vertuschen. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt. Dann sollen weitere Zeugen vernommen werden.

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